In virtuellen Lernsettings ist die individuelle Betreuung durch die Trainerin oder den Trainer von besonderer Relevanz, da es hier aufgrund der räumlichen Distanz schwieriger ist, eine Lernatmosphäre herzustellen und einzelne Teilnehmende beim Lernen zu unterstützen. Außerdem geht im virtuellen Raum vieles von dem, was in analogen Weiterbildungen zwischenmenschlich passiert, verloren.

Das gegenseitige Kennenlernen, die Möglichkeit der Kommunikation und Interaktion, aber auch individuelle Feedbackgespräche sowie Peer-Feedback können daher, angepasst an Weiterbildungsart und -kontext, ein fester Bestandteil von Online-Kursen sein. Feedbackgespräche sollten bestenfalls in einen Feedbackprozess integriert sein, in dem Lernende in regelmäßigen Abständen und in unterschiedlichen Formen eine Rückmeldung zu ihrer Beteiligung im Kurs erhalten und darauf reagieren können. 

Feedback in einer Kultur der Digitalität

Für einen didaktischen Feedback-Einsatz in der digitalen Lehre gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die aus der folgenden Grafik hervorgehen. Klicken Sie auf die Kreuzchen in der Grafik, um sich die Inhalte anzeigen zu lassen.

 

Funktionen und Formate in einer Kultur der Digitalität, nach Hauke Pölert 2021, angepasst, nicht unter freier Lizenz 

In den Beispielen  im Video wurde auf summatives und formatives Feedback hingewiesen.  In der Online-Lehre rücken formative Feedback-Formate zunehmend in den Fokus, da hier offene Lern- und Arbeitsformen und gerade die Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen „und damit auch Feedback zum Lern- und Arbeitsweg, zum Bewältigen von Herausforderungen und zur Herangehensweise an Problemstellungen“ (Pölert, 2021). Da aber auch Wissen und feste Strukturen wichtig bleiben, empfiehlt sich hier eine ausgewogene Mischung aus summativem und formativem Feedback, wie Pölert, Autor und Verantwortlicher für die Konzeption und Umsetzung des ML-Projekts „Multimediales Lernen‟ an einer Schule, erklärt. 

Während summatives Feedback z. B. in Form einer abschließenden Online-Testabfrage zu einem Lerninhalt erfolgen kann, bietet sich für das formative Feedback z. B. ein individuelles Lernentwicklungsgespräch, ein Audiofeedback durch die Lehrperson, ein Peer-Feedback oder die Selbstreflexion an.

Definition: formative Beurteilung

Die formative Beurteilung wird auch Lernfortschrittskontrolle genannt. Hierbei wird der Wissensstand eines Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen oder beurteilt. Daraus kann die Lehrperson Rückschlüsse für ihre Unterrichtsplanung ziehen. (Goethe-Institut)

Definition: summative Beurteilung

Die summative Beurteilung ist eine abschließende Beurteilung am Ende eines Kurses oder einer Lerneinheit. Die Lehrperson zieht sozusagen Bilanz über Wissen und Fähigkeiten der Lernenden und kann so den grundsätzlichen Lernerfolg beurteilen. (Goethe-Institut)

Neben den Beispielen aus dem Video gibt es auch noch weitere Möglichkeiten, Feedback in digitalen Weiterbildungen  umzusetzen. Einige Beispiele finden Sie im Folgenden:

Der Fokus beim virtuellen Feedback

Der Fokus beim lernförderlichen Feedback liegt in der digitalen Lehre genau wie bei klassischen Lehr- und Lernformaten in erster Linie auf dem Lernprozess der Teilnehmenden. Er liegt nicht auf einem bestimmten Verhalten (oder Nicht-Verhalten), sondern konzentriert sich auf Wissenszuwachs und Kompetenzerwerb im kognitiven Bereich. Feedback im hier besprochenen Sinne enthält lernrelevante Informationen, es bezieht sich auf den Weg oder die Lücke, die zu überwinden ist, um ein bestimmtes Lernziel zu erreichen. Bei Feedback geht es deshalb nicht vorrangig um ein Lob, das sich auf das Selbst bzw. die Person der oder des Lernenden bezieht: Lob enthält keine lernrelevanten Informationen und sollte nicht mit Feedback vermischt werden.

Sie können sich im Folgenden die drei Ebenen, auf denen lernförderliches Feedback wirkt, anschauen, indem Sie den Regler unter dem Bild verschieben.

 

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Um ein lernförderliches Feedback zu geben, können deshalb die folgenden drei Fragen im Vorfeld als Anhaltspunkte für die inhaltliche Planung, Gestaltung und Umsetzung konkreter Feedback-Methoden dienen:

Fragen für das Planen von Feedbackmethoden auf den unterschiedlichen Ebenen:

  • Was ist das Ziel (dieser Weiterbildung, dieser Lerneinheit, dieser Übung, …) und wird/wurde es erreicht?
  • Wie geht es voran (mit den geplanten Inhalten, dem individuellen Lernen)?
  • Wie geht es weiter? Was sollte verändert werden?

Geeignete Feedbackmethoden für digitale Settings sollten wie in traditionellen Lernumgebungen alle lernrelevanten Fragen auf diesen drei Ebenen beantworten. Achten Sie also darauf, sich nicht nur am laufenden Lernprozess auszurichten, sondern daneben auch Abfragen zur Aufgabe (Anbindung ans Lernziel) einzubinden und den Blick auch in die Zukunft zu richten (Selbstregulation).

Leonie Klein, Teilnehmerin eines Grafikdesign-Kurses, berichtet aus ihrer Erfahrung mit einem Online-Kurs:

Teilnehmerin Leonie Klein berichtet, Eigene Darstellung, CC-BY-SA 3.0

Referenzen

Bastianian, J., Combe, A. & Langer, R. (2003). Feedback-Methoden. Erprobte Konzepte, evaluierte Erfahrungen. Beltz Verlag.

Goethe-Institut: https://www.goethe.de/Z/50/commeuro/90305.htm (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Hattie, J. (2013). Lernen sichtbar machen. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.

Hattie, J. (2009). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement. London: Taylor & Francis Ltd.

Hattie, J.; Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research 77/1.

Klante, S., Biel, C. & Schlupp-Winkler, M. (2020). Feedback in individuellen Gesprächen einsetzen. In: Beim Lernen unterstützen – Feedback an die Kursmitglieder. EULE Lernpfad. Verfügbar unter: https://www.wb-web.de/lernen/lernpfade/beim-lernen-unterstutzen-feedback-an-die-kursmitglieder.html

Klante, S., Biel, C. & Schlupp-Winkler, M. (2020). Konstruktiv mit Feedback umgehen. In: "Hätte ich das mal vorher gewusst!" – Weiterbildungen durch Lerner-Lehrer-Feedback verbessern? EULE Lernpfad. Verfügbar unter: https://www.wb-web.de/lernen/lernpfade/hatte-ich-das-mal-vorher-gewusst-weiterbildungen-durch-lerner-lehrer-feedback-verbessern.html

Klein, I. (2017). Gruppen leiten ohne Angst. Themenzentrierte Interaktion (TZI) zum Leiten von Gruppen und Teams. Augsburg: Auer Verlag.

Dr. habil. Persike, Malte (04.04.2018). So viele antworten –  Anleitung Audience Response Systeme in der Lehre. Verfügbar unter https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/anleitung-audience-response-systeme (zuletzt abgerufen am 29.11.2021)

Pölert, Hauke (2021). Feedback digital – Feedback in einer Kultur der Digitalität, 04.01.2021, Verfügbar unter https://unterrichten.digital/2021/01/04/feedback-digital-methoden-tools/ (zuletzt abgerufen am 09.11.2021).

Prohaska, Sabine (2021). Der Mensch im Mittelpunkt. Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching, 2021, S. 16-18.