Rückmeldungen und Feedback sind der Schlüssel, um den wechselseitigen Austausch zwischen Lehrkräften und Lernenden zu ermöglichen – und eine mögliche „Einbahnstraßenkommunikation“ zu vermeiden.

Rückmeldungen erlauben es Lehrenden, den Unterricht mit den Augen der Lernenden zu sehen. Auf der anderen Seite stärkt Feedback die Identifizierung der Teilnehmenden mit dem Lernprozess und fördert ihre Autonomie sowie ihre Reflexions- und (Selbst-) Bewertungsfähigkeiten.

Wie setzen Lehrende Feedback in ihren Kursen und Trainings ein? Und wie nehmen Teilnehmende Feedback auf? Ein Dozent und eine Teilnehmerin berichten aus ihrer Praxis:

Joachim Brinkmann, Dozent, berichtet aus seiner Praxis:

Das Bild zeigt eine Animationsfigur des Dozenten Joachim Brinkmann am Schreibtisch.

Dozent Joachim Brinkmann, Bild: Eigene Darstellung CC-BY-SA 3.0 

Ich möchte das Fallbeispiel lieber lesen.

Ich bin als Dozent für Schreibtechniken bei einem Weiterbildungsanbieter tätig. Unsere kreative Schreibwerkstatt richtet sich an Menschen, die sich für das Schreiben interessieren und vielleicht schon immer mal davon geträumt haben, ihr eigenes Buch zu schreiben, aber nicht genau wissen, wie man ein solches Projekt angeht und welche Techniken man dazu einsetzt. Durch die Corona-Pandemie hat sich der Unterricht vom Kursraum in den digitalen Raum verlagert, was ich anfangs sehr schade fand. 

Mir ist dadurch aber auch noch mal bewusst geworden, wie wichtig in meinem Unterricht die Kommunikation und der Austausch ist und wie sehr die Kurse vom gegenseitigen Feedback leben. Feedback hilft den Lernenden dabei, sich weiterzuentwickeln und ihren eigenen Schreibstil zu finden oder auszufeilen. Auch wenn viele der Kursteilnehmenden einfach nur aus Freude schreiben, leben Texte und Bücher letztendlich von der Rezeption, sodass es hier besonders wichtig für die Lernenden ist, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie ihre Geschichte von anderen aufgenommen werden. Ohne Feedback würden meine Kurse aus meiner Sicht keinen Sinn ergeben.

Leonie Klein, Teilnehmerin eines Grafikdesign-Kurses, berichtet aus ihrer Erfahrung mit einem Online-Kurs:

Das Bild zeigt eine Animationsfigur der Kursteilnehmerin Leonie Klein.n

Kursteilnehmerin Leonie Klein, Bild: Eigene Darstellung CC-BY-SA 3.0 

Ich möchte das Fallbeispiel lieber lesen.

Ich arbeite als Redakteurin bei einer Online-Zeitschrift für Natursport. Zu meiner Arbeit gehört auch das Bearbeiten und Einbinden von Bildmaterial und Grafiken in redaktionelle Beiträge. Um besser mit den verschiedenen Werkzeugen von Grafikprogrammen umgehen zu können, habe ich mich in diesem Winter zu einem viermonatigen Kurs angemeldet. Aus Zeitgründen habe ich mich dabei für einen Online-Kurs entschieden.

Rückblickend kann ich sagen, dass der Kurs eine sehr gute Erfahrung gewesen ist. Was mir besonders geholfen hat, ist, dass die Dozentin jede meiner eingereichten Arbeiten korrigiert hat und mir immer ein Feedback dazu gegeben hat. Sie ging auch immer sehr zeitnah auf meine Fragen ein, sodass ich, wenn ich mal ins Stocken kam, schnell Hilfe erhielt und gut weiterarbeiten konnte. Ich frage mich, ob ich in einem Präsenzseminar auch so detaillierte Rückmeldungen und Tipps erhalten hätte. Bei größeren Lerngruppen ist es ja immer schwierig, so ausführlich auf die einzelnen Teilnehmenden einzugehen. Hier konnte ich in meinen eigenen Rhythmus arbeiten und bei Bedarf den Kurs auch um einen Monat verlängern, um meine Aufgaben in Ruhe bearbeiten zu können.

Leitfragen zur Reflexion:

Sie haben nun etwas über die Erfahrungen eines Dozenten und Teilnehmerin erfahren: 

  • Decken sich die Beispiele mit Ihren eigenen Erfahrungen? 
  • Wo erkennen Sie Ähnlichkeiten oder Unterschiede?

Zur Bedeutung von Feedback in digitalen Weiterbildungen

Was unterscheidet digitale Lehr- und Lernformate von Präsenzformaten?

  • Kursteilnehmende sind  zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten 
  • Lehrperson kann nicht unmittelbar auf Reaktionen eingehen
  • Feedback über Gestik und Mimik zu vermitteln ist erschwert oder gar nicht möglich

Bei der Planung von digitalen Formaten ist folglich ein besonderes Augenmerk auf Feedback zu setzen, um den Teilnehmenden Raum für Rückfragen und Antworten zu geben. Die Bildungswissenschaftlerin Hirsch (2020) weist auf die doppeldeutige Situation von Feedback in digitalen Lernumgebungen hin, wo die Gestaltung der Kommunikation noch deutlich weniger selbstverständlich bzw. sozial eingeübt ist als in Präsenz-Situationen:

  • Einerseits sind z. B. Rückmeldungen zu etwas, das in einer Videokonferenz gesagt wird, viel weniger offensichtlich als in der Präsenzlehre.
  • Andererseits eröffnet dieses Format auch neue Perspektiven und Potenziale sowie neue Möglichkeiten zur personalisierten Gestaltung.
„Da man mein ‚freundliches Lächeln’ als Reaktion auf etwas Gelesenes beim Lernen auf Distanz nicht sieht, schreibe ich meine Emotion auf und teile sie so explizit mit. Statt als lehrende Person einer ganzen Lerngruppe etwas mitzuteilen, gebe ich unterschiedliches und personalisiertes Feedback an einzelne Lernende. Statt nur etwas zu sagen oder aufzuschreiben, kann ich ohne großen Aufwand Feedback als Audio oder auch als kurzes Video geben.“  

(Hirsch, 2020)

Im Folgenden können Sie sich eine Karte  zur Bedeutung von Feedback anschauen. Wenden Sie die Karte, um die Rückseite zu sehen.

 

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Feedback ist also keinesfalls nur eine abschließende Beurteilung, sondern selbst eine Methode, die dazu führen kann, dass Lernende bestmögliche Voraussetzungen haben, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Stimmen die Voraussetzungen für Feedback, ist eine passende Methode gewählt und ist das Lernziel klar definiert, kann Feedback auch im digitalen Raum sein volles Potenzial entfalten.

Was sind die Ziele von Feedback?

Werden Feedbackmethoden in Weiterbildungssettings eingesetzt, sollte immer klar sein, was das Ziel der Maßnahme ist. Dabei kann Feedback als einmalige Intervention bestimmte Ziele verfolgen und gleichzeitig kann eine Feedbackkultur über die ganze Weiterbildung hinweg Auswirkungen auf das Lehren und Lernen haben. Diese sollten bei der Planung immer berücksichtigt und mitgedacht werden.

Im Folgenden  finden Sie einen Überblick über die unterschiedlichen Ziele von Feedback. 

Durch einen Klick  auf die Info-Symbole finden Sie weitere Informationen sowie jeweils ein Beispiel aus der Praxis.

 


Referenzen

Boud, D. & Molloy, E. (2013). Feedback in Higher and Professional Education. London and New York: Routledge.

Brookhart, Susan (2008). How to Give Effective Feedback to Your Students. ASCD.

Hirsch, Nele (08.12.2020). Feedback in der Kultur der Digitalität. EBildungslabor –  Unterstützung für zeitgemäße Bildung. Verfügbar unter https://ebildungslabor.de/blog/feedback/  (zuletzt abgerufen am 10.11.2021).

 Klante, S., Biel, C. & Schlupp-Winkler, M. (2020). Feedback gezielt und durchdacht einsetzen. In: Beim Lernen unterstützen – Feedback an die Kursmitglieder. EULE Lernpfad. Verfügbar unter: https://www.wb-web.de/lernen/lernpfade/beim-lernen-unterstutzen-feedback-an-die-kursmitglieder.html

Kompass Prinzip: Feedback. Verfügbar unter http://www.kompass-prinzip.de/methoden/feedback (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Prohaska, Sabine (2021). Der Mensch im Mittelpunkt. Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching. 2021, S. 16-18.

Reich, K. (2008). Methodenpool –  Feedback. Universität Köln. Verfügbar unter http://methodenpool.uni-koeln.de/download/feedback.pdf (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Slembek-Geissner (2001). Feedback. Das Selbstbild im Spiegel der Fremdbilder. Röhrig-Universitätsverlag.

Stangl, W. Gutes Feedback – Was ist das? Verfügbar unter https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Feedback.shtml (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Stellamans, A. & Baeijaert, L. (2015). The Art of Giving Feedback: Continuously adapting and improving our collaboration. Ilfaro.