In virtuellen Lernsettings ist die individuelle Betreuung durch die Trainerin oder den Trainer von besonderer Relevanz, da es hier aufgrund der räumlichen Distanz schwieriger ist, eine Lernathmosphäre herzustellen und einzelne Teilnehmende beim Lernen zu unterstützen. Außerdem geht im virtuellen Raum vieles von dem, was in analogen Weiterbildungen zwischenmenschlich passiert, verloren.

Das gegenseitige Kennenlernen, die Möglichkeit der Kommunikation und Interaktion, aber auch individuelle Feedbackgespräche sowie Peer-Feedback können daher, angepasst an Weiterbildungsart und -kontext, ein fester Bestandteil von Online-Kursen sein. Feedbackgespräche sollten bestenfalls in einen Feedbackprozess integriert sein, in dem Lernende in regelmäßigen Abständen und in unterschiedlichen Formen eine Rückmeldung zu ihrer Beteiligung im Kurs erhalten und darauf reagieren können. 

Feedback in einer Kultur der Digitalität

Für einen didaktischen Feedback-Einsatz in der digitalen Lehre gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die aus dem folgenden Video hervorgehen. Im Video kommen außerdem Lehrende zu Wort und berichten aus ihrer Praxis.

VIDEO: Grafik  + Text + 2 Storybeispiele

Feedback – Funktionen und Formate in einer Kultur der Digitalität, nach Hauke Pölert 2020, angepasst

 

In den Beispielen  im Video wurde auf summatives und formatives Feedback hingewiesen.  In der Online-Lehre rücken formative Feedback-Formate zunehmend in den Fokus, da hier offene Lern- und Arbeitsformen und gerade die Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen „und damit auch Feedback zum Lern- und Arbeitsweg, zum Bewältigen von Herausforderungen und zur Herangehensweise an Problemstellungen“ (Pölert, 2021). Da aber auch Wissen und feste Strukturen wichtig bleiben, empfiehlt sich hier eine ausgewogene Mischung aus summativem und formativem Feedback, wie Pölert, Autor und Verantwortlicher für die Konzeption und Umsetzung des ML-Projekts „Multimediales Lernen‟ an einer Schule, erklärt. Während summatives Feedback z. B. in Form einer abschließenden Online-Testabfrage zu einem Lerninhalt erfolgen kann, bietet sich für das formative Feedback z. B. ein individuelles Lernentwicklungsgespräch, ein Audiofeedback durch die Lehrperson, ein Peer-Feedback oder die Selbstreflexion an.

Definition: summative und formative Beurteilung

Die formative Beurteilung wird auch Lernfortschrittskontrolle genannt. Hierbei wird der Wissensstand eines Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt gemessen oder beurteilt. Daraus kann die Lehrperson Rückschlüsse für ihre Unterrichtsplanung ziehen.
Die summative Beurteilung ist eine abschließende Beurteilung am Ende eines Kurses oder einer Lerneinheit. Die Lehrperson zieht sozusagen Bilanz über Wissen und Fähigkeiten der Lernenden und kann so den grundsätzlichen Lernerfolg beurteilen. (Goethe-Institut)

Neben den Beispielen aus dem Video gibt es auch noch weitere Möglichkeiten, Feedback in digitalen Weiterbildungen  umzusetzen. Einige Beispiele finden Sie im Folgenden:

Der Fokus beim virtuellen Feedback

Der Fokus beim lernförderlichen Feedback liegt in der digitalen Lehre genau wie bei klassischen Lehr- und Lernformaten in erster Linie auf dem Lernprozess der Teilnehmenden. Er liegt nicht auf einem bestimmten Verhalten (oder Nicht-Verhalten), sondern konzentriert sich auf Wissenszuwachs und Kompetenzerwerb im kognitiven Bereich. Feedback im hier besprochenen Sinne enthält lernrelevante Informationen, es bezieht sich auf den Weg oder die Lücke, die zu überwinden ist, um ein bestimmtes Lernziel zu erreichen. Bei Feedback geht es deshalb nicht vorrangig um ein Lob, das sich auf das Selbst bzw. die Person der oder des Lernenden bezieht: Lob enthält keine lernrelevanten Informationen und sollte nicht mit Feedback vermischt werden.

Lernförderliches Feedback wirkt auf drei Ebenen:

  1. Feedback zur Aufgabe,
  2. Feedback zum Lernprozess
  3. Feedback zur Selbstregulation

Um ein lernförderliches Feedback zu geben, können deshalb die folgenden drei Fragen im Vorfeld als Anhaltspunkte für die inhaltliche Planung, Gestaltung und Umsetzung konkreter Feedback-Methoden dienen:

Fragen für das Planen von Feedbackmethoden auf den unterschiedlichen Ebenen:

  • Was ist das Ziel (dieser Weiterbildung, dieser Lerneinheit, dieser Übung, …) und wird/wurde es erreicht?
  • Wie geht es voran (mit den geplanten Inhalten, dem individuellen Lernen)?
  • Wie geht es weiter? Was sollte verändert werden?

Geeignete Feedbackmethoden für digitale Settings sollten wie in traditionellen Lernumgebungen alle lernrelevanten Fragen auf diesen drei Ebenen beantworten. Achten Sie also darauf, sich nicht nur am laufenden Lernprozess auszurichten, sondern daneben auch Abfragen zur Aufgabe (Anbindung ans Lernziel) einzubinden und den Blick auch in die Zukunft zu richten (Selbstregulation).

Das Bild zeigt die Kursteilnehmerin Leonie Klein.

Leonie Klein, Teilnehmerin eines Grafikdesign-Kurses, berichtet aus ihrer Erfahrung mit einem Online-Kurs:

Ich arbeite als Redakteurin bei einer Online-Zeitschrift für Natursport und habe vor Kurzem an einem Grafikdesign-Kurs teilgenommen, um mich beruflich weiterzubilden. Ich habe viel Neues für meine praktische Arbeit gelernt, muss aber sagen, dass ich vor allem von dem Feedback profitiert habe. Jeder hat seine eigene Art an Illustrationen und Designs heranzugehen und da hilft eine Draufsicht oft mehr als allgemeine Hinweise und Tipps.

Zu jeder eingereichten Monatsaufgabe erhielt ich eine sehr ausführliche schriftliche Rückmeldung von der Dozentin. Sowohl in der Aufgabenstellung als auch in dem Feedback waren Ziele und Teilziele der Aufgabe festgehalten, sodass mir  immer klar war, was erwartet wurde und  ich anschließend gut nachvollziehen konnte,  inwieweit ich die einzelnen Aspekte erfüllt hatte bzw. an welchen Stellen ich mich noch verbessern kann. Zu jedem Teilaspekt gab es eine Punktebewertung und einen zusätzlichen Kommentar der Dozentin mit Tipps und Hinweisen. Dadurch konnte ich die Hinweise direkt bei der nächsten Aufgabe anwenden und schauen, ob ich mich verbessert habe. 

Diese Art des Feedbacks hat mir ein gutes Gefühl gegeben und ich habe gemerkt, dass mich jemand in meinem Lernprozess begleitet, mir hilft, Schwierigkeiten zu erkennen und mich  weiterzuentwickeln. 


Referenzen

Bastianian, J., Combe, A. & Langer, R. (2003). Feedback-Methoden. Erprobte Konzepte, evaluierte Erfahrungen. Beltz Verlag.

Goethe-Institut: https://www.goethe.de/Z/50/commeuro/90305.htm (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Hattie, J. (2013). Lernen sichtbar machen. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.

Hattie, J. (2009). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement. London: Taylor & Francis Ltd.

Hattie, J.; Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research 77/1.

Klein, I. (2017). Gruppen leiten ohne Angst. Themenzentrierte Interaktion (TZI) zum Leiten von Gruppen und Teams. Augsburg: Auer Verlag.

Dr. habil. Persike, Malte (04.04.2018). So viele antworten –  Anleitung Audience Response Systeme in der Lehre. Verfügbar unter https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/anleitung-audience-response-systeme (zuletzt abgerufen am 29.11.2021)

Pölert, Hauke (2021). Feedback digital – Feedback in einer Kultur der Digitalität, 04.01.2021, Verfügbar unter https://unterrichten.digital/2021/01/04/feedback-digital-methoden-tools/ (zuletzt abgerufen am 09.11.2021).

Prohaska, Sabine (2021). Der Mensch im Mittelpunkt. Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching, 2021, S. 16-18.