Im Folgenden finden Sie ein paar Beispiele für Rückmeldemöglichkeiten in digitalen Weiterbildungen und Punkte, die dabei wichtig sind. 

Automatische Rückmeldungen

Leonie Klein, Redakteurin:

Ich bin seit drei Jahren als Redakteurin bei einer Online-Zeitschrift für Natursport tätig.  Da mein Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, uns in Themen wie Daten- oder Unfallschutz zu unterweisen, müssen wir jährlich ein Online-Training absolvieren, das zu diesem Zweck eingerichtet wurde.  Mit einem individuellen Zugang gelangen wir zu thematischen Modulen, die aus kurzen Informationseinheiten bestehen und mit Testfragen enden. Wir sehen direkt, ob wir die Fragen richtig oder falsch beantwortet haben. Bei einer falschen Antwort bekommen wir eine entsprechende Rückmeldung und die Möglichkeit, zurück zur passenden Informationseinheit zu gelangen, um die Frage dann richtig beantworten zu können.

 

Gibt es Aufgaben in einem Lernmanagementsystem oder findet das komplette Training online statt, ist meistens eine automatische Auswertung der Antworten möglich. Das heißt, dass direktes Feedback zur gestellten Frage gegeben werden kann, zum Beispiel ob die gegebene Antwort richtig oder falsch ist. Je kürzer die Zeit zwischen Beantwortung und Rückmeldung ist, umso wirksamer ist das Feedback.

Beispiel für eine Aufgabe mit automatischem Feedback aus einem

Englischkurs, Bild: Eigene Darstellung

 

Ein automatisches Feedback sollte abwechslungsreich formuliert sein, vor allem aber möglichst klar und genau – so kommt es nicht zu Missverständnissen und die Kursteilnehmenden können die Rückmeldung klar einordnen. „Richtig“ oder „falsch“ sind eindeutig formulierte Antworten, genau wie „Treffer“, „daneben“, „neuer Versuch“ oder „gut gemacht“.

Damit das Feedback für den Teilnehmer oder die Teilnehmerin nachvollziehbar ist, sollte es eine Begründung liefern. Also neben der Rückmeldung „richtig oder falsch“ noch ein „Wieso“ enthalten. War die Antwort perfekt oder hat vielleicht nur ein bestimmter Aspekt gefehlt? Zusatzinformationen helfen den Teilnehmenden, das Feedback genauer zu verstehen. Das kann eine Erklärung sein oder ein Hinweis, wie er oder sie zur richtigen Antwort kommt.

Kurze persönliche Rückmeldungen 

Joachim Brinkmann, Dozent für kreatives Schreiben und Schreibtechniken bei einem Weiterbildungsanbieter:

Ich gebe Online-Schreibkurse für sehr unterschiedliche Zielgruppen. Einige meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen meine Kurse für ihre berufliche Weiterbildung, für andere ist das Schreiben ein Hobby oder sie möchten einfach mal etwas Neues ausprobieren. Die Erwartungen an den Kurs und an Rückmeldungen sind deshalb sehr unterschiedlich.

Ich habe es mir daher zur Gewohnheit gemacht, Teilnehmenden individuell zu ihren Vorerfahrungen und Zielen zu eingereichten Beiträgen kurze Rückmeldungen zu geben. Die Profis erwarten beispielsweise meist ehrliches, kritisches und detailliertes Feedback. Hobby-Autorinnen und -Autoren hingegen sind noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Schreibstil oder brauchen Ermutigung. Besonders schön finde ich es, wenn auch  andere Teilnehmende zusätzlich eine kurze Rückmeldung geben und ihre Einschätzung mitteilen. 

Kurze Rückmeldungen können ganz unterschiedlich aussehen: Von dem Hinweis, dass das Mikrofon beim Sprechen noch ausgeschaltet ist, über eine kurze Rückmeldung zum Vorgehen oder den Lernfortschritt bis hin zu einer sanften Fehlerkorrektur, kann es ganz unterschiedliche Anlässe geben. Die Rückmeldung kann so das gemeinsame Arbeiten ermöglichen, die Relevanz der Inhalte verdeutlichen oder das Lernen verbessern und die Teilnehmenden motivieren. Die Rückmeldungen können direkt mündlich gegeben werden oder aber auch schriftlich zum Beispiel über einen Chat erfolgen.

Wichtig ist, dass das gemeinsame und effektive Lernen im Vordergrund steht und niemand durch eine Rückmeldung bloßgestellt wird.

Ausführliche und individuelle persönliche Rückmeldungen 

Joachim Brinkmann, Dozent für kreatives Schreiben und Schreibtechniken bei einem Weiterbildungsanbieter:

Zum Ende meiner Kurse haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, längere Beiträge bei mir einzureichen. Für die Begutachtung nehme ich mir viel Zeit, schaue noch einmal, welche Rückmeldungen ich vorher gegeben habe und wie die Entwicklung beim Schreiben verlaufen ist. Auch hier berücksichtige ich die Vorerfahrungen und Ziele der Autorinnen und Autoren. 

Einigen Teilnehmenden reicht hier eine kurze Rückmeldung, aber ich biete auch ein ausführliches Gespräch an. Für das Abschlussfeedback vereinbare ich individuelle Termine, da sie sonst den Zeitrahmen der Kurseinheiten sprengen würden.

Leonie Klein, Redakteurin bei einer Online-Zeitschrift für Natursport: 

Da ich auch privat gerne in der Natur bin, habe ich im letzten Jahr an einem Online-Video-Kurs teilgenommen. Ich wollte lernen, wie ich aus Videomaterial einen hochwertigen Film schneiden kann. 

Wir haben im Kurs viele Techniken kennengelernt und konnten sie direkt an unserem Material ausprobieren, so dass ich am Ende einen fertigen Film hatte. Diesen konnte ich in der Kursgruppe hochladen und mir die Filme der anderen Teilnehmenden ansehen. Ich fand es zum einen sehr spannend zu sehen, welche Filme bei den anderen entstanden sind. Zum anderen fand ich es unglaublich hilfreich, die Filme auch aus dem Blickwinkel der Trainerin zu sehen. Wir sind die Filme gemeinsam durchgegangen und sie hat zu jedem ausführlich erzählt, was sie richtig gelungen fand, uns aber auch, je nach Thema und Schwerpunkt eines Films, noch Anregungen und Tipps gegeben. Dadurch konnte ich auch aus den Rückmeldungen zu den Filmen der anderen etwas für mich mitnehmen. 

Ausführliche Rückmeldungsgespräche sollten vorher abgesprochen und gut vorbereitet sein und können zum Beispiel mit Videokonferenztools durchgeführt werden.

Damit diese Gespräche für die Teilnehmenden lernförderlich sind, sollten ein paar Punkte berücksichtigt werden:

  • Sie sollten als Gespräch und nicht als Monolog gestaltet werden.
  • Im Idealfall können Lernende zunächst ihre eigene Einschätzung wiedergeben.
  • Lehrende sollten beschreiben und erklären, jedoch auf Interpretationen verzichten.
  • Feedback sollte sich auf Verhaltensweisen beziehen, die Lernende verändern können.
  • Wichtig ist, Pausen zu machen, auf die Reaktion der Lernenden zu achten und zu prüfen, ob alles richtig verstanden wurde.
  • Feedback sollte Möglichkeiten und Wege aufzeigen. Im Idealfall werden Lösungen gemeinsam mit der oder dem Lernenden entwickelt.

Ausführliche und individuelle schriftliche Rückmeldungen 

Joachim Brinkmann, Dozent für kreatives Schreiben und Schreibtechniken bei einem Weiterbildungsanbieter:

Für die Begutachtung der Abschlussarbeiten meiner Teilnehmenden nehme ich mir viel Zeit und mache mir Notizen. Immer wieder habe ich Teilnehmende, die statt eines Gesprächs lieber eine schriftliche Rückmeldung hätten oder die mich nach dem Gespräch bitten, die Anmerkungen noch einmal schriftlich zur Verfügung zu stellen. Hier stelle ich fest, dass es für die Weiterentwicklung hilfreich sein kann, Feedback immer mal wieder zur Hand nehmen zu können. Durch die Notizen ist es für mich einfach, eine schriftliche Rückmeldung zu verfassen.

Schriftliches Feedback kann immer wieder gelesen und nachvollzogen werden und kann somit sehr lernförderlich sein. Es kann von der Lehrperson oder auch von anderen Teilnehmenden (Peer-Feedback) kommen.

Schriftliches Feedback ist eher sachlich und kann vor allem in emotionalen Situationen eine Hilfe sein. Wichtig ist, dass es sachlich und gut verständlich ist und im Idealfall nur zu ausgewählten Punkten gegeben wird, um die Lernenden nicht zu überfordern. Für Gruppenarbeiten und praktische Übungen eignet es sich nicht so gut.

Eine Feedbackkultur etablieren 

Leonie Klein, Redakteurin bei einer Online-Zeitschrift für Natursport: 

Noch heute nehme ich bei meinen Wanderungen die Kamera mit und mache kurze Videos, die ich dann zu Hause schneide. Die Trainerin in meinem  Online-Video-Kurs im letzten Jahr hat es geschafft, dass ich hier noch immer mit Begeisterung dabei bin und an meiner Technik arbeite. Die eigene Arbeit zu zeigen und sich Rückmeldungen auszusetzen, kann sehr schwierig oder verletzend sein.

Ich kann gar nicht genau sagen, wie die Trainerin es gemacht hat, aber sie war allen Beiträgen gegenüber absolut wertschätzend und hat von Anfang an klargemacht, dass jeder an einem anderen Punkt startet und andere Schwerpunkte setzt in seinen Filmen und deshalb Feedback für jeden anders aussehen wird. Sie hat außerdem häufig nachgefragt, welche Rückmeldungen gewünscht sind und ob ihr Feedback hilfreich war.  Dadurch hatten wir schnell eine sehr  offene und positive Stimmung und alle haben sich getraut, nachzufragen, wenn etwas unklar war.

Eine gelebte Feedbackkultur ermöglicht es, dass sich Teilnehmende leichter tun, Feedback für das eigene Lernen zu nutzen und gegebenenfalls selbst um ein Feedback zu bitten.

Wichtige Voraussetzungen hier sind:

  • Erwartungen, Wünsche, Erfahrungen und Befürchtungen zu Kursbeginn abfragen
  • Feedbackrunden auf Bedürfnisse der Teilnehmenden anpassen
  • durch einen klaren und sicheren Rahmen ein offenes und ehrliches Feedback ermöglichen
  • Feedback-Methoden nach dem Ziel des Feedbacks auswählen

Referenzen

Boud, D., Molloy, E. (2013). Feedback in Higher and Professional Education.  London and New York: Routledge.

Brookhart, Susan (2008). How to Give Effective Feedback to Your Students. ASCD

Kompass Prinzip: Feedback. Verfügbar unter: http://www.kompass-prinzip.de/methoden/feedback (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Prohaska, Sabine (2021). Der Mensch im Mittelpunkt, in Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching. 1. Februar bis März 2021, S. 16-18.

Stangl, W. Gutes Feedback – Was ist das? Verfügbar unter: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Feedback.shtml (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Stellamans, A. & Baeijaert, L. (2015). The Art of Giving Feedback: Continuously adapting and improving our collaboration. Ilfaro