Forschungsergebnisse aus dem schulischen Kontext zeigen, dass die Qualität der Lernergebnisse auf Seiten der Lernenden von der Qualität der kognitiven Aktivierung und der inhaltlichen Strukturierung im Unterricht abhängen (Lipowsky, 2006). Die Fähigkeit, Weiterbildungen auf die Realisierung von aktivierenden Methoden hin zu analysieren, ist deshalb für Lehrende von großer Bedeutung.

Doch was bedeutet Aktivierung eigentlich und wie kann dies in digitalen Kursen aussehen? Antworten zu diesen Fragen können Sie sich auf den folgenden Seiten anschauen.

 

Bild: iStock.com, Vertigo3d, nicht unter freier Lizenz

Was  ist kognitive Aktivierung und  macht aktive Lernende aus? 

Definition Aktivierung

Aktivierung bedeutet in der wörtlichen Ableitung, sich selbst oder jemanden in Tätigkeit zu setzen. Auf das Lernen bezogen ist damit die Anregung Teilnehmender zu einer selbsttätigen Erarbeitung von Inhalten und Auseinandersetzung mit Lerngegenständen gemeint. Bei der Kognitiven Aktivierung handelt es sich um Denk- und Lernprozesse bei Teilnehmenden, die in Weiterbildungen zum besseren Lernen beitragen. Sie führt zu einer aktiven geistigen Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und zu einer Vernetzung von altem und neuem Wissen. 

Die Aktivierung Lernender stellt also eine zentrale Grundlage für den nachhaltigen Erwerb von Kompetenzen dar. Jedoch bedeutet Aktivität nicht zwingend Lernen. Beobachtbares Verhalten ist nicht mit inneren Prozessen der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen gleichzusetzen. Es kommt auf eine kognitive, emotionale und motorische Aktivierung an. Um diese zu erreichen, ist ein Mix aus Input und eigenaktiver Auseinandersetzung bzw. Instruktion und Konstruktion im didaktischen Vorgehen zielführend.  

In digitalen Kursen ist es umso wichtiger, schon bei der Planung dafür zu sorgen, dass sich das Lernen nicht auf rein rezeptive Lernaktivitäten beschränkt. Aktivierung und Interaktion spielen hier eine besondere Rolle, da die Konzentrationsfähigkeit und soziale Präsenz aufgrund der physischen Eigenschaften von Online-Kursen geringer sind. Lernende brauchen Anreize, die sie motivieren, sich mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen und sie dazu animieren, eigenständig zu lernen. 

Im Idealfall führt Aktivierung zu einer Selbsttätigkeit der Lernenden. Was bedeutet das?

Klicken Sie auf den Infopunkt, um sich Informationen dazu anzeigen zu lassen.

 

This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

Ansätze zur kognitiven Aktivierung von Lernenden

Bei der Förderung aktiven Lernens durch aktivierende Maßnahmen ist weniger die konkrete Lernform entscheidend als ihr Beitrag, die Lernenden aus einer passiven in eine aktive Rolle der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand zu bringen. Dabei steht nicht die Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern die Frage, wie die Lernenden bei der eigenständigen Erarbeitung von Lösungen unterstützt werden können.

Wenden Sie die Karten, um zu sehen, welche Rolle dabei der Lehrperson und Lernenden zukommt.

This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

Bilder: istock.com, gorodenkoff, nicht unter freier Lizenz;  istock.com, BeritK, nicht unter freier Lizenz

 

Befasst man sich intensiver mit der Forschung zur kognitiven Aktivierung, so wird deutlich, dass darunter auch inhaltlich teilweise recht unterschiedliche Maßnahmen der Lehrperson und/oder Aktivitäten der Lernenden verstanden werden. Diese können Sie in der folgenden Abbildung sehen.

Indem Sie auf die Kreuzchen im Bild klicken, können Sie sich zusätzliche Informationen zu jeder Maßnahme anzeigen lassen.

This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

Ausgewählte Maßnahmen zur Aktivierung der Lernenden, Abbildung: Eigene Darstellung nach Lipowsky & Hess, 2019, S. 84; Inhalt: Lipowsky & Hess, 2019, S. 84-100.

 

So unterschiedlich diese Maßnahmen im Detail auch erscheinen mögen: Ihnen ist gemeinsam, dass sie der Verarbeitung und dem Abruf von Informationen dienen, also die Anregung kognitiver Prozesse unterstützen. 

Alle dargestellten Maßnahmen können in die Gesamtplanung von Weiterbildungen aufgenommen und als Techniken und (kleinere) Methoden in einzelnen Phasen auch von digitalen Lernangeboten zum Einsatz kommen, z. B. um zu Beginn in Themen einzuführen oder um den Lernenden zu helfen, am Ende einer Lerneinheit, Ergebnisse zu integrieren und zu reflektieren. Sie können aber auch in digitalen Kursen als gezielte Aufgabenstellungen dabei helfen, das Anforderungsniveau von Aufgabenbearbeitungen zu variieren und Lernende bei der Auseinandersetzung mit Lerngegenständen individualisiert zu fördern. 

Aktivierung von Lernenden in virtuellen Lernszenarien 

Für die Aktivierung von Lerngruppen bieten Videokonferenzanwendungen und Kollaborationstools einen großen Mehrwert, da diese die Live-Kommunikation in der Lerngruppe ermöglichen und durch sie Aktivierungsmaßnahmen in der direkten Kommunikation mit den Lernenden umgesetzt werden können.

Insgesamt stellen digitale Kurse für die Lernförderung und Lernunterstützung jedoch eine besondere Herausforderung dar, insbesondere Selbstlernkurse, denn hier sind Lernende viel stärker in ihrer Eigenständigkeit gefordert. Viele Selbstlernkurse sind nicht auf Interaktion ausgerichtet, so dass keine oder eine nur eine sehr geringe Kommunikation mit der Lehrperson oder anderen Lernenden entsteht, wobei gerade der Dialog die direkte und kurzfristige Aktivierung durch die Lehrperson ermöglicht. Und auch wenn viele Teilnehmende sich aufgrund der zeitlichen und räumlichen Flexibilität, die Online-Kurse bieten, zur Teilnahme an solchen Angeboten entscheiden, kann es für sie schwierig sein, sich völlig losgelöst von einem gemeinsamen, physischen Lernkontext und ohne soziale Einbindung zum Lernen zu motivieren und am Ball zu bleiben. 

Hier gilt es ganz besonders eine anregende Lernumgebung zu schaffen und bei der Planung und Erstellung der Lernmaterialien sowie dem Einsatz von digitalen Tools das Aktivierungsprinzip zu berücksichtigen.

 

Bilder (von links oben nach rechts im Uhrzeigersinn): iStock.com, Riska, nicht unter freier Lizenz;  iStock.com, kate_sept2004, nicht unter freier Lizenz; iStock.com, Geber86, nicht unter freier Lizenz; iStock.com, golero, nicht unter freier Lizenz

Trotz digitaler Distanz sollten die Lernmaterialien so konzipiert sein, dass sie in den Lernenden Denkprozesse anstoßen, ihnen die Möglichkeit bieten, das Erlernte in der Praxis anzuwenden und auf andere Kontexte zu übertragen sowie über Lernwege nachzudenken.

Maßnahmen der kognitiven Aktivierung können an ganz unterschiedlichen Stellen und auf ganz unterschiedlichen Ebenen des alltäglichen Lehrhandelns im digitalen Kursraum berücksichtigt werden und mittels Tools wie Videokonferenzanwendungen, Kollaborationstools Anwendung in der Praxis finden.  

Die folgende Grafik nach Wendorff, 2009, gibt Ihnen einen Überblick über aktivierende Methoden, die in den unterschiedlichen Seminarphasen eingesetzt werden können. Indem Sie auf die Fragezeichen klicken, können Sie sich entsprechende Tools anzeigen lassen.

This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

Aktivierende Methoden in den unterschiedlichen Seminarphasen, Bild: Eigene Darstellung nach Wendorff, 2009

Referenzen

Adamina, M. (2020). Grundlagen und Vorschläge für die Bearbeitung, Analyse und Reflexion zu den Fallbeispielen von Unterrichtseinheiten, -sequenzen und ausgewählten Unterrichtskomponenten. E) Lernunterstützung durch die Lehrpersonen bei eigenständigen Arbeiten (Individuelles Arbeiten, Tandem-Arbeit, Gruppenarbeit). PHBern, Institut Forschung, Entwicklung und Evaluation, Projekt Kompetenzorientierte, fachspezifische Unterrichtsentwicklung NMG, Räume, Gesellschaften, Wirtschaft Primarstufe, LP 21 NMG 2. Zyklus KB 8,7,6. 

Baldes, C. (2003). Deutsche Reformpädagogik. Die pädagogische Bewegung am Beispiel dreier Schulkonzepte. Norderstedt: Verlag Grin. 

Fauth, B. & Leuders, T. (2018). Kognitive Aktivierung im Unterricht (Wirksamer Unterricht – Band 2). Landesinstitut für Schulentwicklung. 

Guldimann, T. (1996). Eigenständiger Lernen. Durch metakognitive Bewusstheit und Erweiterung des kognitiven und metakognitiven Strategierepertoires. Bern. 

Kunter, M. und Trautwein, U. (2013): Psychologie des Unterrichts. Paderborn. 

Lipowsky, F. (2006). Auf den Lehrer kommt es an. Empirische Evidenzen für Zusammenhänge zwischen Lehrerkompetenzen, Lehrerhandeln und dem Lernen der Schüler. Zeitschrift für Pädagogik, 51, 47-65. 

Lipowsky, F. & Hess, M. (2019). Warum es manchmal hilfreich sein kann, das Lernen schwerer zu machen –  Kognitive Aktivierung und die Kraft des Vergleichens. In K. Schöppe, K. & F. Schulz (Hrsg.), Kreativität & Bildung – Nachhaltiges Lernen (S. 77–132). München: kopaed. 

Niegemann, H. M. (2004). Lernen und Fragen: Bilanz und Perspektiven der Forschung. Unterrichtswissenschaft 32 (4), S. 345–356. 

Pallack, A., vom Hofe, R. & Salle, A. (2014). Individuelle Förderung im Mathematikunterricht – So geht‘s. In: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.). Impulse für einen kompetenzorientierten Mathematikunterricht. Materialien und Anregungen zur Unterrichtsentwicklung-Berichte aus den SINUS.NRW Projekten. Frechen, S. 31–44. 

Pauli, C. (2010). Klassengespräche–Engführung des Denkens oder gemeinsame Wissenskonstruktion selbstbestimmt lernender Schülerinnen und Schüler. In: Bohl, T., Kansteiner-Schänzlin, K., Kleinknecht, M., Kohler, B. & Nold, A. (Hrsg.). Selbstbestimmung und Classroom Management. Empirische Befunde und Entwicklungsstrategien zum guten Unterricht. Bad Heilbrunn, S. 145–16. 

Schröder, H. (2002). Lernen – Lehren – Unterricht (2. Auflage). München: Oldenbourg Verlag. 

Schupp, H. (2002). Thema mit Variationen. Aufgabenvariation im Mathematikunterricht. Hildesheim, Berlin. 

Siebert, H. (2010). Methoden für die Bildungsarbeit. Leitfaden für aktivierendes Lehren. Bielefeld: Bertelsmann. 

Wendorff, J. A. (2009). Das Lehrbuch. Trainerwissen auf den Punkt gebracht. Bonn: managerSeminare Verlags GmbH.