Das Bild zeigt die Kursteilnehmerin Leonie Klein.

Leonie Klein, Teilnehmerin eines Grafikdesign-Kurses, berichtet aus ihrer Erfahrung mit Online-Kursen:

Mein erster Online-Kurs war eine berufliche Fortbildung zum Thema Sport-Fotographie. Daran habe ich leider keine guten Erinnerungen. Wir haben immer Vorab-Videos mit technischen Erläuterungen erhalten, die wir uns anschauen sollten. In den Präsenztreffen sollten offene Fragen und eigene Aufnahmen besprochen werden. 

Beim ersten Treffen wurden wir nach einer kurzen Begrüßung und  einer kurzen Einführung in Kleingruppen eingeteilt und sollten hier  Fragen sammeln und uns darüber austauschen. Ich kannte die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen noch gar nicht und habe mich sehr unwohl gefühlt. Nach betretenem Schweigen haben wir die Runde dann genutzt, um uns vorsichtig kennen zu lernen. Leider wussten wir oft nicht so richtig, was wir genau tun sollten und es gab keinen Raum, wo wir das ansprechen konnten. So habe ich zwar interessante Leute kennengelernt, aber inhaltlich ist alleine durch die Videos wenig hängengeblieben.

 

Eine sehr viel positivere Erfahrung war für mich der Grafikdesign-Kurs. Ich finde es nach wie vor  anfangs  etwas schwierig, mich als Teil einer Gruppe zu sehen, wenn man sich nur in Videokonferenzen sieht.  Einige Teilnehmer fand ich hier zunächst sehr laut und hatte den Eindruck, dass sie schon viel mehr Erfahrung haben als ich und den Kurs gar nicht brauchen. Erst nach und nach konnte ich die anderen besser kennen lernen und selbst etwas entspannter an den Treffen teilnehmen. 

Hier hat es mir sehr geholfen, dass uns die Dozentin von Beginn an  animiert hat, uns zu beteiligen und es  im Forum Aufgaben gab, die den Austausch in der Gruppe förderten. Auch gab es in dem LMS einen Bereich, in dem wir unsere Arbeiten hochladen konnten, sodass sie auch für die anderen in der Gruppe sichtbar waren. 

Anfangs schien mir die Kommunikation etwas schleppend, mir selbst fiel es schwer, mich einzubringen oder anderen Feedback zu geben.  Doch mit der Zeit spielte sich so eine Art Gruppengefühl ein. Als ich die anderen etwas besser kannte, fand ich es sehr spannend zu sehen, wie jeder bzw. jede Einzelne bei der Bearbeitung der Aufgaben vorgeht. So konnte ich auch viel von den anderen lernen, vor allem von jenen, die schon mehr Erfahrung haben und mit mehr Präzision arbeiten. Schön fand ich auch, dass wir uns gegenseitig Feedback und Tipps zu unseren Aufgaben gegeben haben und uns so gegenseitig unterstützen konnten. Mit zwei Teilnehmerinnen habe ich bis heute noch Kontakt und tausche mich regelmäßig aus.

Reflexionsaufgabe:

Frau Klein hat sich im Fotografie-Kurs zunächst nicht sehr wohl gefühlt und konnte inhaltlich nicht so stark davon profitieren, wie sie es sich gewünscht hat. Was hätte der Dozent aus Ihrer Sicht besser machen können?

Was hat die Dozentin des Grafikdesign-Kurses aus Ihrer Sicht besonders gut gelöst?

Wenn im Rahmen von Weiterbildungen von Gruppen gesprochen wird, dann handelt es sich entweder um die Kursgruppe als Ganzes oder um Lerngruppen innerhalb eines Kurses. Gemeint ist immer eine bestimmte Anzahl von Personen, die regelmäßig zusammenkommen und ein gemeinsames Lernziel vor Augen haben. Zu Beginn einer Weiterbildung sind sich die meisten Teilnehmenden untereinander noch fremd und wissen nicht, was genau auf sie zukommt und wie gelernt wird. Im Laufe der Zeit lernen sich alle dann besser kennen und wissen, „wie es hier so läuft“.

In Online-Weiterbildungen gestaltet sich dieses „Zusammenkommen“ etwas schwieriger, da viel von dem Persönlichen und Informellen, das man vom klassischen Kursraum kennt, verloren geht und die örtliche Distanz auch Distanz auf persönlicher Ebene schafft. In digitalen Lernszenarien kommt hinzu, dass einige noch nicht mit der Technik vertraut sind. Hier sind Kennenlern-Phasen und Warm-up-Phasen ebenso wie Interaktions- und Austauschmöglichkeiten von besonderer Bedeutung.

Das 5 Phasenmodell

Die beiden Wissenschaftler Bernstein und Lowy beschrieben 1975 das 5-Phasenmodell der idealtypischen Entwicklung von Gruppen. In jeder Phase stehen andere fachliche Themen und Herausforderungen im Mittelpunkt. Die Berücksichtigung ermöglicht, die Ressourcen von Gruppen zu erkennen und zu stärken sowie Entscheidungen darüber zu treffen, welches Vorgehen wann passend und zielführend ist. Lehrende stehen vor der Herausforderung zu erkennen, in welcher Phase sich die Gruppe gerade befindet und die Feedback-Methoden der Kurs-Phase entsprechend anzupassen.

Das Bild zeigt eine Grafik der Gruppenphasen nach Bernstein & Lowy.

Bild: Gruppenphasen nach Bernstein & Lowy, Eigene Darstellung

 

In Gruppen können soziale Kompetenzen entwickelt werden, wenn die Gruppe lernt, mit Konflikten umzugehen und sie zu bewältigen. Das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe wird gefördert, indem gemeinsame Ziele und Aufgaben bearbeitet werden. Individuen versetzen sich in bestimmte Rollen und Situationen hinein und lernen mit Schwierigkeiten, Misserfolgen und Erfolgen umzugehen.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass viele Gruppen, die eine bestimmte Gruppenphase erreicht haben, kurz in eine vorhergehende zurückfallen oder diese wiederholen. Manchmal überspringen Gruppen auch eine Phase. Sie entwickeln sich nicht linear, sondern wie eine Spirale. Um die Phasen positiv abzuschließen, sollten Lehrende das eigene Verhalten in der jeweiligen Phase anpassen und die Gruppe begleiten.

Im Folgenden finden Sie Informationen zu den fünf Phasen  sowie Ziele von Feedback und Umsetzungsideen für digitale Weiterbildungen. Klicken Sie für die Informationen jeweils auf die aufklappbaren Menüs und die Infobuttons in den Bildern. Nachfolgend finden Sie auch eine Liste mit Links zu digitalen Tools, die sich in den verschiedenen Gruppenphasen einsetzen lassen. 

Die Orientierungsphase

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Die Machtkampfphase

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Die Vertrautheitsphase

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Die Differenzierungsphase

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Die Trennungsphase

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Referenzen

Van Dick, R. & West, M. (2013). Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung.  Göttingen: Hogrefe Verlag.

Klein, I. (2017). Gruppen leiten ohne Angst. Themenzentrierte Interaktion (TZI) zum Leiten von Gruppen und Teams. Augsburg: Auer Verlag.

Bernstein, S. & Lowy, L. (1988). Untersuchungen zur Sozialen Gruppenarbeit in Theorie und Praxis. Freiburg im Breisgau: Lambertus-Verlag.