Wer sich selbst, seine Leistungen und Fähigkeiten hoch einschätzt, zeigt eine höhere Leistungsmotivation und am Ende bessere Leistungen. Ein hoch ausgeprägtes Selbstkonzept führt demnach auch zu besseren Leistungen. Gute Leistungen wiederum führen zu einer höheren Selbsteinschätzung. Zwischen Leistungsmotivation und Selbstkonzept besteht somit eine Wechselwirkung. Die Beziehung zwischen Selbstkonzept und Leistungen werden dabei über die Zeit insgesamt stärker.

 

Selbstvertrauen, Bild: www.pixabay.com, Freie kommerzielle Nutzung

 

Formen von Selbstkonzepten

Bei den unterschiedlichen Selbstkonzepten kann zwischen denjenigen unterschieden werden, die sich durch Erfolge motivieren lassen und denen, die Misserfolge vermeiden wollen:

  • Erfolgsorientierung:    Erfolgsmotivierte Lernende strengen sich wegen der positiven Auswirkungen an, ihr motivationales Credo ist die Hoffnung auf Erfolg. 
     Sie wählen in der Regel schwierige Aufgaben, mit denen sie sich in der Leistung steigern möchten.
  • Misserfolgsvermeidung: Bei den misserfolgsvermeidenden Lernenden, die sich meist sogar in gleicher Weise anstrengen, sieht der motivationale Hintergrund ganz anders aus: Ihnen geht es darum, negative Konsequenzen zu vermeiden. Sie haben Angst vor Versagen und setzen deshalb alles daran, die gefürchteten Folgen schlechter Leistungen zu verhindern.  Sie wählen deshalb eher zu leichte oder zu schwere Aufgaben.

Der Grund für dieses Verhalten ist die Ursachenzuschreibung, also die Frage danach, wie sich Lernende ihren Erfolg oder Misserfolg erklären:

  •  Erklären von Erfolg: Während eher misserfolgsängstliche Lernende versuchen einen Rückschluss auf ihre eigentlichen Fähigkeiten zu vermeiden und die Ursachen im Zufall sehen, erklären sich erfolgszuversichtliche ihren Erfolg durch sich selbst mit ihrer Fähigkeit und Begabung.
  • Erklären von Misserfolg: Umgekehrt verhält es sich bei Misserfolg: Misserfolgsängstliche Lernende erklären sich Misserfolge mit ihrer mangelnden Fähigkeit, erfolgszuversichtliche mit zufälligen Faktoren wie Pech.

Die Ursachenerklärung hat damit langfristig sehr starke Auswirkungen auf das Selbstbild und die Leistungsmotivation.

Die Einheit zum Führungserfolg im berufsbegleitenden Kurs „Kommunikation und Führung“, nimmt die Dozentin Frau Siebert zum Anlass, die Teilnehmenden einmal reflektieren zu lassen, was sie unter erfolgreicher Führung verstehen und wie sie diese umsetzen können. Das Resultat ist interessant. Einige Teilnehmende führen Führungserfolg überwiegend auf ihre eigenen Fähigkeiten zurück, andere hingegen erklären diesen mit der Situation und den Beteiligten, auf die sich die Führung bezieht. Auf die Nachfrage dazu, inwiefern sich die Teilnehmenden selbst als geeignet für eine Führungsposition halten, äußert zwar niemand der Anwesenden Bedenken, aber einige geben an, hier ja das Basiswissen dazu erlangen zu wollen, um künftig sicher als Führungskraft auftreten zu können und nicht an den Aufgaben zu scheitern. Andere hingegen, glauben der Herausforderung schon gut gewachsen zu sein und suchen hier im Kurs eher Bestätigung. Es scheinen bei den Teilnehmenden unterschiedliche Selbstkonzepte und Erfolgszuversichten vorhanden zu sein.

Zusammenfassung

Für Lehrende ist es wichtig, diesen Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und Leistungsmotivation zu kennen. Besonders für misserfolgsängstliche Lernende kann es hilfreich sein, wenn Lehrende ihnen den Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und ihrem Lernverhalten aufzeigen und es ihnen so ermöglichen, die eigene Selbsteinschätzung zu überdenken oder anzupassen.


Referenzen

Heckhausen, J. & Heckhausen, H. (2006). Motivation und Handeln. Heidelberg: Springer.

Zander, S. & Niegemann, H. (2015). Motivationsdesign. Grundlagen der Weiterbildung e.V. (Hrsg.), Grundlagen der Weiterbildung – Praxishilfen. Loseblattsammlung. Neuwied: Kriftel.