Natur- und Kulturerbestätten bilden eine Schnittstelle zwischen Tourismus und (informeller) Bildung. Als Lernorte werden sie in der Erwachsenenbildung vielfältig genutzt. Dabei treffen mehrere Interessen aufeinander: zum einen der Schutz und Erhalt des Erbes, zum anderen die Vermittlung der Bedeutung des Erbes für die gegenwärtigen Besucher und Besucherinnen. Die Initiative der UNESCO zum Welterbe sowie das neue Europäische Kulturerbe-Siegel machen nicht nur auf Erhaltung und Pflege von Natur- und Kulturerbe aufmerksam, sondern auch auf ihre Bedeutung als Lernort.
Kulturdenkmäler in Europa haben meist einen engen Bezug zu ihrem sozialen Umfeld. Sie haben somit auch Bedeutung für die Menschen aus der Region. Der Ansatz der Heritage Interpretation bezieht lokale Gruppen und Institutionen bewusst in die Präsentation von Kultur- und Naturerbe als Experten und Expertinnen für diese ein. Sogenannte Heritage Communities nehmen die Interessen der lokalen Bevölkerung oder lokaler Institutionen auf.
Bereits die UNESCO-Welterbekonvention betont die Bedeutung der Vermittlung im Zusammenhang mit Kultur- und Naturdenkmälern.
Für die UNESCO sind Welterbestätten interkulturelle Lernorte. Dabei geht es im Sinne der UNESCO nicht nur um Daten und Fakten zur Bedeutung des Erbes, etwa die Baugeschichte, sondern auch darum, den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung rund um die Denkmale zu fördern.
Die EU-Kommission vergibt seit 2013 das Europäische Kulturerbe-Siegel. Bei der Auszeichnung spielen weniger (kunst-)historische Aspekte eine Rolle, sondern ausgewählt werden vielmehr Bauwerke und andere Denkmäler aufgrund ihrer Bedeutung für die europäische Einigung. Zudem sollen die ausgezeichneten Stätten als Lernorte geeignet sein, insbesondere um bei den Bürgern und Bürgerinnen ein Bewusstsein für eine europäische Identität zu entwickeln.
Lernorte zu Kultur, Umwelt und Politik
Welche Bereiche der Erwachsenenbildung könnten Erbestätten als Lernort nutzen? Traditionell setzt sich die kulturelle Bildung mit Monumenten und anderen Erscheinungsformen von Kulturerbe auseinander. An Museen, Gedenkstätten, in Baudenkmälern arbeiten Kulturvermittler und -vermittlerinnen, um zur Wertschätzung und zum Erhalt dieses Erbes beizutragen. In diesem Bereich ist der Bezug zu darüber hinausgehenden Zielen eher wenig verbreitet. Für die kulturelle Bildung sind weniger die Methoden der Heritage Interpretation neuartig, als die Entwicklung einer Leitidee zur Vermittlung tiefer liegender Bedeutung. In Verbindung damit können Bildungsziele ins Auge gefasst werden wie "Lernen aus der Vergangenheit", "Stärkung der regionalen Identität" oder "Gegenseitiges Verständnis".
Umweltbildung ist ebenfalls ein Bereich, in dem der Ansatz der Heritage Interpretation neue Impulse geben kann. Pädagogische Zielsetzungen sind hier meist eng mit dem Schutzgedanken verbunden. Über die reine Vermittlung von Faktenwissen hinaus geht auch die Absicht, Verantwortung für die Umwelt und für nachhaltiges Leben zu wecken.
Der Bereich der politischen Bildung ist per se am ehesten mit der Vermittlung von Werten verbunden. Veranstaltungen der politischen Bildung könnten etwa Phänomene des Natur- oder Kulturerbes nutzen, um Werte zu vermitteln und damit klassische Zielsetzungen wie Friedens- und Demokratieerziehung, Menschenrechtsbildung wie auch die Prävention von gewalttätigem Extremismus unterstützen.