Das Bild zeigt zwei Comicfiguren. Links ein Mann mit kurzen, grauen Haaren und einem blau-rot-karrierten Hemd und rechts eine Frau mit einem  blonden Pferdeschwanz und einer roten Sweatshirtjacke.

Tomas Radic führt für die IHK Seminare für Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg durch. Natürlich weiß er, was Feedback ist. Schließlich gibt er tagtäglich seinen Kursmitgliedern Rückmeldungen zu ihrer Leistung und ihrem Lernverhalten. Er hat sich darüber aber niemals Gedanken gemacht, sondern einfach getan, was ihm sein Gefühl geraten hat. Nun hat ihn eine junge Kollegin gebeten, ihr ein paar Tipps für gutes Feedback im Unterricht zu geben. Sie fragt, wann sie Feedback am sinnvollsten einsetzen kann und vor allem, wie sie es verpacken sollte, damit alle Kursmitglieder einen Mehrwert daraus ziehen können – ihre Person eingeschlossen. Sie hat sich schon viel mit dem Thema Feedback auseinandergesetzt, es aber noch nie praktisch angewandt.

Tomas Radic wird in diesem Gespräch erstmals klar, dass Feedback in zwei Richtungen gehen kann und überlegt, ob sein Feedback nach Bauchgefühl einem bestimmten Schema folgt. Viele seiner intuitiven Entscheidungen erscheinen ihm richtig, aber möglicherweise kann er seinen Kursmitgliedern noch mehr bieten, wenn er sich mit dem Thema Feedback noch intensiver beschäftigt und es durchdachter einsetzt.

Wie kann man Feedback geben?

Feedback kann prinzipiell mündlich oder schriftlich, mediengestützt oder in Präsenz und individuell oder an (Klein-) Gruppen gegeben werden. In der Erwachsenenbildung ist Feedback in den folgenden drei Varianten möglich:

  • Individuelles Feedback von Lehrenden an die Teilnehmenden
  • Peer-Feedback (Feedback zwischen den Teilnehmenden)
  • Feedback der Teilnehmenden an den Lehrenden

 

Feedback von der Lehrperson an die Teilnehmenden

Definition: Feedback

„Feedback ist ein Prozess, bei dem Lernende eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit bzw. ihrer Leistung erhalten. Dadurch können sie zum einen einschätzen, wie gut ihre Leistung bezogen auf die vorher gesetzten Standards ist und erfahren zum anderen etwas darüber, wie gut ihre Arbeits- und Lernweise funktioniert hat. Dadurch haben sie die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.“ (Boud, Molloy, 2013)

Bei dieser Definition rücken die Lernenden klar in den Vordergrund. Auch, wenn die Lehrperson Feedback an die Teilnehmenden gibt, ist Feedback keinesfalls nur die einseitige Weitergabe von Informationen. Erst der Austausch über das Feedback macht den Inhalt für die Lernenden greif- und anwendbar.  

Stimmen die Voraussetzungen für Feedback, ist eine passende Methode gewählt und ist das Lernziel klar definiert, kann Feedback sein volles Potenzial entfalten. Feedback ist also keinesfalls nur eine abschließende Beurteilung, sondern selbst eine Methode, die dazu führen kann, dass Lernende bestmögliche Voraussetzungen haben, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

 

Welche Ziele verfolgt Feedback an Lernende?

Das Bild zeigt eine Comiczeichnung von einer jungen Frau mit blondem Pferdeschwanz und einer roten Sweatshirtjack. Sie sitzt einem einem dunklen Holztisch. Ihr gegenüber sitzt ein ältere Herr mit grauen, kurzen Haaren und einem rot-blau-karriertem Hemd. Die beiden unterhalten sich.

Tomas Radic hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und trägt mit seiner neuen Kollegin ihre theoretischen und seine praktischen Kenntnisse zum Thema Feedback zusammen. Gemeinsam kommen sie zu dem Schluss, dass Feedback in der Weiterbildung im Idealfall für die Lernenden folgende Ziele erfüllen kann:

  • Feedback hilft dabei, die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung zu verkleinern und sich persönlich weiterzuentwickeln.
  • Es hilft dabei, einen besseren Überblick über das Lernfeld und den Lerngegenstand sowie über die Aufgaben zu bekommen.
  • Es unterstützt bei der Einschätzung, wo die Lernenden in Bezug auf ihre Lernziele stehen und welche Teilziele bereits erreicht wurden. Feedback hilft somit dabei, (Lern-)Erfolge sichtbar zu machen.
  • Feedback fördert den Lernprozess. Es wird deutlich, welche (Lern-)Wege erfolgreich sind und welche weniger gut geeignet sind. Dadurch können neue Lösungen und Strategien entwickelt werden.
  • Feedback motiviert und ermutigt.
  • Feedback fördert den Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden über das Lernen.
  • Feedback bietet den Lehrenden die Möglichkeiten, den eigenen Lehrstil zu verbessern.
Das Bild zeigt einen lachenden Mann auf der linken Seite, mit grauen, kurzen Haaren und einem rot-blau-karriertem Hemd. Ihm gegenüber steht eine junge Frau, die ihren Daumen in die Höhe reckt und ihn dabei anlächelt. Sie trägt einen blonden Pferdeschwanz und eine rote Sweatshirtjacke.

Tomas Radic und seine neue Kollegin kommen durch ihr Gespräch zu dem Punkt: Es macht Sinn, sich vor jedem Kurs Gedanken über den optimalen Einsatz von Feedback zu machen. Die besten theoretischen Überlegungen reichen aber nicht aus, um Feedback wirkungsvoll einzusetzen. Jede reale Unterrichtssituation hält Unplanbares bereit, schließlich hat man es in der Weiterbildung mit vielen verschiedenen und individuell Lernenden zu tun.  


Referenzen

Boud, D., Molloy, E. (2013). Feedback in higher and professional education. Routledge. London and New York

Brookhart, Susan (2008). How to Give Effective Feedback to Your Students. ASCD

Kompass Prinzip: Feedback. Abrufbar unter: http://www.kompass-prinzip.de/methoden/feedback (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Reich, K. (2008). Methodenpool - Feedback. Universität Köln. Abrufbar unter: http://methodenpool.uni-koeln.de/download/feedback.pdf (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Slembek-Geissner (2001). Feedback. Das Selbstbild im Spiegel der Fremdbilder. Röhrig-Universitätsverlag

Stangl, W.: Gutes Feedback – Was ist das? Abrufbar unter: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Feedback.shtml (zuletzt abgerufen am 24.09.2019)

Stellamans, A., Baeijaert, L. (2015). The Art of Giving Feedback: Continuously adapting and improving our collaboration. Ilfaro