Ohne Teilnehmende gibt es keine Weiterbildungsveranstaltungen. Anders als in der Schule müssen sich Bildungseinrichtungen für Erwachsene deshalb bereits im Vorfeld damit auseinandersetzen, wie sie diejenigen Personen und Gruppen erreichen, an die sich ihre Angebote richten.

Kennzeichnend für die meisten Formen der Erwachsenenbildung ist das Prinzip der Freiwilligkeit der Teilnahme. Die beiden Pädagogen Aiga von Hippel und Rudolf Tippelt betonen, dass es wichtig ist zu wissen, mit welchen Bildungsinteressen und Bildungsbedürfnissen Teilnehmende in die Kurse kommen und welche Lernmotive, Lernbarrieren und Erwartungen vorhanden sind. So können Kursleitende passende Programme und Angebote gestalten, diese potenziellen Teilnehmenden näher bringen und in den Veranstaltungen halten. 

 

Das Bild zeigt verschiedene Personen und Aspekte, die die zielgruppenorientierte Planung betreffen, wie z. B. Bildungsinteressen.

Zielgruppenorientierte Planung, Bild: Eigene Darstellung

 

Teilnehmerorientierung bei der Kursplanung bedarf deshalb einer Zielgruppenorientierung. Während die eigentliche Teilnehmerorientierung im Kontext der unmittelbaren Planung, Durchführung und Überprüfung der Lehr-/Lernprozesse selbst zum Tragen kommt, spielt die Zielgruppenorientierung im Vorfeld von Lehr-/Lernprozessen eine entscheidende Rolle und betrifft im Wesentlichen die Erstellung und Beschreibung von Programmangeboten.

Teilnehmerorientierung bei der Planung bedeutet, „nicht den Lernstoff, sondern seine Bedeutung für die Teilnehmer/innen zum Angelpunkt didaktischer Planung zu machen“. 

(Bastian 1989, S. 89)

Um zu wissen, welche Bedeutung der Inhalt einer Weiterbildung für die Teilnehmenden hat, um die Planung entsprechend vorzunehmen, muss etwas über diese, also die Zielgruppe der Veranstaltung, bekannt sein.

 

Verschiedene Aspekte von Zielgruppenorientierung

Eine Zielgruppe, das heißt  die Gruppe von Adressaten und Adressatinnen, lässt sich anhand bestimmter sozialstruktureller Merkmale auf drei Ebenen zusammenfassen, die die Sozialwissenschaftler Brüning und Kuwan wie folgt beschreiben.

Klicken Sie auf die Info-Punkte, um die Aspekte der verschiedenen Ebenen zu sehen.

 

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Die Ebenen helfen dabei, die potentiellen Teilnehmenden, ihre Lebenssituationen und Interessen an Verwendungszusammenhängen des Gelernten in den Fokus der Planung zu nehmen. Sie dienen auf der makro- und mesodidaktischen Handlungsebene als Planungskonzept, um zielgenau nutzungs- und verwendungsgerechte Angebote für ausgewählte Teilnehmergruppen zu erarbeiten und Personen mit einem bestimmten (Bildungs-)Ziel zusammenzufassen. Zugleich bedeutet Zielgruppenorientierung in der mikrodidaktischen Planung und Durchführung von Angeboten die Notwendigkeit, die Lebenswelt von Teilnehmenden und für sie relevante Handlungssituationen in Betracht zu ziehen. Sofern die Orientierung an einer Zielgruppe in für sie bestimmten meso- und/oder mikrodidaktischen Ansätzen mündet, kann von Zielgruppenkonzepten gesprochen werden.

Auf diese Weise können Weiterbildungen geplant und ausgeschrieben werden, die für eine bestimmte Zielgruppe relevant ist. Denn aus der Kenntnis über die Zielgruppe ergeben sich auch die Bedarfe, die diese haben und auf deren Grundlage die Feinplanung einer Weiterbildung beginnen kann.

 

In der Mitte des Bildes ist ein gelbes Fragezeich zu sehen, das von einer Menschenmenge umgeben ist.

Welche Zielgruppe?, Bild: Eigene Darstellung

Checkliste: Weiterbildungen zielgruppengerecht planen

Um für die Planung einer Weiterbildung ausreichend Informationen zu haben, eignen sich die folgenden Fragen aus dem Modell zur Angebotsentwicklung für Weiterbildungseinrichtungen des Universitätsprofessors für Weiterbildung Erhardt Schlutz. Dieses beinhaltet sechs Findungs- und Prüfkriterien mit entsprechenden Fragen:

  • Erste Vorstellungen und Ideen zur Verwendungssituation: Wofür soll ein Angebot entwickelt werden?
  • Zielgruppe/Bedarf: Für wen soll die Weiterbildung geplant werden und welcher spezielle Bedarf besteht für diese Gruppe?
  • Lernziel/Qualifikation: Wozu soll das Angebot dienen?
  • Inhalte: Was soll gelernt werden und wie?
  • Medien/Lernort: Womit und wo werden Inhalte vermittelt?

Referenzen

Bastian, H. (1989). Teilnehmerorientierung in der Kulturellen Bildung. In: Müller-Blattau, M. (Hrsg.), Kulturelle Bildung an der Volkshochschule. Positionsbesinnung – Positionsbestimmung (S. 89–102). Frankfurt/M.: Deutscher Volkshochschul-Verband.

Brüning, G., & Kuwan, H. (2002). Benachteiligte und Bildungsferne – Empfehlungen für die Weiterbildung. W. Bielefeld: Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Holm, U. (2012). Teilnehmerorientierung als didaktisches Prinzip der Erwachsenenbildung – aktuelle Bedeutungsfacetten. Verfügbar unter: www.die-bonn.de/doks/2012-teilnehmerorientierung-01.pdf (zuletzt abgerufen am 08.01.2020)

Schlutz, E. (2006). Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung. Waxmann: Münster.

Von Hippel, A. & Tippelt, R. (2010). Adressaten-, Teilnehmer- und Zielgruppen-forschung. In: Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung (S. 801-812). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.