Berücksichtigen Lehrende die einzelnen Teilnehmenden mit ihren individuellen Vorerfahrungen, Motiven, Stärken und Schwächen, so spricht man von „individualisierter oder individualisierender Lehre“.  

Sie können sich im Folgenden den Unterschied zwischen Differenzierung und Individualisierung anschauen, indem Sie durch die Pfeile im Bild nach rechts und links klicken.

 

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Differenzierung und Individualisierung, Bilder: Eigene Darstellung

Die Pädagogin Ela Eckert definiert individualisiertes Lehren und Fördern wie folgt. Sie bezieht sich dabei auf das Lernen und Lehren in der Schule, jedoch lässt sich die Beschreibung auch auf die Erwachsenenbildung übertragen.

„Individuelles Fördern heißt, […] jedem […] die Chance zu geben, ihr bzw. sein motorisches, intellektuelles, emotionales und soziales Potential umfassend zu entwickeln und sie bzw. ihn dabei durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen (durch die Gewährleistung ausreichender Lernzeit, durch spezifische Fördermethoden, durch angepasste Lehrmittel […].“

(Ela Eckert)

Individualisiertes Lernen in der Erwachsenenbildung

Individualisiertes Lehren und Lernen lässt sich nicht in allen Weiterbildungen und Weiterbildungssettings in gleichem Maße und gleicher Weise umsetzen. Individualisiertes Lernen wird jedoch umso wichtiger, je heterogener die Lerngruppe ist. Der Autor und Trainer Peter Hubertus schreibt dazu: „Je größer die Heterogenität, desto schwieriger ist die Teilnehmerorientierung – und desto wichtiger ist sie.“

Die Herausforderung für Lehrende ist es hier auch, Gleichheit und Differenz bestmöglich miteinander zu verbinden. Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, zu Beginn eines Kurses den Schwerpunkt eher auf Gemeinsamkeiten und ein gemeinsames Lernen zu legen, um die Gruppenintegration zu fördern und den Erwartungen der Lernenden entgegenzukommen.

Weitere wichtige Voraussetzungen für individualisiertes Lernen in einer Lehr-Lernsituation sind, 

  • dass Selektion keine (oder eine untergeordnete) Rolle spielt,
  • dass es akzeptabel ist, wenn kein gemeinsames Minimal-Leistungsniveau erreicht wird,
  • dass die Lernenden in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum hinweg selbständig zu arbeiten,
  • dass die Lehrperson die Kompetenzen mitbringt, um innerhalb der Weiterbildung Teilnehmende unterschiedlich zu fördern oder fordern und
  • dass entsprechende Rahmenbedingungen seitens der Kursanbietenden vorliegen.

Es gibt keine einheitliche Methode, mit der sich individualisiertes Lernen realisieren lässt. Jedoch gibt es ein paar Faktoren, die bei der Individualisierung in der Weiterbildung eine Rolle spielen können:

 

Das Bild zeigt eine Dozentin und drei Faktoren, die bei der Individualisierung in der Weiterbildung eine Rolle spielen.

Individualisierung in der Weiterbildung: Faktoren, Bild: Eigene Darstellung

 

Wo individualisiertes Lernen anfängt und wo es aufhört, ist nicht einheitlich geklärt. So stellt sich die Frage, ob eine Lehre, die alleine die persönliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt, bereits als individualisiert bezeichnet werden kann oder ob mehrere Faktoren berücksichtigt sein müssen. Hier sollte jedoch vor allem darauf geschaut werden, was für das Weiterbildungssetting, das Ziel der Weiterbildung, die Teilnehmenden und den Lehrenden sinnvoll ist.

 

Realisierung von individualisierter Lehre

Folgende Punkte zur Realisierung von individualisierter Lehre können  bei den Überlegungen hilfreich sein:

 

Das Bild zeigt eine große Teilnehmendengruppe in einem Seminarraum.

Gruppengröße, Bild: Eigene Darstellung 

 

Systemisch: 

  • Reduzierung der Gruppengröße (oder die Erhöhung der Zahl der Lehrenden)
  • Kleingruppen- und Einzelarbeiten

 

Das Bild zeigt einen Seminarraum mit verschiedenen Lehr- und Lernmaterialien.

        Lehr- und Lernmaterialien, Bild: Eigene Darstellung

 

 

Materiell: 

  • Bereitstellung von individuell (auf die Ziele der Teilnehmenden) zugeschnittenen Materialien

 

Das Bild zeigt drei Seminarteilnehmende an einem großen Schreibtisch. Sie machen Aufgaben und lernen.

Selbständiges Lernen, Bild: Eigene Darstellung

 

Methodisch/Didaktisch: 

  • Offene Gestaltung
  • Selbständiges Lernen
  • Kompetenzorientierung
  • möglichst lebensnahe Aufgabenstellungen und Übungen

Referenzen:

Eckert, E. (2008). Individuelles Fördern. In: Meyer, H., Was ist guter Unterricht? (S. 97). Berlin: CornelsenScriptor.

Freiling, E., Biloa Onana, M. & Sonntag, I. (2010). Binnendifferenzierung: gezielt und wohldosiert. Alpha-Forum 2010 (74), S. 25-27.

Hubertus, P. (2010). Teilnehmerorientierung und das Verhältnis von Lehren und Lernen.  Alpha-Forum 2010 (74), S. 38-40.