Definition

Aktivierung bedeutet in der wörtlichen Ableitung, sich selbst oder jemanden in Tätigkeit zu setzen. Auf das Lernen bezogen ist damit die Anregung Teilnehmender zu einer selbsttätigen Erarbeitung von Inhalten und Auseinandersetzung mit Lerngegenständen gemeint. 

Das Bild zeigt einen Dozenten, der in seinem Seminar etwas am Flipchart erklärt und seine Kursteilnehmenden zur Selbsttätigkeit animiert.

Aktivierung zur Selbsttätigkeit, Bild: Eigene Darstellung

 

Diese Art der Unterrichtsgestaltung folgt einer lernpsychologischen Begründung als Aktivierungsprinzip, da eine enge Verbindung zwischen Denken und Handeln angenommen wird.
 

Aktivierung führt zu einer Selbsttätigkeit der Lernenden:

  • Selbsttätigkeit aus eigenem Anlass
  • auf ein selbstgewähltes Ziel hin
  • mit freigewählten Methoden und selbstgewählten Mitteln
  • im eigenständigen sozialen Bezug
  • mit den Möglichkeiten der Selbstkontrolle.
Das Bild zeigt Herrn K. an einer Tafel.

Als Herr K. begann, als Dozent tätig zu werden, war ihm überhaupt nicht bewusst, was es bedeutet, Lernende in Lehr- und Lernsituationen zu aktivieren. Obwohl er eine teilnehmerorientierte Vorstellung von der Lehre hatte und er dachte, dass Frontalunterricht für ihn nicht in Frage käme, ertappte er sich bald in genau dieser Form des Lehrens. Er bereitete seine Präsentationen immer sehr gut vor, brachte die Inhalte gut rüber und verband seine Vorträge mit fragend-entwickelnden Phasen, in denen er die Kursmitglieder mit einbezog. Dennoch sah er oft in gelangweilte und ratlose Gesichter und verließ den Seminarraum zunehmend demotiviert. Seine Unzufriedenheit mit dieser Situation bewegte ihn dazu, sich näher mit dem Thema der Aktivierung zu beschäftigen. In Gesprächen mit Kollegen und Kolleginnen stellte sich für ihn heraus, dass Aktivierung weitaus mehr impliziert, als die Teilnehmenden zwischendurch mit ein paar Fragen zum Nachdenken zu bewegen.

Da er anfangs mit seiner eigene Rolle und seinem Auftreten als Dozent beschäftigt gewesen war, hatte er andere wichtige Aspekte außer Acht gelassen, vor allem, dass die Kursteilnehmenden immer im Vordergrund stehen sollten.

Mit der Zeit lernte er, seine Lernenden als Individuen mit eigenen Zielen zu betrachten, die in der Lage sind, sich eigenständig mit Kursinhalten auseinanderzusetzen und dies auch aus eigenem Anlass, wenn man sie dazu motiviert. Seine Lernangebote sieht er nun als ständige Einladung an die Teilnehmenden, sich aktiv einzubringen und seine Kurse mitzugestalten. In der Praxis bedeutet dies beispielsweise, dass er nun zu Beginn die Erwartungen und Ziele der Kursmitglieder ermittelt, dass er sie im Kursverlauf dazu animiert, selbst Wissen zu generieren und sich Informationen zu erarbeiten, statt ihnen alles vorzugeben, oder dass er ihnen ein Mitspracherecht gibt, wenn es darum geht, Methoden auszuwählen. 

Herkunft und Auslegung

Das Bild zeigt ein Zitat von Maria Montessori: "Hilf mir, es selbst zu tun."

Zitat von Maria Montessori, Bild: Eigene Darstellung

 

Insbesondere im Bereich der Reformpädagogik findet die Grundidee der Selbsttätigkeit breite Resonanz. Die Ansätze von  Reformpädagogen und -pädagoginnen wie Johann H. Pestalozzi, Janusz Korczak oder Maria Montessori fordern Chancengleichheit und individuelle Förderung für alle Lernenden unabhängig ihrer Herkunft. Sie stellen die Lernenden und ihre natürliche Neugier in den Mittelpunkt und formulieren Prinzipien wie Wertschätzung, Aktivierung und Eigenverantwortlichkeit Lernender als zentrale Handlungsmaxime für Lehrende.

Im Vordergrund der Didaktik steht die Bereitstellung von Möglichkeiten, im tätigen Umgang mit den Dingen durch einsichtiges Operieren Lernerfahrungen zu sammeln. Dabei sollte schon die Planung des Lernangebots bzw. die Gestaltung der Lernumgebung nach dem Aktivierungsprinzip erfolgen. Ob ein Lernangebot kognitiv aktivierend ist, hängt von den Voraussetzungen der Lernenden ab. Grundsätzlich ist kognitive Aktivierung auf jedem Fähigkeitsniveau möglich. Dieses stellt die Lernenden in den Mittelpunkt und versucht sie der konstruktivistischen Lernauffassung folgend in die Lage zu versetzen, selbst Erkenntnisse zu generieren. Dabei sind eine Motivierung der Lernenden und eine individuelle Unterstützung gemäß ihren Lernvoraussetzungen unerlässlich, um eine Eigentätigkeit über den gesamten Kursverlauf vom Einstieg bis zur Erfolgskontrolle aufrechtzuerhalten.


Referenzen

Baldes, C. (2003). Deutsche Reformpädagogik. Die pädagogische Bewegung am Beispiel dreier Schulkonzepte. Norderstedt: Verlag Grin.

Schröder, H. (2002). Lernen – Lehren – Unterricht (2. Auflage). München: Oldenbourg Verlag.