Ob Lernmotivation aufgebaut, verstärkt oder abgebaut wird, hängt von der Kombination der Persönlichkeitseigenschaften, Erfahrungen und Wünsche der Lernenden und dem Lernsetting ab, das Sie als Lehrende aktiv mitgestalten können. Für Lehrende gibt es die Möglichkeit, durch anregende Lernumgebungen, individuelle Ansprache und die Bereitstellung von Lerngegenständen und Methoden die Lernenden zu motivieren und auf Inhalte und Aufgaben aufmerksam zu machen.

Lernmotivation durch Differenzierung der Lernumgebung fördern, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0

 

In einer heterogen zusammengesetzten Kursgruppe ist es demnach für den Dozenten oder die Dozentin sinnvoll, nicht einem einzelnen Lehrmodell zu folgen. Besser ist es, verschiedene Lernszenarien zur Verfügung zu stellen, damit jeder und jede Lernende für sich relevante, interessante und anschlussfähige Lerninhalte und Lernmethoden heraussuchen kann.  

Das folgende Praxisbeispiel erklärt, wie ein solches Kurskonzept aussehen kann:

Frau Wischnewski leitet bereits seit einigen Jahren Integrationskurse in ihrer Heimatstadt. Von heterogenen Gruppen kann sie ein Lied singen: Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft, verschiedenen Alters und ungleicher Sprachkenntnisse besuchen ihre Kurse. Manche kommen freiwillig, weil sie sich besser verständigen möchten, andere müssen die Kurse für ihre Aufenthaltserlaubnis besuchen. Frau Wischnewski muss daher während ihrer Kurse immer im hohen Maße flexibel sein, um allen Teilnehmenden eine erfolgreiche Kursteilnahme zu ermöglichen.  

In ihrem abwechslungsreichen Arbeitsleben hat Frau Wischnewski schon viel Erfahrung gesammelt und ein breites Repertoire an Unterrichtsmethoden entwickelt. Vorausgesetzt ein erster Wortschatz ist vorhanden, lässt sie die Kursgruppe zum Beispiel nach deren Interessen Kleingruppen bilden und schafft durch alltägliche und aktuelle Themen einfache Sprechanlässe. Gerne richtet sie auch gezielt kleine Spielecken ein, damit sich die Teilnehmenden über Zahlen, Farben oder andere Sachverhalte Gedanken machen und sich diese nebenbei sprachlich aneignen. Wenn es jahreszeitlich und zur Kursgruppe passt, veranstaltet Frau Wischnewski sogar Bastelaktionen oder stößt ein handwerkliches Projekt an. In der gemeinsamen Interaktion verschwimmen sprachliche und kulturelle Grenzen zusehends. 

Frau Wischnewski erweitert ihr Repertoire ständig und passt es immer individuell an. Ihr ist bewusst, dass unterschiedliche Voraussetzungen und Vorlieben sowohl mit inhaltlicher als auch mit methodischer und medialer Vielfalt begegnet werden müssen. Ihr Ziel ist es, die Teilnehmenden durch individuelles Ausprobieren und persönliche Interessen zum Sprachenlernen zu motivieren. Sie möchte, dass die gesamte Kursgruppe Sprache als sinnvolles und zugleich notwendiges Kommunikationsinstrument erlebt und, dass die  Teilnehmenden Sprachlernen gleichzeitig als sinnvoll und sinnstiftend erleben. 

Wie das Beispiel zeigt, sind für die Lernmotivation in Weiterbildungskursen das Erreichen eigener Ziele, die Neuigkeit und Sinnhaftigkeit der Inhalte, die persönliche Relevanz der Aufgabe und die Mitbestimmung über den Lernprozess besonders bedeutsam.  
 

Sie können sich im Folgenden diese Merkmale motivierender Lernprozesse im Überblick anschauen, indem Sie den Regler unter dem Bild verschieben.
 

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Bilder im Slider:  www.pexels.com, free to use
 

Die Faktoren bedingen sich ein Stück weit gegenseitig. So tragen anschlussfähige Inhalte dazu bei, dem Lernen einen Sinn abzugewinnen sowie deren Relevanz für sich zu erkennen. Vergleichbar erhöht sich der Sinn des Lernens durch die Mitbestimmungsmöglichkeit bezüglich der Themen und Lernformen.  

Dennoch bleibt festzuhalten, dass Sie als Lehrende nicht allein verantwortlich für die Motivation Ihrer Teilnehmenden sind beziehungsweise nicht auf alle Faktoren gleichermaßen Einfluss haben. Ist die Motivation der Lernenden stark durch deren persönliche Eigenschaften (wie das Selbstkonzept) oder Motive von außen (zum Beispiel eine Beförderung) bestimmt, können Sie als Lehrende nur bedingt Veränderungen anstoßen.  


Referenzen

Edelmann, W. (2000). Lernpsychologie. Weinheim: Beltz. 

Heckhausen, J. & Heckhausen, H. (2006). Motivation und Handeln. Berlin: Springer.  

Schiefele, H. (1988). Lernmotivation und Motivlernen. München: Ehrenwirth.