Definition „Selbststeuerung"

Mit Selbststeuerung ist die Fähigkeit und Bereitschaft der Menschen gemeint, das eigene Verhalten selbständig zu planen, umzusetzen und zu bewerten. Dazu benötigen sie Strategien für die Selbstorganisation und Techniken für Beobachtung und Kontrolle ebenso sehr wie die Bereitschaft zu lernen und die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren. Denn nur so können sie ihren Lernprozess selbst anstoßen und ihr Handeln an entsprechenden Zielen ausrichten.

Wie sich Selbststeuerung beobachten lässt

In der  Weiterbildungspraxis bereitet die Entwicklung von Fähigkeiten zum selbstgesteuerten Lernen im Allgemeinen wenig Probleme, auch weil sich in der Literatur zahlreiche Hilfen für das Trainieren von Lernstrategien finden. Weitaus schwieriger gestaltet es sich für Lehrende hingegen zu ermitteln, unter welchen Bedingungen Motivation von Teilnehmenden im Kurs besonders gelingt und diese Bedingungen dann gezielt zu fördern.


Haben Lernende das Ziel ihres Handelns fest im Blick und haben sie sich dazu entschieden, sich mit einem Sachverhalt auseinanderzusetzen, dann benötigen sie noch entsprechende Impulse, um diese Handlungen tatsächlich in die Tat umsetzen zu können.

  • Für Teilnehmende, die sachlich ausgerichtet und erfolgsorientiert sind, ist dieser Motivationsschritt weniger problematisch. Sie haben entweder Interesse am Lerngegenstand oder verfolgen mit ihrer Leistung ein bestimmtes Ziel, das sie anspornt, den Lernprozess einzugehen.
  • Für impulsive oder unsichere Teilnehmende ist es hingegen schwierig, sich auf eine Sache und ein Vorgehen festzulegen oder das Lernen über eine längere Zeit hinweg aufrechtzuerhalten. Sie werden leicht ungeduldig, lassen sich ablenken oder haben zu wenig Vertrauen in ihre eigenen Entschlüsse und Fähigkeiten.
     

Lernverhalten, Bild: Free-Photos, www.pixabay.com, freie kommerzielle Nutzung


Bei genauer Beobachtung lassen sich Teilnehmende häufig anhand von Mimik, Gestik und Körpersprache recht gut in ihrem „überlegten“, „überhasteten“ oder „zögerlichen“ Lernverhalten erkennen.
 

Wie sich Selbststeuerung unterstützen lässt

Wenn Sie Ihre Kurse mithilfe von Lernstationen „teiloffen” gestalten, vielfältige Lernmaterialien anbieten und unterschiedliche Lernwege zulassen, können Sie entdeckendes Lernen fördern und die Teilnehmenden zum Ausprobieren anregen. Je nach Lernverhalten Ihrer Teilnehmenden bieten sich dazu unterschiedliche Formen der Unterstützung an.
 

Metakognition als übergeordnetes Ziel

Um bei den Teilnehmenden die Selbststeuerung zu fördern, ist eine wesentliche Voraussetzung, dass diese in der Lage sind, sich während des Lernprozesses selbst zu motivieren, Ziele konsequent zu verfolgen und begonnene Aufgaben aus eigenem Antrieb zu Ende zu bringen. Lehrende können Lernende darin bestärken, indem sie deren Lernprozesse durch positives Feedback kontinuierlich begleiten. 

 Wenn Lehrpersonen darüber hinaus mit ihren Kursmitgliedern lernbegleitende Gespräche führen, können sie bei ihnen  die Reflexion des eigenen Lernens anregen. Arbeiten Lehrende dabei gezielt mit Reflexionsfragen zur Selbsteinschätzung der eigenen Leistung oder von Kontroll- und Motivationstechniken, so können Lernende diese mit zunehmender Eigenständigkeit auch selbstgesteuert als Lernstrategie anwenden. So lernen sie nicht nur, den eigenen Lernprozess selbst zu organisieren, sondern diesen auch zunehmend selbst zu kontrollieren.


Referenzen

Kuhl, J. (1987). Ohne guten Willen geht es nicht. In  H. Heckhausen, P. M. Gollwitzer & F. E. Weinert (Hrsg.), Jenseits des Rubikon: Der Wille in den Humanwissenschaften (S. 101-120). Berlin: Springer.

Rheinberg, F. (2002). Motivation. Stuttgart: Kohlhammer.

Schmitz, B. (2001). Self-Monitoring zur Unterstützung des Transfers einer Schulung in Selbstregulation für Studierende. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 15 (3/4), 181-197.

Straka, G. A. (2009). Motivation und selbstgesteuertes Lernen. Neue Didaktik, (1), 1-6.