Das Bild zeigt eine jonglierende Dozentin. Es steht für die Anforderungen an Beratende: Wissen & Erfahrung.

Anforderungen an Beratende, Bild: Eigene Darstellung,

CC BY-SA 3.0 DE

Die Anforderungen an Beratende sind sowohl in fachlicher als auch in emotionaler Hinsicht sehr anspruchsvoll. Lehrende in Beratungssituationen werden zu Beginn einer Beratungssituation in kurzer Zeit mit einer großen Komplexität konfrontiert, die im Kommunikationsprozess systematisierend bearbeitet werden muss:

Beratende müssen aktives Zuhören beherrschen unter gleichzeitiger Analyse des Gesagten und des Erhalts des verbalen und nonverbalen Kommunikationsprozesses, eine Beziehung zu den Ratsuchenden herstellen und aufrechterhalten sowie mit ihnen mögliche Lösungs- und Entscheidungswege gemeinsam erkunden.

Das klingt kompliziert und Beraten ist tatsächlich eine Kunst, die Wissen und Erfahrung auf Seiten der Beratenden erfordert. Beratung ist nur dann Entscheidungsunterstützung, wenn sie von dem Gegenüber auch als Hilfe zur Selbsthilfe erlebt wird.

Phasenmodelle für Beratung

Die komplexen Anforderungen müssen von den Beratenden in eine Struktur gebracht werden. In der Literatur gibt es verschiedene Schematisierungen und Phaseneinteilungen für Beratungsprozesse. Zwischen den Phaseneinteilungen bestehen jedoch große Ähnlichkeiten. Nach einer Phase der Klärung des Beratungsanliegens erfolgt die Diskussion der anstehenden Entscheidung. Und nachdem mögliche Lösungswege gefunden wurden, werden nächste Schritte besprochen.

Zwei Modelle für die Beratung

Die Professorin für Erziehungswissenschaft Christiane Schiersmann gliedert den Beratungsprozess in die folgenden vier Phasen:

 

Das Bild zeigt die vier Phasen des Beratungsmodells nach Christiane Schiersmann.

Beratungsmodell nach Christiane Schiersmann, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Regina Beuck, Dietrich Harke und Susanne Voss beschreiben in ihrem Modell sechs Phasen für eine gelungene Beratung:

 

Das Bild zeigt die sechs Phasen des Beratungsmodells nach Regina Beuck, Dietrich Harke und Susanne Voss.

Beratungsmodell nach Regina Beuck, Dietrich Harke und Susanne Voss, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Auch wenn sich Beratungsverläufe nicht vorhersagen lassen, können diese Phaseneinteilungen hilfreich sein. Sie helfen dabei, eine bildhafte Vorstellung davon zu entwickeln, in welche inhaltlichen bzw. zeitlichen Abschnitte, Stadien oder Phasen sich der Verlauf einer Beratung strukturieren lässt. Beratungen verlaufen typischerweise in zyklischen Spiralen, d. h., Beratende und Ratsuchende schreiten zwar gemeinsam voran, aber springen gleichzeitig zwischen verschiedenen Phasen hin und her. Es ist für Beratende deshalb wichtig, ein Bewusstsein über unterschiedliche Beratungsverläufe zu haben und passende Handlungsstrategien situationsadäquat abrufen zu können.

Die dargestellten Modelle bieten jedoch keine detaillierten methodischen Handlungshilfen, sondern dienen primär der groben Orientierung bei der Strukturierung des Prozesses. Gerade aus dieser Perspektive heraus ist es für Beratende notwendig, sich der möglichen unterschiedlichen Beratungsverläufe bewusst zu sein und adäquate Handlungsstrategien bereit zu halten. Beratung als komplexer Prozess benötigt je nach Phase und Verfassung der oder des Ratsuchenden unterschiedliche Beratungsansätze.

Referenzen

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