Kursleiter Markus Eppig packt zufrieden seine Seminarunterlagen zusammen. Seine Veranstaltung ist erfolgreich beendet, die Teilnehmenden haben ihm ein positives Feedback gegeben, er ist zuversichtlich, dass sie das Gelernte in ihrem Alltag anwenden werden.

 

Bild eines Mannes mit Bart und Mütze

Dabei hatte es schon am Anfang Schwierigkeiten gegeben. Direkt am ersten Abend hatte sich Herr Paul gegen die Vorstellungsrunde gesträubt mit den Worten „Muss das denn sein, machen wir lieber direkt mit dem Thema weiter“. Indem er Herrn Pauls Ungeduld ansprach und Verständnis dafür äußerte, gleichzeitig aber auf das Bedürfnis der anderen verwies, die Teilnehmenden näher kennen zu lernen, konnte Kursleiter Eppig die Situation retten. Von da an behielt er Ralf Paul im Auge – so ein Typ mit Mütze auf dem Kopf und Hipsterbart, er war ihm direkt unsympathisch. Erst am dritten Kursabend fiel Eppig auf, dass Paul eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Exfreund seiner Tochter hatte und das wahrscheinlich für seine spontane Ablehnung verantwortlich war. Von da an gelang es Eppig, auch Herrn Paul offen und freundlich entgegenzutreten.

 

Frau mit hochgesteckten Haaren

Am dritten Kursabend gab es Ärger mit Marion Schneider. Zunächst hatte er sich über ihre vielen Beiträge gefreut, aber das verging mit der Zeit, die Teilnehmerin hatte einfach immer noch etwas anzufügen, wenn Eppig etwas erklärte. Oft stellte sie seine Erklärungen in Frage, was ihn zunehmend ärgerte. Es gelang ihm jedoch, ruhig zu bleiben, tief durchzuatmen und Frau Schneider dann aufzufordern, ihren Vorschlag weiter auszuarbeiten und am nächsten Abend vorzustellen. Dann hätten alle anderen in der Gruppe auch etwas von ihrem Wissen. Frau Schneider verzichtete danach auf weitere ausufernde Kommentare. 

 

Nach den ersten Kursterminen machte sich Eppig Sorgen um Jennifer Stein und Amir Singh. Die beiden hatten offensichtlich Probleme mit den Kursinhalten. Während die junge Frau sich zurückzog und nur noch ab und zu gelangweilte Einwürfe machte, stellte Singh viele Fragen, die die anderen Teilnehmenden nur noch mit Augenrollen kommentierten. Zunächst versuchte Eppig durch ein Blitzlicht die Stimmung im Kurs zu erfragen. Es stellte sich heraus, dass Stein schon vieles aus dem Kursinhalt kannte und deshalb so reagierte. Bei Singh war es im Gegenteil so, dass er einige Grundlagen für den Kurs noch nicht hatte. Um den beiden Teilnehmenden gerecht zu werden, stellte Eppig zusätzliche Materialien zusammen, die ihren Bedürfnissen gerecht wurden. Bei Gruppenarbeiten achtete er darauf, dass Stein und Singh so zugeordnet wurden, dass sie ihr Wissen weitergeben bzw. vom fortgeschrittenen Wissensstand der anderen profitieren konnten. Die allgemeine Stimmung im Kurs wurde von da an wieder richtig gut.

 

Problematisch war zwischendurch auch der Umgang mit Joshua Henning. Dieser war ab der vierten Kursstunde nur noch körperlich anwesend. Hatte er sich anfangs motiviert gezeigt, war er jetzt apathisch und auch auf Ansprache nicht zum Mitarbeiten zu bewegen. Nach zwei weiteren Kurseinheiten bat Eppig den jungen Mann zum Vier-Augen-Gespräch und erfuhr, dass er ein krankes Kind zuhause hatte, das viel Energie erforderte und ihm zudem Sorgen bereitete. Eppig äußerte Verständnis und bot an Henning nicht mehr direkt anzusprechen, solange er so stark von privaten Sorgen belastet war. Das nahm viel Druck von dem Teilnehmenden, der sich im Anschluss sichtlich weniger  unter Beobachtung fühlte und  so gut mitmachte wie er es eben unter den Umständen konnte.

Kursleiter Eppig hat sich den Herausforderungen seines Kurses und seiner Teilnehmenden gestellt und am Ende Erfolg gehabt. Sein professioneller Einsatz von Methoden und Reaktionsmöglichkeiten hat ihm dabei geholfen, den Kurs zu einer positiven Erfahrung zu machen – trotz „schwieriger“ Teilnehmender.


Referenzen

Meier, R. (2012). Das einzige was stört, sind die Teilnehmer. Offenbach: Gabal.

Szepansky, W.-P. (2010). Souverän Seminare leiten (2. Aufl.) Bielefeld: W. Bertelsmann.