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Das Bild zeigt einen Teilnehmer aus einem Holzbaukurs, der versucht in seinem Garten einen Stuhl nachzubauen.

Nach dem Holzbaukurs, Bild: Eigene Darstellung

Erik  K. hat soeben an einem Holzbaukurs teilgenommen. In dem Seminar hat er gelernt, wie man Holz bearbeitet und eine Anleitung zum Bauen kreativer Holzmöbel erhalten. Begeistert von dem Kurs hat er sich beim Baumarkt sofort die nötigen Utensilien und Materialien besorgt und sich zu Hause an die Arbeit gemacht. Doch von dem intensiven Seminar scheint nichts hängengeblieben zu sein. Er hat das Gefühl, das Gelernte nicht eigenständig umsetzen zu können.

Das Beispiel zeigt ein typisches Szenario: die Seminarteilnehmenden haben sich in dem Kurs viel nützliches Wissen angeeignet, wissen das vermittelte Wissen in der Praxis jedoch nicht anzuwenden. Es findet kein Transfer statt. Wie die Forscherin für Lerntransfer Dorothea Kunze erklärt, sind damit „Lernerfahrungen und Abläufe beim Denken und Lernen, die bei einer ersten Aufgabe erworben wurden“ und „auf eine andere Aufgabe übertragen“ werden, gemeint, wobei die Anwendungssituation dem Transfermanagement-Experten Stefan Lemke zufolge nicht notwendigerweise identisch mit der Lernsituation sein muss.

Wie kann die Lehrperson nun dafür sorgen, dass die Teilnehmenden das Erlernte in der Praxis auch wirklich anwenden können?

Da der Lerntransfer in der Erwachsenenbildung in drei Phasen abläuft, ist es wichtig, dass alle an diesem Prozess Beteiligten in allen drei Phasen aktiv werden und ihre Aufgaben wahrnehmen. Dazu gehören die Lehrperson, die Lernenden und der Bildungsanbieter sowie bei firmeninternen Seminaren das Unternehmen mit seinem Führungspersonal.

Die drei Phasen – die Vorbereitungsphase, Durchführungsphase und Nachbereitungsphase – erfordern verschiedene Interventionen seitens dieser Akteure. So wird in der Vorbereitungsphase ein für die Zielgruppe passendes Seminarkonzept erstellt. In der Durchführungsphase wird dieses umgesetzt und in der  Nachbereitungsphase wird das Erlernte dann angewendet und nachbereitet. Betrachtet man ein Weiterbildungsseminar nur aus der Perspektive der Kursphase, in der die eigentliche Vermittlung des Wissens stattfindet, so lässt man sich die Chance einer dauerhaften Anwendung im Alltag entgehen. Vorbereiten bedeutet zielgerichtet und detailliert zu planen, Durchführen impliziert, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch andere Handlungsfelder, wie die Gelegenheit zum Austausch in der Gruppe, zum Üben und zur Reflektion über mögliche Einflussfaktoren, die den Transfer in der Praxis hindern können, zu bieten. Nachbereiten bedeutet, dass man den Teilnehmenden auch im Anschluss an das Seminar beratend zur Seite steht und ihnen hilft, mögliche Transferhindernisse aus dem Weg zu räumen, gegebenenfalls gemeinsam mit ihnen ihre Ziele neu definiert. Es gibt viele Hindernisse, die sich dem Transfer in allen drei Phasen in den Weg stellen können, wie zum Beispiel fehlende Anwendungsmöglichkeiten, mangelnde Motivation, Überforderung oder Unterforderung.

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Transfer ist die Art des Weiterbildungsangebots. Offene Programme sind sowohl für Mitarbeitende aus Unternehmen als auch für Privatpersonen zugänglich. Sie bieten den Vorteil, dass Teilnehmende sich hier auf eigene Initiative anmelden, weil sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren oder ihre Kompetenzen in einem bestimmten Bereich ausbauen möchten. Die Motivation sowie das Gefühl, sich als selbstbestimmt wahrzunehmen hat einen positiven Effekt auf den Lern- und Transfererfolg. Die Herausforderung für die Lehrperson besteht bei offenen Programmen jedoch darin, ein Konzept anzubieten, das den Erfahrungen, Belangen und Erwartungen aller Kursmitglieder gerecht wird.


Referenzen

Kunze, D. (2003). Lerntransfer im Kontext einer personenzentriert-systemischen Erwachsenenbildung. Wie Wissen zum (nicht) veränderten Handeln führt. Köln: GwG-Verlag, hier S. 24.

Lemke, S. (1995). Transfermanagement. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.

Von Rosenstiel, L. (2008). Qualitätssicherung in der betrieblichen Weiterbildung. Qualitätssicherung im Bildungswesen. Eine aktuelle Zwischenbilanz. Zeitschrift für Pädagogik, (53), 122-134, hier S. 130-131.