In der Abschlussphase eines transferfördernden Trainings gilt es, die Lernenden gezielt auf die Praxisverlagerung vorzubereiten und ihnen dabei zu helfen, ihre Transfermaßnahme persönlich zu integrieren. Der Fokus sollte also nun darauf gerichtet werden, wie der Transfer in der Alltagssituation erfolgen kann. Was soll konkret umgesetzt werden und wie?

 

Das Bild zeigt Marlene Braun vor einem Clipboard, auf dem drei Fragen, die für die Seminarabschlussphase relevant sind, notiert sind.

Abschluss des Seminars, Bild: Eigene Darstellung

 

Quilling und Nicolini empfehlen, folgende Aspekte bei der Gestaltung der Abschlussphase des Trainings zu bedenken: Zum einen kann der Wille der Lehrperson, den Lernenden möglichst viele nützliche Lerninhalte zu vermitteln, manchmal darauf hinauslaufen, dass in letzter Minute noch neue Inhalte eingeführt werden. Dies sollte jedoch unbedingt vermieden werden, denn auf diese Weise entsteht Hektik und es geht wertvolle Zeit verloren, die für andere Punkte aufgebracht werden sollte.

Neben der Transfersicherung sollte die Abschlussphase auch dazu dienen, die Seminarinhalte sachlich abzurunden und den Lernenden anhand einer Zusammenfassung noch mal den roten Faden vor Augen zu führen. Bei Bedarf kann die Abschlussphase auch genutzt werden, um organisatorische und administrative Fragen zu klären.

Für die Motivation der Teilnehmenden ist es, wie Quilling und Nicolini erklären, natürlich auch förderlich, wenn sie den Seminarraum mit einem positiven Gefühl verlassen und sehen, dass auch sie dem Lehrenden etwas zurückgeben konnten. Trainerinnen und Trainer können ihnen ihren persönlichen Eindruck von der Lerngruppe und dem Lernprozess vermitteln und ihnen wertschätzende Worte entgegenbringen, indem sie zum Beispiel ihre besonders aktive Beteiligung und Lernbereitschaft, die gute Zusammenarbeit und die positive Arbeitsatmosphäre hervorheben.

Checkliste

Folgende Ziele sollten in der Abschlussphase im Vordergrund stehen:

  • den Transfer sichern, die Umsetzung des persönlichen Projekts sicherstellen
  • Umsetzungsmöglichkeiten vor Augen führen
  • den Teilnehmenden ihren Lernerfolg bewusst machen
  • die Zielerreichung hinterfragen und immer wieder vor Augen führen
  • Nachregelungen vornehmen, Ziele bei Bedarf justieren und neu definieren
  • die Eigenverantwortung, Eigenständigkeit und Motivation fördern
  • Praxisfragen klären
  • Probleme und Transferbarrieren, die sich bei der Anwendung in der Praxis ergeben können, lösen und vorausschauend denken
  • den Transfer durch Feedback von außen und gegenseitiges Feedback zwischen Kollegen und Kolleginnen fördern
  • miteinander kommunizieren und sich gegenseitig austauschen und unterstützen
  • dafür sorgen, dass die Kontakte und Seminarinhalte lebendig erhalten bleiben
Das Bild zeigt, wie die Seminarteilnehmenden gemeinsam mit Marlene Braun an ihrem persönlichen Transferprojekt arbeiten.

Das persönliche Transferprojekt planen, Bild: Eigene Darstellung

 

Kommunikationstrainerin Marlene Braun regt die Lernenden in der Abschlussphase ihres Seminars dazu an, mithilfe der Einträge aus dem Transferbuch ihr persönliches Transferprojekt zu planen. Es werden Projektpatenschaften geschlossen, die dem gegenseitigen Austausch über das Transfervorhaben dienen. Mit dem Entwurf des persönlichen Vorhabens entlässt sie sie in die Praxis und hofft, dass sich für die Einzelnen am Arbeitsplatz bald schon erste Transfererfolge kristallisieren. Sie informiert die Kursmitglieder, dass sie ihnen über eine Hotline, die von ihrer Bildungseinrichtung eingerichtet worden ist, auch nach dem Seminar weiterhin zur Verfügung stehen wird und auch in den geplanten Follow-up-Veranstaltungen wird sie sich in der Nachbereitungsphase weiterhin aktiv an den Transfermaßnahmen ihrer Lernenden beteiligen. Am Ende des Seminars führt sie auch noch eine schriftliche Evaluation durch, denn sie möchte wissen, wie die Lernenden den Lernprozess erlebt haben und wie sie ihr Konzept für zukünftige Seminare optimieren kann. Die Eindrücke der Lerngruppe können in einer mündlichen Fragerunde abgefragt werden. Da die Trainerin die Ergebnisse jedoch lieber schriftlich vorliegen hat, hat sie dafür einen Fragebogen mit standardisierten Fragen erstellt. Offene Fragen in dem Fragebogen bieten den Teilnehmenden dabei zusätzlich die Möglichkeit sich zu Aspekten, die nicht abgefragt werden, frei zu äußern.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Transfer hat Marlene Braun neue Perspektiven eröffnet. Manche Methoden erschienen ihr anfangs etwas befremdlich und fanden auch keinen sofortigen Anklang in der Lerngruppe, weil sie mehr Einsatz, Aktivität und Selbstreflexion von den Teilnehmenden fordern und diese dies von anderen Seminarerfahrungen oft nicht gewohnt sind. Die Bereitschaft von der Rhetorik-Expertin, Neues auszuprobieren und die Offenheit ihrer Kursbesucher und -besucherinnen hat sich jedoch bezahlt gemacht. Dadurch, dass sie ihre Seminare nun viel zielgerichteter gestaltet und die Lernenden viel stärker in den Lernprozess einbezieht, kann sie ihre Entwicklung auch viel näher mitverfolgen. Das führt auch für sie zu einem größeres Erfolgserlebnis und einer höheren Sinnhaftigkeit.


Referenzen

Mühleisen, S. (2010). Lernen ermöglichen - Von der Auftragsklärung  bis zum Fotoprotokoll  –  Methoden, Module und Handwerkszeug  für erfolgreiche Seminare, Kurse und Trainings. In  Thomas Leif (Hrsg.), Trainingshandbuch: Recherche.  Informationsbeschaffung professionell (S. 201-216).  Wiesbaden: VS Verlag.

Quilling, Eike & Nicolini, Hans J. (2009). Erfolgreiche Seminargestaltung. Strategien und Methoden in der Erwachsenenbildung (2., erweiterte Auflage). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, hier S. 100-105.