Messmethoden für Lernleistung gibt es viele. Aber persönlicher Lernerfolg (also selbständig gesetzte Ziele) ist von dem Erreichen vorgegebener Lernziele (fremdbestimmtes Lernen) zu unterscheiden.

Einflussfaktoren für Lernerfolg

Da zum einen das Lernen einen sehr individuellen Prozess darstellt und zum anderen Lernende unterschiedliche Lernziele haben, ist es mitunter sehr schwierig, reproduzierbare und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Zum anderen gibt es hier keine einheitlichen Methoden und Verfahren, um den Lernerfolg festzustellen. 

Die Schwierigkeit liegt zum einen in den sehr individuellen Lernzielen, aber auch in der Vielfalt der Einflussfaktoren. Entscheidend für den Lernerfolg sind die Komponenten Vorwissen, Motivation, Quellen beziehungsweise Lernmaterialien und Anleitung. Handelt es sich um mehrere Lernende, kann auch die Zusammensetzung der Gruppe den individuellen Lernerfolg beeinflussen.

 

Die Grafik zeigt den großen Schriftzug Lernerfolg, um den die vier kleinere Begriffe Vorwissen, Motivation, Betreuung/Anleitung und Quellen angeordnet sind.

Einflussfaktoren für Lernerfolg, eigene Darstellung

 

Lernerfolg überprüfen

Die Basis, um Lernerfolg messen zu können, ist das Definieren eines Lernziels. Teilnehmende in einer Weiterbildung müssen deshalb zu Beginn für sich selbst ein Lernziel definiert haben und wissen, was sie wie erreichen wollen. 

Da bei der Messung des Lernerfolgs zwischen dem Ergebnis und dem Prozess unterschieden werden kann, sollte dies bei der Definition der Lernziele berücksichtigt werden. Die Fragen zur individuellen Lernzieldefinition lauten also: Was möchte ich in dieser Weiterbildung lernen? Je nach Art und Kontext der Weiterbildung lassen sich dann Teilziele definieren: Was möchte ich wie bis wann erreicht/gelernt haben?

Einige Beispiele  zur Protokollierung des Lernerfolges:

  • Teilnehmende anhalten, ein Lerntagebuch zu führen (sollte beinhalten: Vorerfahrung, Erwartung, Wünsche, sonstige Gedanken)
  • während des Kurses immer wieder Zeit bieten, das Lerntagebuch weiter zu pflegen
  • regelmäßig kurze Reflexionsrunden moderieren, in denen die Teilnehmenden sich zu ihren Lernerfahrungen austauschen können
  • am Ende anbieten, die wichtigen Punkte aus dem Lerntagebuch gemeinsam in einem individuellen Feedbackgespräch zu besprechen und einzuschätzen

Mit Hilfe der Lern- und Teilziele kann dann zu verschiedenen Zeitpunkten in der Weiterbildung überprüft werden, wo jeder Teilnehmende steht, ob er dem angestrebten (Lern-)Ergebnis nähergekommen ist und ob seine bisherige (Lern-)Strategie sinnvoll ist. Gegebenenfalls können dann Änderungen vorgenommen und die Ziele angepasst werden.

Die Frage nach einem Lernerfolg lässt sich nur durch Reflexion der Lernziele bewerten. Der dadurch definierte Erfolg kann dann im Weiterbildungsgeschehen entweder statisch (die Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt) oder dynamisch (der Leistungszuwachs) erfasst werden.

Methoden zur Überprüfung des Lernerfolgs

Da die Überprüfung von Lernerfolg mit Aufwand verbunden ist, eignen sich nicht alle Methoden für jedes Setting. Hier sollten Lehrende schon bei der Planung überlegen, welchen Raum die Überprüfung und Sichtbarmachung von Lernerfolg einnehmen kann und soll. Daraus leiten sich dann geeignete Methoden und Vorgehensweisen ab.

Vor allem in der Erwachsenenbildung werden schriftliche und mündliche Tests als ergebnisorientierte Überprüfungsmittel eingesetzt. Ein weiteres Instrument ist die praktische Produkterstellung. Bei der Überprüfung des Lernerfolgs ist es hier jedoch wichtig, dass die einzelnen Teilnehmenden nicht mit den Ergebnissen und Fortschritten der anderen Teilnehmenden verglichen werden, sondern mit ihrer eigenen Ausgangssituation und ihrem Wissens- und Könnenszuwachs.

Prozessorientierte Verfahren sind zum Beispiel das Lerntagebuch oder Lernportfolio. 

Grafisch kann Lernerfolg zum Beispiel in Lernkurven dargestellt werden.

Herausforderungen bei der Überprüfung von Lernerfolg

Da die Herausstellung des Lernerfolgs positive Auswirkungen auf die Motivation der Teilnehmenden haben und dabei helfen soll, die eigene Lernstrategie zu überprüfen, ist es wichtig, sich als Lehrperson vor Augen zu führen, dass es verschiedene Aspekte gibt, die zusätzlich zum Vorwissen, der Lernmotivation, dem Lehrhandeln und dem Arbeitsmaterial Auswirkungen auf den individuellen Lernerfolg haben können. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • Individuelle Lernvorlieben und Lernstile. Empfinden Lernende eine Weiterbildung als inhaltlich klar und verständlich und kommen sie mit den gewählten Methoden gut zurecht, hat dies positive Effekte auf den Lernerfolg.
  • Aktuelle körperliche, emotionale und kognitive Aspekte der Teilnehmenden. Diese können sich sehr stark positiv wie negativ auf den Lernerfolg auswirken. Sie können jedoch kaum zuverlässig erfasst und/oder von der Lehrperson gesteuert werden.
  • Zusammensetzung der Lerngruppe. Während schwächere Lernende häufig von heterogenen Gruppen profitieren, sprechen Ergebnisse in der Unterrichtsforschung bei leistungsdurchschnittlichen Mitgliedern eher dafür, dass diese in homogenen Gruppen mehr Lernerfolg erreichen. Bei leistungsstarken Lernenden sind die Ergebnisse zum Einfluss der Gruppenzusammensetzung weniger aussagekräftig.

Referenzen

Lipowsky, F. (2014). Unterricht. In: Elke Wild & Jens Möller (Hrsg.): Pädagogische Psychologie (2. Auflage). Heidelberg, Springer-Verlag.

Mager, R. F. (1970). Motivation und Lernerfolg. Beltz, Weinheim.

Tödt, K. (2008). Lernerorientierte Qualitätstestierung für Bildungsveranstaltungen (LQB): Grundlegung von Modell und Methode. Bielefeld, wbv Media.