Es ist wenig erfolgsversprechend, den eigenen Lernenden DIE eine Lernstrategie vorzugeben, die sie anwenden sollen, um möglichst erfolgreich selbstgesteuert zu lernen. Vielmehr macht es Sinn, den Lernenden ein Repertoire an Lernstrategien und Lerntechniken zur Verfügung zu stellen. So können sie nach ihren persönlichen Vorlieben und Voraussetzungen auswählen, mit welcher Technik sie am besten zurechtkommen.

Dazu kann auf eine Vielzahl von verschiedenen Lernstrategien zurückgegriffen werden, die unterschiedliche Zwecke verfolgen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Lernstrategien zu kategorisieren. Baumert erstellte 1993 auf Basis eines Reviews einen Überblick über die bis dahin gängigsten Klassifikationen von Lernstrategien, die eine Grundordnung von Lernstrategien in drei Kategorien erkennen lassen: Kognitive Strategien, Metakognitive Strategien und Ressourcenmanagement (vgl. Abbildung).

 

Grundordnung von Lernstrategien, Abbildung: Eigene Darstellung nach Baumert, 1993, S. 333


Vorstellung einzelner Strategien

Im Folgenden wird auszugsweise auf einige Lernstrategien aus der Kategorie kognitive und metakognitive Strategien eingegangen. Sie können selbstgesteuertes Lernen bzw. die Selbstlernkompetenz Lernender unterstützen.

1. Vorwissen aktivieren

Die Strategie, Vorwissen zu aktivieren ist deshalb hilfreich, weil neues Wissen in der Regel immer auf irgendeine Art und Weise mit bereits vorhandenen Wissensstrukturen verknüpft wird. Dies ermöglicht es, die neuen Inhalte zu verstehen, zu behalten und vor allem auch für die Anwendung vorzubereiten.

Krause und Stark unterscheiden bei dieser Lernstrategie zwischen drei Möglichkeiten:

  • „offene Vorwissensaktivierung“
  • „fokussierte Vorwissensaktivierung“
  • „Vorwissensaktivierung durch Problemorientierung und soziale Interaktion“

 

Offene Vorwissensaktivierung

Das Ziel der offenen Vorgehensweise ist es, Wissensbestände, Erfahrungen, Perspektiven oder Ideen zum betreffenden Thema ganz allgemein zu aktivieren.

Dazu schlagen Krause und Stark vier Vorgehensweisen vor.  Durch die Pfeile im Bild können Sie nach rechts und links klicken, um zu erfahren, welche diese sind.

 

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Bilder im Slider: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Fokussierte Vorwissensaktivierung

Das Konzept der fokussierten Vorwissensaktivierung sieht es vor, gezielt für das jeweilige Thema spezifische Vorwissenselemente zu aktivieren. Auch hier stehen wieder mehrere Varianten zur Verfügung (Krause & Stark, 2006, S. 41-46).  Durch die Pfeile im Bild können Sie nach rechts und links klicken.

 

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Bilder im Slider: www.pixabay.com, Freie kommerzielle Nutzung

2. Mnemotechnik

Der Kern der Mnemotechnik besteht in der „Schaffung eines memorialen Systems, in dem Erinnerungen in Form von Gedächtnisbildern an imaginären Orten abgelegt werden können“ (Stangl, 2006, S.90, Hervorh. i.O.). Als memoriale Stützen können dabei zum Beispiel Landschaften, Gemälde, Körperteile oder Geschichten dienen. Das Prinzip basiert darauf, ein möglichst „stabiles Netz an Kognitionen“ (ebd.) zu errichten, in dem dann im Zuge des „mnemotischen Lernvorgangs“ (ebd.) die Inhalte verankert oder verknüpft werden können. Das Grundprinzip liegt in der geordneten Verarbeitung des Lernmaterials.

Auch die Mnemotechnik stellt mehrere Varianten zur Verfügung.

Die Loci-Methode

Die Loci-Methode ermöglicht das Einprägen von Wissensinhalten durch das Verwenden von Bildern in festen Räumen. Ein Beispiel zur Durchführung finden Sie unter folgendem Link: https://www.boriskonrad.de/gedaechtnistraining/loci-methode

Möchten  die Lernenden von Rita Leiferts Kunstgeschichtekurs sich anhand der Loci-Methode  beispielsweise die Epochen der Kunstgeschichte vom Klassizismus bis zum Expressionismus merken, so können sie in einer gewohnten Wegroute den jeweiligen Epochen Wegpunkte zuordnen, die für sie Sinn ergeben und ihnen als Gedächtnisstütze dienen.  

Sie können sich im Folgenden ein Beispiel anschauen, indem Sie den Regler unter dem Bild verschieben.

 

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Bilder im Slider: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Das Ziffern-Laut-Schema

Das Ziffern-Laut-Schema beruht auf dem Prinzip, Zahlen in Wörter oder Wörter in Zahlen umzuwandeln.  Dies kann beispielsweise nach folgendem Schema geschehen:

 

Ziffern-Laut-Schema, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

Zu beachten gilt hier, dass Vokale unberücksichtigt bleiben, ebenso wie der Hauchlaut h und die selten verwendeten Konsonanten q, x und y.

Weitere Methoden

Viele weitere Methoden, die allgemein als Mnemotechniken bekannt sind, fallen streng genommen gar nicht darunter, sondern stellen lediglich sogenannte „Eselsbrücken“ dar.

Aber auch diese können hilfreich sein, um Wissen zu behalten. Bekannt sind zum Beispiel das Clustering, das Bilden von Bilderketten, die Erstellung von mind maps, die Formulierung von Merkversen (z. B. „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ für das Behalten der Reihenfolge der acht Planeten unseres Sonnensystems) oder die Vermittlung aktionaler Lernhilfen (z. B. die Fingerknöchel-Methode zum Erinnern an die Monatslängen).

3. Wissensschemata

Wissensschemata gelten als „übergeordnete kognitive Strukturen“ (Kopp & Mandl, 2006, S. 127) beispielsweise  von Gegenständen, Situationen oder Wissensinhalten. Durch die Einordnung der neuen Wissensinhalte in adäquate Systeme unterstützen sie den Verstehensprozess. Durch diesen Verortungsprozess werden die neuen Inhalte weiterhin im kognitiven System „zugänglich, abrufbar und erweiterbar gemacht“ (ebd.).

Ein Beispiel für ein Schema ist das „DICEOX-Schema“ von Brooks und Dansereau (1983).  Durch die Pfeile im Bild können Sie nach rechts und links klicken.

 

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Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Ein weiteres mögliches Schema zur Problemlösung eines Falls:

  1. Sammlung aller notwendigen verfügbaren Informationen und Analyse dieser Daten
  2. Bestimmen und Begründen der getroffenen Entscheidung
  3. Vorhersage eines Ergebnisses
  4. Bewertung des Ergebnisses und Abgleich mit der Vorhersage und Ziehen von Schlussfolgerungen

Selbstverständlich gilt es die Schemata immer kontextabhängig zu formulieren. Seitens der Lehrperson besteht weiterhin die Möglichkeit, insbesondere bei abstrakten Inhalten oder Fällen, den Lernenden vorformulierte Schemata zur Verfügung zu stellen.

4. Selbstkontrollstrategien

Selbstkontrollstrategien umfassen das Planen, Überwachen und Bewerten von Lernprozessen. Zu beachten ist, dass auch diese Prozesse erst gelernt und geübt werden müssen, bis Lernende sich sicher am Steuer fühlen. So ist es möglich, dass zu Beginn der Nutzung von Selbstkontrollstrategien ein Großteil der Kapazitäten für die Strategie selbst verwendet wird und nicht für den eigentlichen Lerninhalt. Dies verlagert sich dann mit der Routine bei der Nutzung der Strategien.

Klicken Sie auf die Häkchen im Bild, um nähere Informationen zu den drei Prozessen zu erhalten.

 

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Selbstkontrollstrategien, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Um bei Lernenden Selbstkontrollstrategien gezielt zu fördern, können diese Schritte zunächst auch gemeinsam durchlaufen werden. Ein Beispiel aus dem Bereich Lesekompetenztraining mit Schülerinnen und Schülern veranschaulicht ein mögliches Vorgehen:

„In einem ersten Baustein steht der Aufbau einer erfolgszuversichtlichen Leistungseinstellung im Vordergrund. Schon hier spielen die Komponenten Zielsetzung und Zielerreichung neben einem positiven Begründungsmuster für Erfolge bzw. Misserfolge und einer günstigen Selbstbewertungsbilanz […] eine wichtige Rolle. In einem zweiten Baustein werden Lesestrategien vermittelt, wie z. B. sich das Gelesene bildlich vorzustellen, sein eigenes Verständnis zu überprüfen oder auch das Wichtigste in eigenen Worten zusammenzufassen. […] In einem dritten Baustein wird dann ein Leseplan vorgestellt, in den Planungs-, Überwachungs- und Bewertungsprozesse integriert sind. Vor Beginn des Lesens sollen sich die Kinder fragen, wie ihr Ziel lautet bzw. was genau die Aufgabe ist. Dementsprechend können sie die benötigte Lesestrategie auswählen. Bei der Bearbeitung des Textes ist die Überprüfung des eigenen Verstehensprozesses bzw. der Behaltensleistung besonders wichtig. Nach Beendigung der Leseaufgabe sind die Fragen leitend: >>Habe ich mein Ziel erreicht? Wenn nein, was kann ich noch tun?<<“ (Schrebblowski & Hasselhorn, 2006, S. 157)

Eine weitere Maßnahme zur Förderung von Selbstkontrollstrategien ist das Führen von Lerntagebüchern. Dies kann entweder völlig offen gestaltet werden oder aber mit Leitfragen unterfüttert sein, welche die Lernenden bei dem jeweiligen Schritt die notwendigen Anhaltspunkte geben.


Referenzen

Baumert, J. (1993). Lernstrategien, motivationale Orientierung und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen im Kontext schulischen Lernens. Unterrichtswissenschaft, 21 (4), 327-354.

Brooks, L. W. & Dansereau, D. F. (1983). Effects of structural schema training and text organization on expository prose processing. Journal of Educational Psychology, 75 (6), 811-820.

Kopp, B. & Mandl, H. (2006). Wissensschemata. In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien (S. 127-134). Göttingen: Hofrege.

Krause, U.-M. & Stark, R. (2006). Vorwissen aktivieren. In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien (S. 38-49). Göttingen: Hofrege.

Schreblowski, S. & Hasselhorn, M. (2006). Selbstkontrollstrategien: Planen, Überwachen, Bewerten. In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien (S. 38-49). Göttingen: Hofrege.

Stangl, W. (2006). Mnemotechnik. In H. Mandl & H. F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien (S. 89-100). Göttingen: Hofrege.