Als Lehrende werden Sie sich sicher fragen, was auf Sie und Ihre Teilnehmenden zukommt und welche Anforderungen entscheidend für gelungenes selbstgesteuertes Lernen sind. In dem folgenden Katalog finden Sie eine Liste mit den verschiedenen Anforderungen an Lernende, Lehrende und Institution.

 

Anforderungen selbsgesteuerten Lernens, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

Checkliste

Die folgenden, von dem im Bereich des selbstgesteuerten Lernens renommierten Wissenschaftler S. Dietrich entworfenen Kataloge beschreiben die Anforderungen selbstgesteuerten Lernens. Sie sollen Lehrenden zum einen zur Orientierung dienen und zum anderen zeigen, welche Voraussetzungen selbstgesteuertes Lernen mit sich bringt und welche Aufgaben dabei auf die Lernenden sowie die Lehrenden bzw. Bildungsinstitutionen zukommen.

Selbstgesteuertes Lernen gelingt, wenn Lernende fähig sind ...

  • den eigenen Lernbedarf zu erfassen und sich Ziele zu setzen
  • den eigenen Lernprozess zu planen und vorzubereiten
  • zu entscheiden, welche Dinge sie selbstorganisiert lernen möchten und können und wo es sinnvoll ist, institutionalisierte Lernangebote wahrzunehmen
  • den Lernprozess mit Hilfe geeigneter Lernstrategien durchzuführen und das Lernen mit Hilfe von Kontroll- und Eingreifstrategien zu regulieren sowie die Lernleistung zu bewerten
  • Motivation und Konzentration aufrecht zu halten

Dies erfordert folgende Voraussetzungen bei Lernenden:

  • ein entsprechendes Selbstverständnis als Lernende
  • ein entsprechendes Rollenverständnis im institutionellen Lern-Kontext
  • die Bereitschaft, bewusst Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen
  • die eigenen Lernmuster, -verhaltensweisen und individuell bevorzugten Lernstrategien zu kennen und zielgerecht berücksichtigen zu können
  • möglichst viele Lernmedien und -wege zu kennen und kompetent nutzen zu können

Anforderungen an Lehrende und die Bildungseinrichtung:

  • direkte und indirekte Förderung
  • Beratungsangebote für Lernende im Sinne der Weiterbildungsberatung
  • Lernberatung und Prozessbegleitung als Supportleistung
  • Förderung der Kompetenzen für selbstgesteuertes Lernen
  • Einführung in den Umgang mit neuen Medien
  • Anbieten von multimedialen Lernprogrammen
  • Einbeziehen von selbstgesteuerten Lernprozessen in die institutionellen Lernangebote
  • modularisierte Angebote, die in Abhängigkeit von Vorkenntnissen gezielt genutzt werden können
  • Angebote, die auch außerinstitutionelle Lernerfahrungen der Teilnehmenden aufgreifen
  • die Bereitstellung erforderlicher Infrastruktur als eigener Service auch außerhalb von Veranstaltungen
  • zeitliche und/oder räumliche Flexibilisierung von Angeboten
  • Vernetzung von Lernenden und Arrangieren sozialer Bezüge für den Austausch mit anderen Lernenden – auch durch Austausch- und Betreuungsforen
  • Entwicklung neuer Zertifizierungsformen und ggf. Zertifizierung außerinstitutionell erworbener Qualifikationen

Daraus ergibt sich für die Lernenden eine Liste von Aktivitäten, die hier exemplarisch nach Simons zusammengefasst wurden. In konventionellen Kontexten werden die Aktivitäten von der Lehrperson übernommen, beim selbstgesteuerten Lernen jedoch von den Lernenden selbst. 

 Im Folgenden können Sie sich fünf Karten dazu anschauen. Wenden Sie die Karten, um die Rückseite zu sehen.

 

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Bilder in den Karten: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Die aufgeführten Anforderungen empfehlen sich zur Förderung von selbstgesteuertem Lernen. Manche von ihnen sind einfacher umzusetzen als andere, manche können direkt durchgeführt werden, andere bedürfen einer Investition in vorbereitende Überlegungen seitens der Lehrenden bzw. sukzessive Hinführung und Förderung der Lernenden.


Referenzen

Dietrich, S. (1999). Selbstgesteuertes Lernen – eine neue Lernkultur für die institutionelle Erwachsenenbildung? In S. Dietrich & E. Fuchs-Brüninghoff u. a. (Hrsg.), Selbstgesteuertes Lernen. Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur (S. 14-23). Frankfurt/M.: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung.

Simons, P. R. J. (1992). Lernen, selbstständig zu lernen – ein Rahmenmodell. In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Lern- und Denkstrategien Analyse und Intervention (S. 251-264). Göttingen: Hogrefe.