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Beratung kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Da landläufig bereits zum Beispiel Verkaufsgespräche als „Beratung“ bezeichnet werden, ist hier eine klare Definition für den Bereich der Erwachsenenbildung wichtig. Was ist Beratung, welche verschiedenen Beratungsformate gibt es und was macht eine gute Beratung aus? 
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Definition

Was ist Beratung?

 Die EU beschreibt es wie folgt:

„Vor  dem  Hintergrund  des  lebensbegleitenden  Lernens  erstreckt  sich  Beratung  auf  eine Vielzahl von Tätigkeiten, die Bürger jeden Alters in jedem Lebensabschnitt dazu befähigen, sich  Aufschluss  über  ihre  Fähigkeiten,  Kompetenzen  und  Interessen  zu  verschaffen,  Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen zu treffen sowie ihren persönlichen Werdegang bei der Ausbildung, im Beruf und in anderen Situationen, in denen diese Fähigkeiten und Kompetenzen erworben und/oder eingesetzt werden, selbst in die Hand zu nehmen.“ (EU 2004)

 

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Beratung in der Erwachsenenbildung kann sehr unterschiedlich aussehen. Es können grob die folgenden Formate unterschieden werden: Lernberatung (konzentriert auf individuelle Lernschwierigkeiten), Kursberatung (es werden für die Ratsuchenden individuell passende Angebote identifiziert), Berufs-, Karriere- oder Laufbahnberatung (hierunter fallen sehr unterschiedliche Unterformate – vom klassischen, institutionellen Formen der Berufsberatung bis hin zu freiberuflichen Angeboten im Kontext der Karriere- und Laufbahnberatung). Gemeinsam haben alle diese Formate jedoch, dass sie sich durch bestimmte Merkmale und Qualitätsaspekte auszeichnen.

 

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Verschiedene Merkmale von Beratung

 Die Sprachwissenschaftlerin Ina Pick hat neun Merkmale extrahiert, die zusammengenommen für Beratung obligatorisch vorhanden sein müssen und in der Regel zwischen zwei Polen angesetzt sind. Hierin lassen sich die verschiedenen Beratungsformate verorten.

 Freiwilligkeit. Oft ist es so, dass Ratsuchende Beratende selbst auswählen und damit auch die Art der Intervention. Es gibt jedoch auch Beratungsformate, die aufgrund bestimmter Vorgaben und zumeist rechtlicher Bestimmungen einen verpflichtenden Charakter haben. Es gibt jedoch auch Beratungsformate, bei denen Beratende verpflichtet werden, eine Beratung durchzuführen.

 Gesprächsrahmen. Beratungshandeln kann in andere Gesprächsformate eingebunden sein (zum Beispiel innerhalb einer Weiterbildung) oder explizit institutionalisiert sein (zum Beispiel als Beratung vor einem Kursbesuch). Die Merkmale Freiwilligkeit und Gesprächsrahmen beziehen sich auf die Umstände des Zustandekommens einer Beratung.

 Problemverortung. In diesem Merkmal wird differenziert, ob eher die Person (Lernberatung) oder das Problem (die Informationsvermittlung und Aufklärung) im Zentrum der Betrachtung steht.

 Expertise. Hier steht die Rolle des Beratenden im Vordergrund. Das Wissen kann hier hinsichtlich verschiedener Teilaspekte spezifiziert werde: Expertise der oder des Beratenden hinsichtlich des Fachwissens über den Beratungsgegenstand (z. B. der Diagnostik im Bereich der Alphabetisierung), Expertise der beratenden Person  hinsichtlich des Prozessgestaltungswissen (vor allem im Coaching von Bedeutung), Expertise der beratenden Person  hinsichtlich der Feldkompetenz in der Branche der oder des Ratsuchenden (zum Beispiel in der Gründungsberatung oder Supervision von Bedeutung).

 Problemdefinition. Hier wird unterschieden, ob eine gemeinsame Definition des Anliegens erarbeitet wird oder ob die beratende Person das übernimmt, was die ratsuchende Person als Problem benennt.

 Grad der Redefinition des Problems. Beratungsformate lassen sich danach spezifizieren, ob und inwiefern professionelle Problemkategorien existieren und in eine eigene Definition des Problems einfließen.

 Prozess. Dieses Merkmal beinhaltet den Weg vom Problem zur Lösung. Dieser ist vor allem davon abhängig, ob ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll (die oder der Beratende zeigt die Handlungsalternativen für die Ratsuchenden auf, die dem angenommenen präferierten Ziel entsprechen) oder ob die Handlungsplanung im Vordergrund steht (die oder der Beratende zeigt die Handlungsalternativen und Lösungsmöglichkeiten auf, ohne eine spezifische in den Vordergrund zu stellen).

 Lösungsradius. Dieses Merkmal unterscheidet, ob die anzustrebende Lösung im Einflussbereich von Ratsuchenden oder von Beratenden liegt und bezieht sich auch auf die damit verbundenen Verantwortlichkeiten und Machtpotenziale.

 Lösungsrahmen. Dieses Merkmal unterscheidet, inwieweit die ausgewählte beziehungsweise infrage kommende Handlungsoption auf das Beratungsgespräch beschränkt bleibt (z. B. in der Supervision) oder darüber hinausgeht (z. B. bei der Gründungsberatung).

 Diese Merkmale können dabei helfen, unterschiedliche Beratungsformate genauer zu beschreiben und damit klarer voneinander zu unterscheiden.

Referenzen

 EU ‒ Rat der Europäischen Union (Hg.) (2004). Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über den Ausbau der Politiken, Systeme und Praktiken auf dem Gebiet der lebensbegleitenden Beratung in Europa. Doc 9286/04. Brüssel.

 Knoll, J. (2008). Lern- und Bildungsberatung, Professionell beraten in der Weiterbildung. Bielefeld: wbv Media.

 Maier-Gutheil, C.; Nierobisch, K. (2015). Beratungswissen für die Erwachsenenbildung. Bielefeld: wbv Media.

 Schiersmann, C. (2011). Bildungs- und Berufsberatung neu denken. In: Hammerer, M.; Kanelutti, E.; Melter, I. (Hrsg.). Zukunftsfeld Bildungs- und Berufsberatung – Neue Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis (S. 81-98). Bielfeld: W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld.

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Verwendung

Node Typ Lernpfad
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