Methoden der Biografiearbeit für ein individualisiertes Lehren einplanen ELO

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Starten Lehrende ihre Online-Weiterbildung mit einer neuen Gruppe, so wissen sie in der Regel noch wenig über deren Einstellungen und Erfahrungen in Bezug auf das Lernen. Jedoch können die Erfahrungen, die Menschen mit dem Lernen gemacht haben, eine enorme Auswirkung auf das Lernen und die Motivation von Teilnehmenden haben – positive wie negative.
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Methoden der Biografiearbeit für ein individualisiertes Lehren einplanen

Warum  Biografiearbeit   in Weiterbildungen?

Teilnehmende in Weiterbildungen bringen nicht nur ihre eigene Persönlichkeit mit, sondern auch ihre bisherigen Lernerfahrungen. Sie haben in unterschiedlichen Kontexten und zu verschiedenen Themen, mal unfreiwillig, mal freiwillig und mit verschiedenen Methoden und Herangehensweisen gelernt und dabei sowohl positive wie negative Erfahrungen gemacht.  Beim Online-Lernen kommen bisherige Erfahrungen in digitalen Kontexten hinzu.  

Diese Erfahrungen bringen sie in das Seminar, den Kurs, das Training mit und sie haben Auswirkungen auf die Erwartungen, Befürchtungen, Wünsche und Motivation. Sie sind den Teilnehmenden selten bewusst, aber sie können das Lernen sowohl fördern als auch behindern. 

Das Konzept des „Lebenslanges Lernen“

 So wie Biografien insgesamt immer individualisierter sind, so sind auch Bildungs- und Lernbiografien immer individueller und einzigartiger. Aber auch umgekehrt lässt sich feststellen, dass die Notwendigkeit, die eigene Biografie selbst-bewusst zu gestalten, zu einer lebenslangen Lernaufgabe wird. In diesem Zusammenhang wird auch vom „Lebenslangen Lernen“ gesprochen. Zum Lebenslangen Lernen zählen nicht nur die institutionalisierten Lernprozesse und -angebote, sondern auch das nonformale Lernen. Lebenslanges Lernen beinhaltet das Lernen im Lebenslauf, also die lebensgeschichtliche Dimension. 

Das bedeutet, dass mit der Lernbiografie zum einen das Lernen in Institutionen (Schule, Fahr-, Tanz-, Hochschule usw.) und Bildungsabschlüsse gemeint (zum Beispiel Hauptschulabschluss, Abitur, Führerschein etc.) sind. Zum anderen gehören aber auch alle Lernerfahrungen (bezogen auf Wissen, Haltungen, Fähig- und Fertigkeiten) dazu, die wir quasi nebenbei „en passant“ aufgenommen haben, zum Beispiel durch Reisen, Lebenskrisen usw. 

Lernen ist nicht nur auf Schule etc. beschränkt und kann somit auch nicht nur auf Kindheit und Jugend bezogen werden. Der Erziehungswissenschaftler Horst Siebert betont, dass Lebenslanges (oder auch lebensbegleitendes) Lernen untrennbar mit der eigenen Biografie verbunden ist. 

Werden digitale Lernformate gewählt, kommt hinzu, dass Lernende unterschiedliche (positive wie negative) Vorerfahrungen mit diesem Format und verschiedene digitale Kompetenzen mitbringen. Je nach Alter kann die digitale Biografie sehr unterschiedlich aussehen. 

Was ist eine digitale Biografie? 

Die Digitale Biografie ist die Summe aller Erlebnisse mit digitalen Anwendungen in Berufs- und Privatleben entlang des individuellen Lebensweges. Sie ermittelt die ersten Kontaktpunkte mit der Digitalisierung. Eine Erfassung das eigene digital-biografische Profils macht digitale Kompetenzen sicht- und vergleichbar. 

Quelle: Digitale Biografie: Veränderungen und Storytelling meistern (zielbar.de) 

Für eine effektive Erwachsenenbildungspraxis spielt deshalb die Berücksichtigung von lebensgeschichtlichen Erfahrungen, der subjektiven Wert- und Normbezüge, der Lernbiografie usw. sowohl auf Seiten der Teilnehmenden wie auch der Lehrenden eine bedeutende Rolle. Hierbei steht das sogenannte „biografische Lernen“ (oder Biografiearbeit) mit entsprechenden methodischen Zugängen im Zentrum didaktischer Überlegungen. 

Praktisch bedeutet das, dass sich Lehrende zum einen bewusst machen, dass sowohl sie selbst als auch ihre Teilnehmenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich ihres bisherigen Lernens in die Weiterbildung kommen und dies Auswirkungen auf das Lehren und Lernen haben kann.  

Zum anderen können sich hieraus je nach Kontext und Ziel der Weiterbildung didaktische Überlegungen und Planungen ergeben, die es Lernenden ermöglichen, durch gezielte Methoden selbstreflektiert ihre einmal erworbenen Denk- und Wahrnehmungsschemata daraufhin zu überprüfen, ob sie für die Gestaltung des weiteren Lebenslaufs beziehungsweise die konkrete aktuelle Weiterbildung einsatzfähig sind. Biographisches Lernen wird dadurch zur Anregung für Bildungsprozesse im Erwachsenenalter. Denn wer seine eigene Lerngeschichte nicht kennt und reflektiert, bleibt möglicherweise hinter seinen Lebensgestaltungsmöglichkeiten zurück.  

Warum  kann  eine Reflexion über den eigenen Lernweg wichtig für das aktuelle Lernen  sein

Da Lernen immer Anschluss-Lernen ist, also an das anknüpft, was bereits an Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen da ist, ist der biografische Rückblick sehr wichtig. Er erlaubt es, den bisherigen Lernweg zu betrachten, vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse zu erkennen und neue Lernschritte zu planen. 

Die Reflexion über die eigene Lernbiografie hilft, Lernerfahrungen auf den Punkt zu bringen. Dies stärkt das Selbst-Bewusstsein, bietet Ansatzpunkte für weitere Lern- und Handlungswege und zeigt auf, was man selbst auch an Angehörige und nachfolgende Generationen weitergeben kann oder will. 

In jeder Weiterbildung, ob analog oder digital, ist es wichtig, im Hinterkopf zu haben, dass die Teilnehmenden unterschiedliche, positive wie negative Lernerfahrungen gemacht haben und dass diese das aktuelle Lernen beeinflussen. Ein aktives Arbeiten mit lernbiografischen Methoden in der Weiterbildung ist dann sinnvoll, wenn zum Beispiel 

  • unterschiedliche Vorerfahrungen (auch in Bezug auf das digitale Lernen) und besondere Lebenssituationen und -ereignisse eine wichtige Grundlage oder Ursache der Weiterbildung und der Gruppenzusammensetzung sind oder 
  • es zu größeren Unstimmigkeiten zu Kursbeginn oder im Kursverlauf kommt. 

Warum Biografiearbeit in (digitalen) Weiterbildungen? 

Dies lässt sich abschließend mit einem Zitat von Hans Georg Ruhe zusammenfassen: 

Biografiearbeit ist nichts Beliebiges: Indem sie durchdringt, je nach Verwendung und Notwendigkeit verschiedene Tiefen und Verbindlichkeiten erreicht, kann sie zu dem beitragen, was uns in einer aufgeteilten, arbeitsteiligen, abgeschotteten, manchmal fremd erscheinenden Welt fehlt: Integration.“  

(Hans Georg Ruhe, 2014) 

Wann ist  Biografiearbeit in digitalen  Kursen sinnvoll?

Nicht für jede Art der Weiterbildung ist Biografiearbeit sinnvoll und umsetzbar. Für manche Themen und Ziele kann sie jedoch sehr hilfreich sein, denn sie kann dabei helfen,  

  • Unterschiede im Lernen-Können und -Wollen zu erkennen, 
  • eigene und andere Bewertungsmuster aufzudecken, 
  • die eigenen Denk- und Handlungsweisen zu reflektieren, 
  • Ausgangssituationen angemessen zu ändern und 
  • neue Wege und Möglichkeiten zu finden, motiviert und selbstgesteuert zu lernen. 

Auch als Lehrperson ist es sinnvoll, sich immer wieder einmal mit der eigenen Lern- (und Lehr-) Biografie zu beschäftigen, denn die Erfahrungen, die wir mit dem Lernen (und dem Lehren) gemacht haben, beeinflussen unser aktuelles Verhalten als Trainer oder Trainerin. Unser Lehrstil, unsere Motivationen, aber auch Widerstände sind mit geprägt von den Erlebnissen unserer Lernbiografie. 

Für ein biografisches Arbeiten müssen Zeit und Raum geschaffen werden und nicht immer ist dies möglich und sinnvoll. Aber schon Erwartungs- und Vorerfahrungsabfragen zu Beginn einer digitalen Weiterbildung können viele Informationen zutage bringen, die für ein teilnehmerorientiertes Lehren und Lernen hilfreich sind. Gerade in digitalen Weiterbildungen, in denen der Austausch und das gegenseitige Kennenlernen häufig etwas reduzierter stattfindet als in analogen Formaten und viele mit dieser Art der Weiterbildung noch weniger vertraut sind, ist es wichtig, schon bei der Planung geeignete Formate und Methoden des Austauschs zu berücksichtigen und einzuplanen. 

Rahmenbedingungen für  Biografiearbeit   in digitalen Settings 

Besonders die ressourcenorientierte Biografiearbeit hat in Anlehnung an Hölzle/Jansen (2011) vier Schwerpunkte, die insbesondere für Online-Weiterbildungen sinnvoll sein können: 

  • Biografisch erworbene (Lern-)Ressourcen bewusst und nutzbar machen 
  • Handlungsspielräume im eigenen Leben erkennen 
  • Krisen als Herausforderungen und Lernchancen begreifen 
  • Gemeinsames im Individuellen entdecken 

Wichtige Rahmenbedingungen für Biografiearbeit

 Egal, welche Zielsetzung biografische Methoden in digitalen Weiterbildungen verfolgen, sollten ein paar grundsätzliche Aspekte berücksichtigt und von Seiten der Lehrenden hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere 

  • Freiwilligkeit. Teilnehmende müssen selbst entscheiden können, ob und wie viel sie von ihrer Biografie preisgeben wollen. 
  • Transparenz. Lehrende sollten transparent machen, welche Methoden sie für welchen Zweck einsetzen und was mit den Ergebnissen geschehen soll. 
  • Vertraulichkeit. Teilnehmende brauchen Vertrauen und die Gewissheit, dass ihre biografischen Angaben vertraulich behandelt werden. 
  • Zuverlässigkeit 
  • Sensitivität. Lehrende brauchen die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, um Grenzen erkennen zu können und Methoden sowohl in die Tiefe und Breite führen zu können, aber auch sinnvoll abzuschließen. 
  • Traumasensibilität. Lehrende sollten bemerken, wenn eine Methode nicht passt, Teilnehmende zu stark berührt sind oder ein Thema schlecht aushalten können. 
  • Bewusstsein für Diversität und Inklusion. Trotz unterschiedlicher Biografien sollte der Fokus auf dem Gemeinsamen und dem gemeinsamen Lernen liegen. 
  • Selbstreflexivität der Anleitenden in Bezug auf die eigene Biografie 

Schritte der Biografiearbeit 

Biografiearbeit setzt meistens, je nach Methode, bei einem der drei folgenden Schritte an und arbeitet sich dann in die anderen beiden vor: (vgl. Gudjons/Pieper/ Wagener 1986, 46; Ruhe 2003, 13 f.) 

  • Die erste Ebene ist die des Individuellen. Diese bezieht sich auf die gesamte Lebensgeschichte des Individuums, um dann von der Gesamtbetrachtung der persönlichen Biografie zu den einzelnen, dahinter liegenden Ereignissen und Erfahrungen zu gelangen. 
  • Die zweite Ebene ist die des Gesellschaftlichen. Diese Ebene bettet das Individuum in seine Umwelt ein, verdeutlicht ihm seine Lebenschancen und führt dem Individuum vor Augen, auf welche Weise die gesellschaftlichen Ereignisse die eigene Biografie geprägt haben. Diese Ebene ist mit der dritten Ebene verbunden.  
  • Die dritte Ebene ist die des Unbewussten. Sie befasst sich mit dem Begehren, Mustern, Tabus und Interessenlagen, die Antrieb oder Blockade im Lebenslauf bedeuten. Hier kann es im Einzelfall auch um seelische Schäden und deren Heilung gehen.  

Die Bearbeitung individueller Biografien bedürfen von Lehrenden einer sorgfältigen Vorbereitung, einer behutsamen Durchführung und einer genau auf die Situation der Teilnehmenden bezogenen Abstimmung der Methoden. Entscheidend ist hier eine offene, dialogische und wertschätzende Haltung, ein echtes Interesse und Neugierde sowie ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Lehrende hält sich eher im Hintergrund und schaltet sich nur ein, um den Prozess durch vorsichtiges Fragen anzuregen. Sollten Problemstellen benannt werden, dann geht es um eine Orientierung an den Ressourcen (z.B. Personen, Verhaltensweisen, Unterstützung o.ä.) und den Möglichkeiten des Betroffenen, aber nicht darum, was der Lehrende für sich tun würde. Allerdings kann und sollte er Anregungen geben, Vorschläge machen und kritisch vom Lernenden überprüfen lassen. 

Methoden für die digitale Biografiearbeit

 Es gibt viele verschiedene Methoden, mit denen Biografiearbeit im Seminar angewendet werden kann. Im Folgenden finden Sie zwei Beispiele, die sich in der digitalen Erwachsenenbildung einsetzen lassen. 


Referenzen

Forum Seniorenarbeit NRW (15.12.2020). Methodenkoffer – Zugänge in die digitale Welt gestalten. Ideen und Anregungen zur Gestaltung von Lernszenarien in der Seniorenarbeit. Entwickelt in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen des Forum Seniorenarbeit NRW 2020, S. 37. Verfügbar unter https://methoden.forum-seniorenarbeit.de/wp-content/uploads/2020/12/2020-12-Methodenkoffer.pdf (zuletzt abgerufen am 13.12.2021) 

Gutjons, H., Pieper, M. & Wagener, B. (2003). Auf meinen Spuren. Das Entdecken der eigenen Lebensgeschichte. Vorschläge und Übungen für pädagogische Arbeit und Selbsterfahrung (6. Aufl.). Hamburg: Bergmann + Helbig. 

Hanstein, T. & Ken Lanig, A. (2020). „Methode 5: Bildkartenarbeit“. In Digital lehren: Das Homeschooling-Methodenbuch. Baden Baden: Tectum. 

Hölzle, C. (2011). Ressourcenorientierte Biografiearbeit: Grundlagen - Zielgruppen - Kreative Methoden. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 

Klante, S. & Münder y Estellés, C. B. (2020). Lehren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Biographien der Lernenden. In: Auf die Teilnehmenden zugeschnitten: Teilnehmerorientierte Planung von Weiterbildungen. EULE Lernpfad. Verfügbar unter: https://www.wb-web.de/lernen/lernpfade/auf-die-teilnehmenden-zugeschnitten.html 

Klingenberger, H. (2007). Lebenslauf. 365 Schritte für neue Perspektiven. München: Don Bosco Verlag 

Prüfwasser, J. (1998). Ein Traum von tausend Freiheiten oder Jede Biographie ist eine Bildungsbiographie. Forum-Informationen, 1998 (2), S. 6-8. 

Reischmann, Jost (2009). Formen des Lernens Erwachsener. In: Fuhr, T., Gonon, P.   & Hof, C. (Hrsg.). Handbuch der Erziehungswissenschaft, Band II/2 Erwachsenenbildung Weiterbildung (S. 851-862). Paderborn: Schöning. 

Ruhe, H. G. (2014). Praxishandbuch Biografiearbeit. Methoden, Themen, Felder, Weinheim / Basel: Beltz Juventa. 

Siebert, H. & Rohs, M. (2016). Lernen und Bildung Erwachsener (Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen - Grundlagen & Theorie). Bielefeld: wbv Media. 

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