Teilnehmerorientierte Planung von individualisierten digitalen Weiterbildungen ELO

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Wenn von digitaler Lehre die Rede ist, werden oft vor allem Nachteile genannt, die diese Art der Lehre im Gegensatz zu traditioneller Lehre mit sich bringt. Dabei eröffnen digitale Lehr- und Lernsettings auch viele neue Möglichkeiten und dies ganz besonders in Bezug auf das individualisierte Lernen. 
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Teilnehmerorientierte Planung von individualisierten digitalen Weiterbildungen

Mia Grünewald, Trainerin für Yoga, berichtet aus ihrer Praxis:

Ich habe die letzten Monate damit verbracht, eine Plattform zu erstellen, in der ich verschiedene Yoga-Kurse für die Zielgruppe 60+ anbiete. Die Kurse sind speziell auf die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren ausgerichtet und setzen sich aus mehrteiligen Programmen zusammen. Sie werden in verschiedenen Schwierigkeitsstufen angeboten, bauen aufeinander auf und können einzeln gebucht werden. Die Kurse bieten den Trainierenden eine hohe Flexibilität und sind für mich  eine zeit- und kostensparende Alternative zu Kursen Live-Kursen, da die Videos als digitales Produkt immer wieder verwendet bzw. verkauft werden können.

 Allerdings haben mich Rückmeldungen von Teilnehmenden erreicht, die nicht so zufrieden damit sind. Viele wünschen sich zusätzliche Materialien, Erklärungen und Erläuterungen und einen Ansprechpartner, der sie bei Fragen berät und Hilfe bietet. Auch vermissen viele ausführlichere Informationen für Yoga im Alter, z. B. in Bezug auf Bluthochdruck, Gleichgewichtsstörungen oder Osteoporose und Arthrose, wo z. B. die Muskeln vorsichtig aufgebaut werden müssen, oder Hinweise darauf, wo sie solche Informationen finden können. Aus den Rückmeldungen geht auch hervor, dass es gerade für Einsteigerinnnen und Einsteiger hilfreich wäre, in einer Gruppe zu arbeiten oder im Einzelunterricht. Viele würden lieber im Live-Stream Yoga machen, da sie die Anbindung an eine Lerngruppe und den direkten Kontakt mit der Lehrperson vermissen, sie finden im Internet jedoch nicht so ein breites Angebot für ihre Zielgruppe.

Daher habe ich beschlossen zu schauen, wie ich  mein Konzept verbessern kann, und mehr Zeit und Ressourcen zu investieren, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Auch  ist gerade ein zusätzlicher Blog mit kursbegleitenden Tipps und Informationen in Planung.

Sven Hartmann, Stimmtrainer, berichtet aus seiner Praxis:

Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal einen Online-Wochenendkurs zum Thema „Synchron-Sprechen” gegeben. Das Feedback zum Kurs ist jedoch leider sehr negativ ausgefallen. Aus den Kommentaren der Teilnehmenden ging hervor, dass sie sehr unzufrieden waren und die Kursgebühren in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis im Nachhinein als viel zu hoch empfanden, was für mich als Trainer natürlich sehr unerfreulich ist.

Bemängelt wurde vor allem die Tatsache, dass der Kurs sich aus Teilnehmenden mit sehr unterschiedlichen Vorerfahrungen zusammensetzte: zum einen ausgebildete Schauspieler und Schauspielerinnen, die sich im Bereich des Synchronsprechens weiterbilden wollten, und zum anderen Teilnehmende, die noch überhaupt gar keine Schauspielererfahrung hatten. So empfanden manche das Grundlagentraining zu Beginn des Kurses als überflüssig und langweilig, und anderen wiederum ging es in dem Kurs viel zu schnell. Auch beschwerten sie sich darüber, dass Szenen, die eingesprochen wurden, aufgrund der kurzen Zeitslots, die jeder und jedem zur Verfügung stand, vorab nicht ausreichend geübt werden und Feedback nicht umgesetzt werden konnte, so dass das eingesprochene Material als Demoband – wie es in der Kursbeschreibung beworben wurde – für viele nicht brauchbar war. Auch was den Umgang mit digitalen Tools in Online-Kursen betrifft, waren alle nicht auf dem gleichen Stand, so dass sich manche vollkommen überfordert fühlten.

Mir ist durch das Feedback klargeworden, dass der Kurs nicht an einer konkreten Zielgruppe ausgerichtet worden ist und dass es für die Zukunft Sinn machen würde, Kurse mit verschiedenen Niveaustufen anzubieten. Dabei sollte z. B. noch einmal durchdacht werden, inwieweit es Sinn macht, Teilnehmende ohne Voerfahrungen in so kurzer Zeit ein Demoband erstellen zu lassen. Auch sollte es vor dem Kurs eine generelle Technik-Einführung für jene Teilnehmenden geben, die keine oder wenig Erfahrung mit Online-Kursen haben.

Soll eine digitale Weiterbildung an den Bedürfnissen, Interessen und Erfahrungen der Teilnehmenden ausgerichtet werden, gilt es verschiedene Aspekte und Vorgehensweisen zu berücksichtigen. Online-Fortbildungen teilnehmerorientiert zu gestalten bedeutet – wie auch in der analogen Lehre – eine Passung von Lernanforderungen und Teilnehmervoraussetzungen anzustreben und ein Anschlusslernen zu ermöglichen.  

Teilnehmerorientiertes Lehrverhalten

Der Professor für Erwachsenenbildung Horst Siebert beschreibt vier Punkte, von denen teilnehmerorientiertes Lehrverhalten im Allgemeinen abhängig ist: 

  1. Lernerfahrungen und Interessen der Teilnehmenden. Es gibt Gruppen, für die mehr oder weniger Strukturierung angemessen ist.
  2. Die Thematik der Weiterbildung
  3. Die Funktion des Bildungsangebots (zum Beispiel freizeitorientiert oder prüfungsbezogen)
  4. Der Veranstaltungsform (zum Beispiel Workshop oder Bildungsurlaub)

Das bedeutet, dass die Lehrkraft im Verlauf eines Kurses oder einer Veranstaltung immer wieder prüft, ob sie die Bedürfnisse, Interessen und Erfahrungen der Teilnehmenden noch berücksichtigt. Ist das nicht der Fall, muss sie im Sinne der Teilnehmerorientierung neu planen und andere Methoden oder Inhalte auswählen. 

Verschiedene Aspekte von Teilnehmerorientierung, die schon bei der Planung berücksichtigt werden sollten 

Teilnehmerorientierung kann unterschiedliche Aspekte berücksichtigen. Gerade in digitalen Weiterbildungen ist es wichtig, dass Lehrende diese schon bei der Planung berücksichtigen und überlegen, welche Methoden und Tools sich zu den unterschiedlichen Kursphasen besonders gut für ihr Setting eignen.  

Wenn Sie auf dem folgenden Bild auf die Infopunkte klicken, können Sie sich Informationen zu den verschiedenen Aspekten der Teilnehmerorientierung anzeigen lassen sowie Umsetzungsideen für digitale Settings und Beispiele von Praktikerinnen und Praktikern. 

Verschiedene Aspekte der Teilnehmerorientierung, Bild: Eigene Darstellung

Generell verlangt die Gestaltung teilnehmerorientierter Lehre Lehrenden viel Gespür und Flexibilität ab. Der Umgang mit heterogenen Lerngruppen stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, aber gerade hier sollte sie praktiziert werden, um den Teilnehmenden gerecht zu werden. Besonders auch für Lehrende, die noch nicht so viel Erfahrung mit digitalen Lernarrangements haben, kann es anfangs schwierig sein, diese Anforderungen zu erfüllen, da hier noch weitere Faktoren hinzukommen, wie die räumliche Distanz und das ungewohnte Lernsetting. Doch auch in digitalen Lernumgebungen kann Teilnehmerorientierung sehr gut gelingen. Mittlerweile gibt es eine ganze Bandbreite an digitalen Tools gibt, die das teilnehmerorientierte und individualisierte Lehren unterstützen und fördern und die Methoden- und Medienvielfalt in der Lehre erweitern.  


Referenzen

Breloer, G., Dauber, H. & Tietgens, H. (1980). Teilnehmerorientierung und Selbststeuerung in der Erwachsenenbildung. Westermann: Braunschweig. 

Holm, U. (2012). Teilnehmerorientierung als didaktisches Prinzip der Erwachsenenbildung – aktuelle Bedeutungsfacetten. Verfügbar unter www.die-bonn.de/doks/2012-teilnehmerorientierung-01.pdf (zuletzt abgerufen am 08.01.2020) 

Klante, S. & Münder y Estellés, C. B. (2020). Verschiedene Aspekte von Teilnehmerorientierung. In: Auf die Teilnehmenden zugeschnitten: Teilnehmerorientierte Planung von Weiterbildungen. EULE Lernpfad. Verfügbar unter: https://www.wb-web.de/lernen/lernpfade/auf-die-teilnehmenden-zugeschnitten.html

Ruhe, H. G. (2014). Praxishandbuch Biografiearbeit. Methoden, Themen, Felder, Weinheim / Basel: Beltz Juventa. 

Siebert, H. (2003). Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung – Didaktik aus konstruktivistischer Sicht. München: Luchterhand. 

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Teilnehmerorientierte Planung von individualisierten digitalen Weiterbildungen

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