Wie setze ich formatives Feedback im Verlauf einer Online-Weiterbildung methodisch ein? ELO

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Wie setze ich formatives Feedback im Verlauf einer Online-Weiterbildung methodisch ein?

Joachim Brinkmann, Dozent für Schreibtechniken:

In meinen Kursen ist es mir besonders wichtig, dass die Teilnehmenden die Gelegenheit bekommen, meine Arbeitsaufträge in Ruhe umzusetzen und Schreibtechniken einzuüben und anzuwenden, aber genauso wichtig ist mir die Interaktion in der Gruppe, was dank unserem Videokonferenztool sehr gut funktioniert. Ich baue immer wieder Feedbackschleifen ein, in denen die Teilnehmenden ihre Texte in der Gruppe vorlesen, sich gegenseitig dazu austauschen und ein detailliertes Feedback von mir erhalten. Die Teilnehmenden motiviert es, wenn sie Rückmeldungen zu ihrer Arbeit erhalten, sie bekommen so ein Gespür dafür, was funktioniert und was nicht. Ich achte darauf, dass jedes Kursmitglied genügend Zeit für die Besprechung seiner Texte erhält und dass die Diskussion in der Runde auf einer konstruktiven Ebene erfolgt. Ein Gefühl von Wertschätzung und Gemeinschaft zu vermitteln, finde ich in digitalen Weiterbildungen besonders wichtig.

 

Bettina Klein, Teilnehmerin eines Grafikdesign-Kurses:

In dem viermonatigen Kurs in Grafik-Design, den ich erst kürzlich erfolgreich beendet habe, bestanden die Lerninhalte prinzipiell aus Textinhalten zu den verschiedenen Themen und Videos. Besonders hilfreich dabei fand ich die Videos, da es mir durch sie viel einfacher fiel, Arbeitsprozesse nachzuvollziehen. Manche Videos habe ich mir auch öfter angeschaut, bis ich in der Lage war, die Funktionen des Grafikprogramms alleine an meinem PC anzuwenden. Zu zwei Aufgaben erhielt ich auch ein Videofeedback von meiner Dozentin. Dabei handelte es sich um einen Screencast, bei dem sie selbst in einer Ecke des Bildschirms zu sehen war. Sie hat mir sehr genau erklärt, was ich gut umgesetzt habe und mir Tipps zu Punkten gegeben, an denen ich weiterarbeiten kann. Dabei fand ich besonders gut, dass sie zu relevanten Funktionen mehrere Alternativen am Bildschirm aufgezeigt hat. Aus einem schriftlichen Feedback oder über Screenshots wäre mit Sicherheit nicht so klar hervorgegangen, wie man bei den Arbeitsschritten konkret vorgeht. Ich fand es auch sehr angenehm, die Dozentin während des Feedbacks zu sehen, da man bei einem Selbstlernkurs die ganze Zeit ausschließlich mit einem PC kommuniziert und es schön ist, die Lehrenden auch mal in Person zu erleben.

Wichtig für den Einsatz von digitalen Tools in Weiterbildungen ist zunächst, dass datenschutzrechtliche Bestimmungen berücksichtigt werden sowie ggf. anfallende Kosten und, dass die Nutzung der Tools stets auf Freiwilligkeit basiert. Die Nutzung darf nicht Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an dem Seminar oder Workshop sein. Dies sollte den Teilnehmenden von Beginn an kommuniziert werden.

Bei der Entscheidung für ein Tool ist auch die Frage relevant, ob es sich bei einer digitalen Weiterbildung um eine 100-prozentige Online-Weiterbildung ohne Präsenzphasen handelt, also auch ohne Online-Präsenzphasen, da die Kommunikation hier asynchron verläuft. Oder ob Online-Präsenzphasen Bestandteil des Kurses sind, da hier ein größerer Spielraum für die direkte Kommunikation und somit auch für unmittelbares Feedback seitens der Lehrperson oder der anderen Kursmitglieder besteht, zum Beispiel im Rahmen von Gruppenübungen.

Videokonferenztools

Videokonferenztools ermöglichen den direkten Austausch zwischen der Lehrperson und den Lernenden. Feedback kann hier in der Gruppe oder Einzelgesprächen stattfinden. Da in digitalen Veranstaltungen Interaktion sehr wichtig ist, um Ermüdung und einer sinkenden Aufmerksamkeitsspanne zuvorzukommen, können Feedbackmethoden, sofern dies didaktisch sinnvoll ist, auch dazu eingesetzt werden, längere Einheiten zu unterbrechen, die Teilnehmenden zu aktivieren und sie aktiv in die Kursgestaltung mit einzubinden.

Audio- und Video-Feedback

Beim Audio-Feedback handelt es sich um einen gesprochenen Text, der den Kursmitgliedern im MP3-Format zur Verfügung gestellt wird. Beim Video-Feedback ist nicht nur die Stimme, sondern auch das bewegte Bild der Lehrperson zu sehen.

Audio- und Video-Feedback lässt sich sehr einfach erstellen und verschicken und kann eine sehr zeitsparende Variante zu schriftlich verfasstem Feedback sein, da die Lehrperson sich hier auf die wesentlichen Aspekte konzentriert. Audio- und Videofeedback ist persönlicher und differenzierter und kann sich daher positiv auf die Motivation auswirken. Die Lernenden können das Feedback außerdem wiederholt anhören bzw. anschauen.

In beiden Formaten empfiehlt es sich, dass die Lehrperson die Lernende oder den Lernenden direkt anspricht und begrüßt, und sowohl positive Aspekte in Bezug auf die eingereichte Aufgabe hervorhebt als auch wesentliche Korrekturen erklärt. Die Lehrperson sollte nicht länger als fünf Minuten sprechen, wie Maris Schedler, Autorin einer Studie zur Akzeptanz und Verwendung von Audiofeedback in virtuellen Lernumgebungen, erklärt. Außerdem empfiehlt es sich, dass die Lehrperson die Hörerin oder den Hörer darauf hinweist, das Dokument zu öffnen und parallel mitzulesen bzw. gleich mit zu korrigieren. Ebenso empfiehlt es sich, die Aufnahme mit einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Überarbeitungshinweise zu beenden. (2015, S. 67-68)

Probleme beim Audio- und Videofeedback können auftauchen, wenn die Lernenden die Stellen, auf die sich das Feedback bezieht, in ihrem Dokument nicht finden können. Dem kann durch die genaue Angabe von Zeilennummern und Abschnitten entgegengewirkt werden (Schedler, S. 64). Eine weitere Option ist hier der Screen Cast, eine Form des Video-Feedbacks.

Screen Casts

Beim Video-Feedback zeichnet die Lehrperson sich selbst auf, während sie der oder dem Lernenden ihr Feedback gibt. Beim Screen Cast zeichnet die Lehrperson zusätzlich auch noch den eigenen Bildschirm auf, während sie Korrekturen vornimmt bzw. erklärt. Optional kann die Lehrperson auch nur den Bildschirm in Kombination mit ihrer Stimme aufnehmen.

Für ein solches Feedback eignet sich z. B. das cloudbasierte Tool Loom. Mit diesem lassen sich auch sehr einfach Lehr-Lernvideos erstellt werden, indem man beispielsweise eine Powerpoint-Präsentation aufnimmt und sie kommentiert.

Ein Vorteil des Tools ist, dass sich Elemente auf dem Bildschirm mit der Maus farblich hervorheben lassen, sodass der oder dem Lernenden, im Gegensatz zum Audiofeedback, die Passagen am Bildschirm direkt angezeigt werden und er oder sie diese nicht selbst suchen muss. Des Weiteren können auch vertiefende Links in das Video eingebaut werden. Für die Nutzung von Loom ist es nötig, sich ein Konto zuzulegen, die Starterversion ist kostenlos. Für die Bereitstellung des Videos lässt sich ein passwortgeschützter Link erstellen. Das Video kann aber auch einfach nur heruntergeladen werden.

Andere Tools wie Screencastify oder Screencast-O-Matic bieten ähnliche Optionen und sind kostenlose Alternativen zu kostenpflichtigen Tools wie Camtasia und Snagit.

Feedbackmöglichkeiten in Learning Management Systemen

Learning Management Systeme (LMS) wie Moodle oder Illias sind fester Bestandteil von Online-Kursen, aber auch von hybriden Lernangeboten z. B. an Universitäten sind sie nicht mehr wegzudenken, denn sie bieten viele Funktionen, die das gemeinsame Lernen erleichtern. Auch für Feedbackprozesse sind sie sehr hilfreich, da sie auch Feedbackfunktionen bieten. Die Lehrperson kann sie vor allem auch nutzen, um einem breiten Publikum Aufgaben zugänglich zu machen und individuelle Nachrichten an Teilnehmende zu versenden. Es können außerdem systemgenierte Nachrichten erzeugt werden, welche den Teilnehmenden die Abgabe einer Aufgabe bestätigen, sie an die Abgabe erinnern oder sie über die Vollständigkeit einer Aufgabe informieren. Darüber hinaus können die in den LMS integrierten Diskussionsforen und Chats für Feedbackmaßnahmen genutzt werden.

Eine Möglichkeit ist z. B., anhand mehrerer Feedbackschleifen die Teilnehmenden eine im LMS bereitgestellte Aufgabe erarbeiten zu lassen, deren Ergebnisse am Ende über ein Videokonferenztool der Kursgruppe vorgestellt werden. Die Lösungen können auch im Forum des Learning Management Systems hochgeladen werden, sodass alle Kursteilnehmenden sie einsehen und Fragen dazu stellen können.

Beim Einsatz dieser Feedbackmethoden ist es wichtig, den Grad der Öffentlichkeit in der Planung zu berücksichtigen. Sollen die Teilnehmenden ihre Lösung in einem nur für die Lehrperson einsehbaren Ordner im LMS hochladen, zu dem diese dann für jede Teilnehmende und jeden Teilnehmenden ein individuelles Feedback erstellt? Oder soll die Lösung z. B. einer Gruppenarbeit für die gesamte Kursgruppe öffentlich zugänglich gemacht werden und gemeinsam im Diskussionsforum besprochen werden?

Gibt es konkrete Fragen, die im Kurs immer wieder aufkommen, kann es auch sinnvoll sein, in einem LMS ein Dokument mit FAQ einzurichten, das dann immer für alle abrufbar ist.

 Direct-Response-Systeme

 Anders als beim klassischen Feedback, bei dem ein individuelles Feedback ausformuliert wird, das sich an eine Gruppe oder einzelne Kursmitglieder richtet, können Direct-Response-Systeme genutzt werden, um den Lernenden eine direkte Rückmeldung zur Bearbeitung einer Aufgabe zu geben. Dies betrifft Aufgaben, deren Lösung sich mit “richtig” oder “falsch” bewerten lässt. Dazu eignet sich zum Beispiel das kostenlose Tool H5P, mit dem Lehrende interaktive Aufgaben erstellen und teilen können. H5P stellt neben vielfältigen Optionen für die Kursgestaltung Aufgaben in Formaten wie Multiple Choice, Drag and Drop, Lückentext, Find the Hotspot, Find the words und Image choice zur Verfügung. Auch das Tool Kahoot bietet Funktionen für die Erstellung von Quiz und Aufgaben.

 Für ein lernförderliches Feedback ist es sehr wichtig, den Lernenden individuelle Rückmeldungen zu ihrem Lernprozess zu geben, dennoch können diese Tools in Phasen des selbstgesteuerten Lernens sehr hilfreich sein, um den Lernenden ein direktes Feedback zu geben. Der Vorteil dieser Systeme ist auch, dass der Lehrperson durch die Nutzung dieser Tools mehr Zeit für individuelles Feedback zu komplexeren Aufgaben zur Verfügung steht.


Referenzen

Amann, Ella Gabriele (2021), Digital durchstarten. Sechs Strategien, die es leichter machen. Zeitschrift Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching. 1. Februar bis März 2021, S. 24-27.

Angewandte Linguistik TU Dresden (17.03.2020), Lehrvideos erstellen mit loom, Verfügbar über https://www.youtube.com/watch?v=K1OEuYIgTUk (zuletzt abgerufen am 10.11.2021)

bildung.digital Themenportal für Schulen, Feedback digital und auf Distanz, Verfügbar über https://www.bildung.digital/artikel/feedback-digital-und-auf-distanz (zuletzt abgerufen am 10.11.2021)

Borsdorf, Paul (28.10.2020), Digitale Lehre in der Hochschule: Methode “Studentische Musterlösungen”. Verfügbar unter

https://www.youtube.com/watch?v=g4E6McbDFc4 (zuletzt abgerufen am 15.11.2021)

Lang, Sandra Mareike (2021). Und es hat Zoom gemacht! Ein Plädoyer für Zoom als Online-Coaching-Tool., Zeitschrift Praxis Kommunikation, Angewandte Psychologie in Coaching, Training und Beratung, Heft Neue Realität. Digitale Kompetenz im Coaching. 1. Februar bis März 2021, S. 12-15.

MMAG. Dr. Alexander Preisinger, Digiteach Academy – Digitales Lernen. Sprachmemos erstellen – Vocaroo. Verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=JkL4xuB6X38 (zuletzt abgerufen am 10.11.2021)

Schedler, Marlis (2015). „Ein Mikrofon ist mächtiger als ein Rotstift! Effektives Audiofeedback (in virtuellen Lernumgebungen): Akzeptanz und Verwendung”. Verfügbar unter https://www.researchgate.net/publication/312473259_Ein_Mikrofon_ist_machtiger_als_ein_Rotstift_Effektives_Audiofeedback_in_virtuellen_Lernumgebungen_Akzeptanz_und_Verwendung (zuletzt abgerufen am 30.11.2021)


 Unterrichten.Digital - Tutorials & Praxisbeispiele, Audiofeedback mit Sprachaufnahmen & QWIQR - Rückmeldungen in Schule und Unterricht - YouTube, Verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=IH_F48uVgiY, (zuletzt abgerufen am 10.11.2021).

TTraub (17.11.2020) Feedback-Tools für den Unterricht. Medientraub. Lernen und lehren im digitalen Zeitalter. Verfügbar unter https://medientraub.de/feedback-tools-fuer-den-unterricht/ (zuletzt abgerufen am 10.11.2021)

Universität Hildesheim, Anregungen für die Digitale Lehre. Verfügbar über https://www.uni-hildesheim.de/e-learning2020/digitale-lehre/anregungen-digitale-lehre/ (zuletzt abgerufen am 15.11.2021)

Universität Konstanz, Methoden für die Online-Lehre, Verfügbar unter https://www.uni-konstanz.de/asd/infopool/toolbox-lehre/aktivierung-und-studentische-interaktion-in-der-online-lehre/ (zuletzt abgerufen am 15.11.2021)

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