Lernwiderstand – ein negatives Zeichen mit positivem Nutzen ELO

Gültigkeitsprüfungen dieses ELOs

Pflichtdaten: Sprache

Sprache: deutsch

Pflichtdaten: Aufgabenaktivität

Aufgabenaktivität: Analyseaufgabe

Pflichtdaten: Level

Level: mittel

Pflichtdaten: Gesamte Bearbeitungszeit in Minuten

Gesamte Bearbeitungszeit in Minuten: 15

Platzhalter - Teaser-Bild
Teaser-Text:
Für eine Lehrperson ist es schwierig genug, ihre Pläne so umzusetzen, dass sie zur Gruppe passen. Tanzen dann noch Teilnehmende aus der Reihe, ist Stress für die Lehrperson vorprogrammiert. Der Begriff Lernwiderstand löst zunächst eine negative Empfindung aus.  Aber sind denn Lernwiderstände immer schlecht? Können sie nicht auch wichtige Probleme aufzeigen oder die Diskussion zum Thema bereichern?
Achtung: H5P-Inhalte können hier nicht korrekt dargestellt werden. Stattdessen erscheint ein grauer Balken. Um den Inhalt mit H5P-Elementen zu sehen, klicken Sie auf den folgenden Link.
Lernwiderstand – ein negatives Zeichen mit positivem Nutzen

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Lernwiderständen gemacht? Falls ja, sollten Ihnen die folgenden Punkte bekannt vorkommen. Durch die Pfeile im Bild können Sie nach rechts und links klicken.

 

This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

 

Positiver und negativer Lernbegriff

Der Lernbegriff im Alltagssprachgebrauch ist vielschichtig bis widersprüchlich. Auf der einen Seite ist der Begriff positiv besetzt: Besonders im Erwachsenenbildungsbereich schwärmt man vom lebenslangen Lernen. Durch Lernen können wir uns in unserer Persönlichkeit entfalten. Wir lernen, indem wir uns Wissen aneignen - also zu einem Teil von uns machen. Auf der anderen Seite wird Lernen von vielen Menschen als Zumutung gesehen. Das persönlich als unsinnig empfundene Wissen wird mit Druck eingetrichtert und darüber schwebt oftmals die Angst, nicht genügend zu lernen oder zu wissen und so vor anderen zu versagen.

Kein Wunder also, dass schnell Widerstand gegenüber dem Lernen aufkommt, wenn der Lernbegriff negativ besetzt ist. Aber nicht nur die eigene Einstellung, auch ganz profane Kleinigkeiten (zum Beispiel Lärm außerhalb des Kursraumes, Kopfschmerzen oder schlechtes Licht) können einen Lernprozess stören, für den Moment negativ beeinflussen und dadurch zu Lernwiderständen führen. 

 

Persönliche Sinnhaftigkeit des Lernens

Menschen lernen gerne und effektiv, wenn sie  mit dem Lernstoff eigene Interessen verbinden oder aber zumindest eine Sinnhaftigkeit darin erkennen. Umgekehrt kann man sagen, wenn Menschen keine persönlichen Bezüge zum Lernstoff herstellen können und zudem noch die Sinnhaftigkeit des Lernens in Frage stellen, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Widerwille gegen den Inhalt und das Lernen entwickeln.

Lernwiderstände werden als Störfaktoren eines gelingenden Vermittlungsprozesses bezeichnet. Das ist eine klar negative Formulierung. Wenn aber ein Missverhältnis herrscht zwischen dem Sinn, der in einem Lernprozess gesehen wird, der Anstrengung, die man aufbringen muss, um das Lernziel zu erreichen und dem, was möglicherweise dabei herauskommt, ist ein Widerstand gegenüber dem Lernen mitunter verständlich und berechtigt.


Lernwiderstände können auch zu Lernchancen werden

 

Geteiltes Bild mit skeptischer Frau und Text "Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt..." auf der linken Seite und der gleichen Frau, nun lachend, mit einem Limoglas in der Hand mit dem Text ..."mach Limonade draus!" darüber.

„Wenn Dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus.“ (Virginia E. Woolf, eigene Darstellung)

 

Ein Widerstand kann den eigenen Lernprozess still behindern oder blockieren, sich aber auch nach außen richten, Kursleitung und Lerngruppe beeinflussen und bis hin zum Fernbleiben  an Bildungsangeboten führen. Es gibt im Lernprozess gute Gründe, nicht lernen zu können oder zu wollen. So sind Lernwiderstände oftmals nicht nur verständlich, sondern auch begründbar und berechtigt. Damit sind Lernwiderstände auch nicht zu verwechseln mit Störungen, persönlichen Defiziten oder Unfähigkeit. Da aus Lernwiderständen aber schwerwiegende Störungen entstehen können, dürfen sie niemals ignoriert werden.

Aus diesem Grund sollten Sie als Kursleitende nicht versuchen, Lernwiderstände als Unwilligkeit Ihrer Lernenden zu sehen und zu „bekämpfen“. Damit nehmen Sie sich die Möglichkeit, die Situation zu verbessern. Sind Widerstände berechtigt, können diese wiederum konstruktiv zum Lerngeschehen beitragen. Fehlt einer Teilnehmerin zum Beispiel wichtiges Vorwissen, kann sie Ihrem Kurs nicht richtig folgen und baut möglicherweise einen Lernwiderstand aufgrund von Überforderung auf. Erkennen Sie ihr Problem und können ihr mit kleinen Hilfestellungen den Anschluss an den Kurs ermöglichen, kann die Teilnehmerin ihre Möglichkeiten entfalten und Ihren Kurs wertvoll bereichern.

 

Lernwiderstände für den Beziehungsaufbau

Oftmals braucht es eine sensible Beobachtungsgabe  der Kursleitung, Lernwiderstände als solche überhaupt wahrzunehmen. Wird ein Lernwiderstand aber wahrgenommen, entsteht ein persönlicher Kontakt zum betroffenen Kursmitglied, zur restlichen Kursgruppe und zu sich selbst. Werden Lernwiderstände zum  Anlass genommen, andere Meinungen, Arbeitsansätze und Erfahrungsberichte in den Kurs zu integrieren, fühlen sich sowohl die widerständigen als auch die  übrigen Kursmitglieder als Menschen und Individuen wahrgenommen und erweitern im besten Fall ihren Blickwinkel und Toleranzbereich.

 Wie ziehe ich aus Lernwiderständen einen positiven Nutzen?

  • Den eigenen Lernbegriff positiv formulieren, um eine positive Ausstrahlung zu haben.
  • Die Kurs-Lernumgebung optimal gestalten, um den Lernprozess der Teilnehmenden positiv zu beeinflussen.
  • Lerninhalte aufgrund ihrer Sinnhaftigkeit für Teilnehmende auswählen und die Sinnhaftigkeit überprüfen, wenn Lernwiderstände auftreten
  • Lernwiderstände neutral als Indikator betrachten, dass etwas im Kurs nicht rund läuft.
  • Den Teilnehmenden ihren Widerstand nicht persönlich übel nehmen.
  • Lernwiderstände zum Anlass nehmen, die Kurssituation zu reflektieren und unterschiedlichen Meinungen Raum zu geben.

Referenzen

Faulstich, P. & Grell, P. (2003). Lernwiderstände aufdecken – Selbstbestimmtes Lernen stärken. Verfügbar unter http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2003/faulstich03_01.pdf (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

Huber, Anne A. (2003). Möglichkeiten des konstruktiven Umgangs mit Widerstand in erwachsenendidaktischen Veranstaltungen. Gruppendynamik und Organisationsberatung 2003 (2), 133-145.

Ludwig, J. & Grell, P. (2017). Lerngründe und Lernwiderstände. Hessische Blätter für Volksbildung - Zeitschrift für Erwachsenenbildung in Deutschland, 2017 (2), 130f.

Quilling, K. (2015). Lernwiderstände. Der DIE Wissensbaustein für die Praxis.  Verfügbar unter http://www.die-bonnde/wb/2015-lernwiderstaende-01.pdf   (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

Tröster, M. (2000). Lernwiderstände. DIE Zeitschrift, 2000 (2), 41.

Achtung: H5P-Inhalte können hier nicht korrekt dargestellt werden. Stattdessen erscheint ein grauer Balken. Um die Aufgabe mit H5P-Elementen zu sehen, klicken Sie auf den folgenden Link.
Lernwiderstand – ein negatives Zeichen mit positivem Nutzen

Hatten Sie es als Lehrender in einer Ihrer Weiterbildungen schon einmal mit Widerständen zu tun? Es ist eine große Herausforderung, Widerstände zu erkennen, herauszufinden, wo sie herkommen und auf was sie sich beziehen und in einem weiteren Schritt souverän und situationsabhängig auf sie einzugehen. Etwas Positives darin zu erkennen und zu sehen, dass sich durch das Lösen die Lernvoraussetzungen in der Gruppe und für den einzelnen verbessern und Sie sich als Lehrperson weiter entwickeln können, ist ein weiterer großer Schritt.

Lesen Sie die folgenden Aussagen von Lehrenden in unterschiedlichen Weiterbildungen durch und überlegen Sie, wie der beschriebene Lernwiderstand durch die Lehrperson positiv genutzt werden kann. Wenn Sie möchten, können Sie sich zu jeder Situation auch ein Lösungsbeispiel anschauen.

Ein Teilnehmer in einer Statistikfortbildung hat Probleme, ähnliche Farben voneinander zu unterscheiden. Er kann auf den bunten Diagrammen der Dozentin daher nicht alles erkennen. Als es im Kurs um Details geht, kann er nicht mehr mitreden und zieht sich immer mehr aus dem Geschehen zurück. 

Beispiellösung

Wird das Problem erkannt und benannt, kann den einzelnen Kursteilnehmern geholfen werden, indem die Diagramme anders dargestellt oder explizit erklärt werden. Aber auch die gesamte Lerngruppe profitiert: Durch verschiedene Darstellungsarten und die mehrmalige Besprechung des Themas kann eine intensivere Beschäftigung gelingen und der Lerninhalt nachhaltiger aufgenommen werden.

Ein älterer Teilnehmer ist durch den umfangreichen Medieneinsatz der technikbegeisterten Dozentin überfordert. Die präsentierten Fakten verschwimmen für ihn mit den Eindrücken zu den genutzten Geräten und Programmen. Er beschwert sich. 

Beispiellösung

Die Dozentin hat bei Erkennen des Lernwiderstandes und seiner Ursache hier die Möglichkeit, die Vorteile ihres Medieneinsatzes darzustellen, näher zu erklären und so vielleicht auch die Hemmschwelle für den grundsätzlichen Medienkontakt ihrer Teilnehmer zu senken. Auf der anderen Seite wäre es möglich, dass die Dozentin aus persönlichem Interesse mit dem vielfältigen Medieneinsatz über das Ziel hinaus geschossen ist und es dem ganzen Kurskonzept gut täte, die Medien gezielter einzusetzen, um sich so wieder auf die wesentlichen Inhalte und nicht auf ihre Darstellungsform zu konzentrieren.

Ein Trainer versucht in einem Kommunikationsseminar immer wieder durch flapsige Männer- und Frauenklischee-Sprüche die Kursatmosphäre aufzulockern. Während einige Teilnehmer dankbar lachen, fühlt sich eine Frau zunehmend angegriffen. Es kommt zu Diskussionen und die Arbeit am eigentlichen Thema rückt in den Hintergrund. 

Beispiellösung

Es ist nachvollziehbar und positiv, wenn der Dozent eine lockere Atmosphäre für seinen Kurs schaffen möchte. Aber der Einsatz von Komik, Ironie und Witzen muss wohl dosiert und passend gewählt werden. Hier ist es nicht entscheidend, warum die Teilnehmerin sich persönlich angegriffen fühlt, sondern dass sie es tut. Kommt dieses Problem offen zur Sprache, können Dozent und Teilnehmende ihre Kommunikation abstimmen und Rücksicht aufeinander nehmen. Ein wertschätzender Umgang untereinander und klare Regeln sind im besten Fall die Folge.


This H5P content cannot be shown right now.
Did you just move this element? Reload the page to attempt to fix the problem.

Primäre KSF

motivationale Grundlagen des Lernens

Säule →

↓ Niveau
Wissen Wissen / Können Können
Hoch Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände integriert betrachten und bewerten. Die Lehrkraft kann verschiedene<br /> motivationale Prozesse und Zustände integriert betrachten und bewerten sowie in (neue) situationsadäquate Vorgehensweisen überführen. Die Lehrkraft kann (neue) situationsadäquate Vorgehensweisen entwickeln und umsetzen, die verschiedene motivationale Prozesse und Zustände im Rahmen von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen.
Mittel Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände unterscheiden. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände unterscheiden und bei der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände bei der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen.
Niedrig Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände benennen. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände benennen und unter Anleitung auf diese reagieren. Die Lehrkraft kann unter Anleitung auf verschiedene motivationale Prozesse und Zustände reagieren.

Eine blaue Markierung bedeutet, dass das ELO dieser Säule & Niveau-Kombination zugeordnet ist.

(Achtung: Änderungen der Kompetenz-Referenzen werden alle 1-2 Stunden aktualisiert und sind erst dann sichtbar!)

 

Sekundäre KSF

motivationale Grundlagen des Lernens

Säule →

↓ Niveau
Wissen Wissen / Können Können
Hoch Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände integriert betrachten und bewerten. Die Lehrkraft kann verschiedene<br /> motivationale Prozesse und Zustände integriert betrachten und bewerten sowie in (neue) situationsadäquate Vorgehensweisen überführen. Die Lehrkraft kann (neue) situationsadäquate Vorgehensweisen entwickeln und umsetzen, die verschiedene motivationale Prozesse und Zustände im Rahmen von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen.
Mittel Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände unterscheiden. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände unterscheiden und bei der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände bei der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen berücksichtigen.
Niedrig Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände benennen. Die Lehrkraft kann verschiedene motivationale Prozesse und Zustände benennen und unter Anleitung auf diese reagieren. Die Lehrkraft kann unter Anleitung auf verschiedene motivationale Prozesse und Zustände reagieren.

Eine blaue Markierung bedeutet, dass das ELO dieser Säule & Niveau-Kombination zugeordnet ist.

(Achtung: Änderungen der Kompetenz-Referenzen werden alle 1-2 Stunden aktualisiert und sind erst dann sichtbar!)

 

Tertiäre KSF

Gestaltung der Lernumgebung

Säule →

↓ Niveau
Wissen Wissen / Können Können
Hoch
Mittel
Niedrig

Eine blaue Markierung bedeutet, dass das ELO dieser Säule & Niveau-Kombination zugeordnet ist.

(Achtung: Änderungen der Kompetenz-Referenzen werden alle 1-2 Stunden aktualisiert und sind erst dann sichtbar!)

 

Verwendung

Node Typ Lernpfad
Hauptinhalt Hauptinhalt Lernwiderstände - Was hat es mit ihnen auf sich?

ID dieses ELOs: 7ec9544f-71f7-41fe-b330-bcb3a949ac2b

Generierungsdatum Gültig? Generierungsfehler Validierungsfehler Link

Hinweis: Links auf das XML müssen mit Rechtsklick und "Link in neuem Tab öffnen" geöffnet werden.