Lernbegleitung – Was ist das überhaupt? ELO

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Lernbegleitung klingt nach einer einfachen Form, Lernende zu betreuen. Aber hinter dem Begriff steckt weitaus mehr. Was genau und warum der Vergleich mit einem Orchester lohnt, erfahren Sie im Folgenden.  
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Lernbegleitung – Was ist das überhaupt?

Definition: Lernbegleitung

Zunächst klingt der Begriff „Lernbegleitung“ recht leicht verständlich und lässt auf die grundsätzliche Begleitung von Lernenden schließen. Doch in der Literatur lässt sich keine einheitliche Definition von Lernbegleitung finden. Einigkeit herrscht nur, dass der Ansatz Wert auf die Anleitung von Lehr-Lernprozessen und Beratung von Lernenden legt.

 Doch in welcher Form soll dies geschehen? Der von dem Psychologen John Erpenbeck getroffene Vergleich der Lernbegleitung mit einem Orchester macht ihre Bedeutung und ihre Merkmale anschaulich:

 

Das animierte Bild zeigt ein Cartoonorchester. Ein Dirigent steht vor einer Gruppe musizierender Gitarristen, Schlagzeuger, Saxophonspieler, Streicher und einer Sängerin.

                                              Dirigat eines Orchesters, Bild: Eigene Darstellung,  CC BY-SA 3.0 DE

„Auch ein Dirigent kann die Musik nicht selbst machen, er schafft lediglich Bedingungen dafür. Alle Musiker eines Orchesters lernen selbstverständlich täglich selbstorganisiert, indem sie mit ihrem Instrument üben. In den Proben bringen sie sich anschließend in gemeinsame Lernprozesse ihres Netzwerks ein und werden dabei vom Dirigenten gezielt begleitet. Natürlich werden sie auch theoretisches Wissen über ihre Musik aufbauen. Dies bildet aber nur die notwendige Voraussetzung.“

Erpenbeck, 2016, S. 106

 

Anhand dieses Vergleichs wird klar, was Lernbegleitung bedeutet:

Mit einer erzeugten Grundlage an theoretischem Wissen bei den Teilnehmenden schafft ein Lernbegleiter oder eine Lernbegleiterin Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Teilnehmenden sich selbstorganisiert weiterentwickeln können. Diese Weiterentwicklung ist gekennzeichnet durch zwei Teilprozesse, die sich immer wieder abwechseln: 

  1. Zunächst üben die Teilnehmenden persönlich jeder für sich, gemäß ihren persönlichen Voraussetzungen, in ihrem eigenen Tempo und setzen dabei  für sie relevante Schwerpunkte. Dieser individuelle Lernprozess ist deshalb so wichtig, weil einzelne Teilnehmende unterschiedliches Vorwissen mit sich bringen und verschiedene Lernstrategien verwenden.
  2. Im Anschluss kommen die Teilnehmenden nach der individuellen Weiterentwicklung wieder zusammen und vereinen dann unter Anleitung der Lehrperson gemeinsam ihre Lernerfolge. Durch diese begleitete Zusammenführung wird erreicht, dass jeder seinen Teil beiträgt und die Teilnehmenden durch ihre Verschiedenartigkeit voneinander profitieren können.

Während des kompletten Prozesses steht die Lehrperson den Teilnehmenden unterstützend und beratend beziehungsweise moderierend zur Seite. 
In diesem Sinne bedeutet Lernbegleitung also die Anleitung und Begleitung von Lernenden, sodass diese den Lernprozess zunächst angepasst an ihre ganz individuellen Voraussetzungen durchlaufen und im Anschluss den Gewinn ausschöpfen können. Der Gewinn ergibt sich aus der Heterogenität der Lerngruppe. 


Referenzen

Erpenbeck, J. (2016). Stoppt die Kompetenzkatastrophe! (1. Aufl.). Berlin, Heidelberg: Springer.

Kobarg, M. & Seidel, T. (2007). Prozessorientierte Lernbegleitung – Videoanalysen im Physikunterricht der Sekundarstufe I. Unterrichtswissenschaft, 35 (2), 148-168.

Perkhofer-Czapek, M. & Potzmann, R. (2016). Begleiten, Beraten und Coachen. Der Lehrberuf im Wandel (1. Aufl.). Wiesbaden: Springer.

Seidel, T. & Reiss, K. (2014). Lerngelegenheiten im Unterricht. In T. Seidel & A. Krapp (Hrsg.), Pädagogische Psychologie (6. Aufl., S. 253-275). Weinheim: Beltz.

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