Lehren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Biographien der Lernenden ELO

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Starten Lehrende mit einer neuen Gruppe, so weiß man in der Regel noch wenig über deren Einstellungen und Erfahrungen in Bezug auf das Lernen. Jedoch können die Erfahrungen, die Menschen mit dem Lernen gemacht haben, eine enorme Auswirkung auf das Lernen und die Motivation von Teilnehmenden haben – positive wie negative.
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Lehren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Biografien der Lernenden

Teilnehmende in Weiterbildungen bringen nicht nur ihre eigene Persönlichkeit mit, sondern auch ihre bisherigen Lernerfahrungen. Sie haben in unterschiedlichen Kontexten und zu verschiedenen Themen, mal unfreiwillig, mal freiwillig und mit verschiedenen Methoden und Herangehensweisen gelernt und dabei sowohl positive wie negative Erfahrungen gemacht. Diese Erfahrungen bringen sie in das Seminar, den Kurs, das Training mit und sie haben Auswirkungen auf die Erwartungen, Befürchtungen, Wünsche und Motivation. Sie sind den Teilnehmenden selten bewusst, aber sie können das Lernen sowohl fördern als auch behindern.

So wie Biografien insgesamt immer individualisierter sind, so sind auch Bildungs- und Lernbiografien immer individueller und einzigartiger. Aber auch umgekehrt lässt sich feststellen, dass die Notwendigkeit, die eigene Biografie selbst-bewusst zu gestalten, zu einer lebenslangen Lernaufgabe wird. In diesem Zusammenhang wird auch vom „Lebenslangen Lernen“ gesprochen. Zum Lebenslangen Lernen zählen nicht nur die institutionalisierten Lernprozesse und -angebote, sondern auch das nonformale Lernen. Lebenslanges Lernen beinhaltet das Lernen im Lebenslauf, also die lebensgeschichtliche Dimension.

Das bedeutet, dass mit der Lernbiografie zum einen das Lernen in Institutionen (Schule, Fahr-, Tanz-, Hochschule usw.) und Bildungsabschlüsse gemeint (zum Beispiel Hauptschulabschluss, Abitur, Führerschein etc.) sind.

 

Das Bild zeigt in der Mitte eine Studentin und sechs Bilder, die Aspekte ihrer Lernbiografie darstellen, z. B. Auto fahren lernen und zur Schule gehen.

Lernen in Institutionen und Bildungsabschlüsse, Bild: Eigene Darstellung

 

Zum anderen gehören aber auch alle Lernerfahrungen (bezogen auf Wissen, Haltungen, Fähig- und Fertigkeiten) dazu, die wir quasi nebenbei „en passant“ aufgenommen haben, zum Beispiel durch Reisen, Lebenskrisen usw.

 

Das Bild zeigt dieselbe Studentin und fünf Bilder, die weitere Lernerfahrungen darstellen, z. B. Reisen und Liebeskummer.

Lernerfahrungen, Bild: Eigene Darstellung

 

Lernen ist nicht nur auf Schule etc. beschränkt und kann somit auch nicht nur auf Kindheit und Jugend bezogen werden. Der Erziehungswissenschaftler Horst Siebert betont, dass Lebenslanges (oder auch lebensbegleitendes) Lernen untrennbar mit der eigenen Biografie verbunden ist.

Die folgende Grafik veranschaulicht noch einmal, in welchen Kontexten und Formen Menschen lernen. Deutlich wird hier vor allem, dass Lernen nicht immer absichtsvoll geschieht.

 

 

Formen des Lernens nach Reischmann, Bild: Eigene Darstellung

„Die persönliche Bildungsbiografie meint etwas sehr Persönliches und Intimes. Sie ist das Resultat aus den vielen Lebenserfahrungen und Lebensbestimmungen, an deren Ende die entfaltete Persönlichkeit des Menschen steht. Enttäuschung und Vernachlässigung sind darin genauso enthalten, wie die Momente, in denen starke Motivation und Förderung erlebt wird.“ 

(Prüfwasser, 1998)

Für eine effektive Erwachsenenbildungspraxis spielt deshalb die Berücksichtigung von lebensgeschichtlichen Erfahrungen, der subjektiven Wert- und Normbezüge, der Lernbiografie usw. sowohl auf Seiten der Teilnehmenden wie auch der Lehrenden eine bedeutende Rolle. Hierbei steht das sogenannte „biografische Lernen“ (oder Biografiearbeit) mit entsprechenden methodischen Zugängen im Zentrum didaktischer Überlegungen.

Praktisch bedeutet das, dass Lernende wie Lehrende selbstreflektiert ihre einmal erworbenen Denk- und Wahrnehmungsschemata daraufhin überprüfen, ob sie für die Gestaltung des weiteren Lebenslaufs beziehungsweise die konkrete aktuelle Weiterbildung einsatzfähig sind. Biographisches Lernen wird zur Voraussetzung und Anregung für Bildungsprozesse im Erwachsenenalter und anders herum bleibt der hinter seinen Lebensgestaltungsmöglichkeiten zurück, der seine eigene Lerngeschichte nicht kennt.

Warum eine Reflexion über den eigenen Lernweg wichtig für das aktuelle Lernen ist

Da Lernen immer Anschluss-Lernen ist, also an das anknüpft, was bereits an Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen da ist, ist der biografische Rückblick sehr wichtig. Er erlaubt es, den bisherigen Lernweg zu betrachten, vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse zu erkennen und neue Lernschritte zu planen.

Die Reflexion über die eigene Lernbiografie hilft, Lernerfahrungen auf den Punkt zu bringen. Dies stärkt das Selbst-Bewusstsein, bietet Ansatzpunkte für weitere Lern- und Handlungswege und zeigt auf, was man selbst auch an Angehörige und nachfolgende Generationen weitergeben kann oder will.

In jeder Weiterbildung ist es wichtig, im Hinterkopf zu haben, dass die Teilnehmenden unterschiedliche, positive wie negative Lernerfahrungen gemacht haben und dass diese das aktuelle Lernen beeinflussen. Ein aktives Arbeiten mit lernbiografischen Methoden in der Weiterbildung ist dann sinnvoll, wenn zum Beispiel

  • unterschiedliche Vorerfahrungen und besondere Lebenssituationen und -ereignisse eine wichtige Grundlage oder Ursache der Weiterbildung und der Gruppenzusammensetzung sind oder
  • es zu größeren Unstimmigkeiten zu Kursbeginn oder im Kursverlauf kommt.
„Biografiearbeit ist nichts Beliebiges: Indem sie durchdringt, je nach Verwendung und Notwendigkeit verschiedene Tiefen und Verbindlichkeiten erreicht, kann sie zu dem beitragen, was uns in einer aufgeteilten, arbeitsteiligen, abgeschotteten, manchmal fremd erscheinenden Welt fehlt: Integration.“ 

(Hans Georg Ruhe, 2014)

Biografiearbeit in Weiterbildungen

Für ein biografisches Arbeiten müssen Zeit und Raum geschaffen werden und nicht immer ist dies möglich. Aber schon  Erwartungs- und Vorerfahrungsabfragen zu Beginn einer Weiterbildung können viele Informationen zutage bringen, die für ein teilnehmerorientiertes Lehren und Lernen hilfreich sind. Hilfreich ist es, sich die Vorteile von Biografiearbeit vor Augen zu halten:

Die Vorteile von Biografiearbeit

Biografiearbeit in der Weiterbildung kann dabei helfen,

  • Unterschiede im Lernen-Können und -Wollen zu erkennen,
  • eigene und andere Bewertungsmuster aufzudecken,
  • die eigenen Denk- und Handlungsweisen zu reflektieren,
  • Ausgangssituationen angemessen zu ändern und
  • neue Wege und Möglichkeiten zu finden, motiviert und selbstgesteuert zu lernen.

Auch als Lehrperson ist es sinnvoll, sich immer wieder einmal mit der eigenen Lern- (und Lehr-) Biografie zu beschäftigen, denn die Erfahrungen, die wir mit dem Lernen (und dem Lehren) gemacht haben, beeinflussen unser aktuelles Verhalten als Trainer oder Trainerin. Unser Lehrstil, unsere Motivationen, aber auch Widerstände sind mit geprägt von den Erlebnissen unserer Lernbiografie.

Methoden für die Biografiearbeit

„Das Lernen begleitet uns durch das ganze Leben hindurch. Wir können nicht nicht lernen. Doch wie wir dem Lernen gegenüberstanden, was wir über das Lernen dachten, was uns dabei wichtig war, das hat sich wahrscheinlich im Laufe unseres Lebens verändert.“ 

(Klingenberger, 2007, S. 152)

In Anlehnung an den Begriff der Organisationskultur unterscheidet der Fachreferent für Pädagogik Hubert Klingenberger drei zentrale Aspekte der Lernkultur:

  1. Unsere grundsätzlichen Annahmen über das Lernen, wie sie sich zum Beispiel auch in allgemeinen Redewendungen äußern können: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.
  2. Werte und Prinzipien, die unser Lernen begleitet haben (positiv wie negativ), zum Beispiel „Lernen muss Spaß machen“ oder „Lernen braucht Disziplin“.
  3. Hilfsmittel, Gegenstände oder persönliche „Schöpfungen“, die uns beim Lernen unterstützt haben, zum Beispiel Scheibmappen, besondere Stifte, selbstgestaltete Materialien, technische Hilfsmittel …

Es gibt viele verschiedene Methoden, mit denen Biografiearbeit im Seminar angewendet werden kann. Im Folgenden finden Sie zwei Beispiele  für Methoden, die sich  in der Erwachsenenbildung  einsetzen lassen, zum Beispiel bei Lernbarrieren, in Seminaren für Arbeitnehmende im Zuge eines beruflichen Neuanfangs oder Senioren und Seniorinnen.  Je nach Methode benötigen Sie ein Whiteboard oder Flipchart, ein Wollknäuel, Blätter, Bilder  mit unterschiedlichen Motiven und Karten. 

Impulse geben: Assoziationen

Das Bild zeigt eine Dozentin im Seminarraum mit verschiedenen Hilfsmitteln, die in Assoziationsübungen eingesetzt werden können, wie z. B. Bilder oder ein Wollknäuel.

Assoziationsübungen, Bild: Eigene Darstellung

 

Mit Assoziationsübungen können Erinnerungen zu unterschiedlichen biografischen Themen hervorgerufen werden.

  • Die Lehrperson stellt einen Begriff (zum Beispiel Schule) in den Raum, zu dem die Teilnehmenden ihre Assoziationen zurufen. Diese werden unkommentiert an die Tafel oder das Whiteboard geschrieben.
  • Die Teilnehmenden erzählen sich eine Geschichte zu dem Thema. Jedes Gruppenmitglied erzählt mit einem aus unterschiedlichen Garnresten zusammengeknüpften Wollknäuel so lange, bis der Knoten zum nächsten Faden durch seine oder ihre Hand läuft. Dann gibt er oder sie den Wollknäuel weiter.
  • Alle Gruppenmitglieder sitzen im Kreis und äußern sich auf einem leeren Blatt zu dem vorgegebenen Thema. Die Blätter werden im Uhrzeigersinn weitergegeben. Dabei schreiben alle ihre Assoziationen zum vorher Geschriebenen und reichen das jeweilige Blatt weiter.
  • Es werden im Seminarraum unterschiedliche Bilder ausgelegt. Jedes Gruppenmitglied  sucht für sich ein Bild, das am besten zu seinem oder ihrem  Gefühl zu dem Thema passt. Dann wird die Wahl bzw. innere Reaktion individuell erläutert.
  • Alle geben  zum Thema bzw. zur thematischen Frage reihum Kurzantworten. Der Nachbar oder die Nachbarin formuliert drei Ergänzungen, Widersprüche oder Gegenargumente.

(Vgl. Ruhe, S. 169-170, angepasst)

Bilanz ziehen: Motto

Das Bild zeigt vier Zitate berühmter Persönlichkeiten zum Thema Lernen.

Bilanz ziehen: Motto, Bild: Eigene Darstellung

 

Alle Teilnehmenden suchen für ihre Lernbiografie eine Überschrift (Motto), in der möglichst alle Lernerfahrungen konzentriert sind.

  • Die Lehrperson bittet die Teilnehmenden, die eigene Lernbiografie mit einem Spruch, Sprichwort, Aphorismus oder einer selbst gewählten Überschrift zu betiteln.
  • Auf Karten werden unterschiedliche Sprüche und Sprichworte aufgeschrieben und ausgelegt. Alle Teilnehmenden suchen für sich das zutreffende Motto aus.
  • Die Teilnehmenden nennen bis zu zehn Schlüsselwörter, die ihre eigene Lernbiografie kennzeichnen.

(Vgl. Ruhe, S. 235, angepasst)

Referenzen

Gutjons, H., Pieper, M. & Wagener, B. (2003). Auf meinen Spuren. Das Entdecken der eigenen Lebensgeschichte. Vorschläge und Übungen für pädagogische Arbeit und Selbsterfahrung (6. Aufl.). Hamburg: Bergmann + Helbig.

Klingenberger, H. (2007). Lebenslauf. 365 Schritte für neue Perspektiven. München: Don Bosco Verlag

Prüfwasser, J. (1998). Ein Traum von tausend Freiheiten oder Jede Biographie ist eine Bildungsbiographie. Forum-Informationen, 1998 (2), S. 6-8.

Reischmann, Jost (2009). Formen des Lernens Erwachsener. In: Fuhr, T., Gonon, P.   & Hof, C. (Hrsg.). Handbuch der Erziehungswissenschaft, Band II/2 Erwachsenenbildung Weiterbildung (S. 851-862). Paderborn: Schöning.

Ruhe, H. G. (2014). Praxishandbuch Biografiearbeit. Methoden, Themen, Felder, Weinheim / Basel: Beltz Juventa.

Siebert, H. & Rohs, M. (2016). Lernen und Bildung Erwachsener (Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen - Grundlagen & Theorie). Bielefeld: wbv Media.

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Lehren unter Berücksichtigung unterschiedlicher Biografien der Lernenden

Schauen Sie sich das folgende Video an. Es geht um  eine Szene aus einem Führungskräftetraining. 

Im Video erwarten Sie zwei Aufgaben. Klicken Sie im Anschluss an das Video  auf das kleine Sternchen am Ende des Fortschrittsbalkens unter dem Video, um die Aufgabe abzuschließen.

 

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