Methoden für Beratungsgespräche ELO

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 Ohne eine dezidierte Beratungsausbildung liegt es nahe, sich auf den informierenden Teil der Beratung zu konzentrieren. Damit aus einem reinen Informationsangebot jedoch auch eine tiefer gehende Entscheidungs- und Übergangsberatung resultieren kann, brauchen Beratende Kenntnisse und Kompetenzen in der Durchführung methodisch angeleiteter Prozesse.
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Methoden für Beratungsgespräche

Beratende sollten verschiedene Methoden für die Beratung kennen. Für eine gelungene Beratung ist es jedoch wichtig, diese auch an die jeweilige Situation anpassen und verändern zu können. Die hier vorgestellten Methoden haben deshalb vor allem exemplarischen Charakter und zeigen, wie in der Bildungsberatung mit Methoden gearbeitet werden kann.

Bei der Auswahl einer passenden Methode kommt es darauf an, zu reflektieren, welche Ziele und Funktionen sie erfüllen soll. Beratungsmethoden lassen sich außerdem unterschiedlichen Etappen im Beratungsprozess zuordnen. Manche eigenen sich eher zur Beschreibung oder der gemeinsamen Analyse der Situation, andere begleiten Ratsuchende bei der Erarbeitung von Problemlösungen oder bereiten eine Entscheidungsfindung vor.

 

Visualisieren

Neben den Gesprächsführungstechniken gehören Visualisierungen zum grundlegenden Handwerkszeug in der Beratung. Ratsuchende erhalten einen sichtbareren Zugang zu ihrem Beratungsanliegen als durch das reine Beratungsgespräch. Visualisierungen unterstützen sowohl Beratende als auch Ratsuchende dabei, komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen, erhöhen die Aufmerksamkeit und können dadurch den Beratungsprozess beschleunigen.

 

Das Bild zeigt eine Ratsuchende, die auf einem Flipchart ihr Ziel grafisch visualisiert und ihrer Dozentin erklärt.

Visualisierung von Zielen, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Zum Visualisieren können verschiedene Materialien, Methoden und Techniken verwendet werden. Ein paar werden im Folgenden vorgestellt:

  • Visualisierung von Zielen

Damit Ratsuchende ihr Ziel vor Augen haben, kann es visualisiert werden. Dies geschieht am besten durch den Ratsuchenden selbst – zum Beispiel auf einem Flipchart – durch Begriffe oder/und Bilder.

  • Themensammlung auf Karten

Mit Hilfe von Moderationskarten können Themen, Lösungsideen, Ressourcen, etc. notiert werden. In einem weiteren Schritt können die Karten sortiert, zugeordnet oder geclustert werden.

  • Visualisierung von Zusammenhängen

Komplexe oder sich bedingende Situationen oder auch Team-Konstellationen lassen sich gut auf Papier oder einem Chart graphisch als Diagramm oder Strukturbild darstellen.

  • Erzählungen visualisieren

Mit Sketchnotes können Beratende mit einfachen Symbolen Erzählungen von Ratsuchenden leicht in kleine Zeichnungen übertragen. Dies hat den Vorteil, dass die Bilder sofort mehrere Gehirnregionen der Ratsuchenden ansprechen, die im reinen Beratungsgespräch nicht aktiviert werden. So fällt es z. B. viel leichter, sich in die Lage einer anderen Person hinein zu versetzen, wenn diese einen grafischen Stellvertreter erhält.

Mauer einreißen

Als Mauersteine werden Aspekte bezeichnet, die Ratsuchenden bei der Problemlösung im Weg stehen. Diese werden auf Moderationskarten geschrieben gesammelt und später aus dem Weg geräumt.

Diese Symbolmethode kann besonders gut eingesetzt werden, wenn es um ein sehr komplexes Problem geht, welches sich aus mehreren Teilaspekten oder Teilproblemen zusammensetzt.

 

Das Bild zeigt eine Kursteilnehmerin, die ihrer Dozentin ihr Problem schildert. Das Problem ist auf einem Flipchart in einem Satz zusammengefasst.

Methode "Mauer einreißen", Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Der Ablauf:

1. Vorbereitung:

Zunächst sollten Moderationskarten bereitgelegt werden. Diese stellen später beschriftet die Steine der Mauer dar. Außerdem wird eine freie Wand oder eine Pinnwand benötigt.

2. Methode einleiten:

Zunächst wird das Problem des Ratsuchenden auf ein Plakat oder Flipchart geschrieben. Dann werden die einzelnen Teilaspekte des Problems besprochen und auf die Steine (Moderationskarten) geschrieben. Anschließend werden die Karten als Mauer an eine Pinnwand geheftet. Dabei sollte außerdem deutlich werden, welche Aspekte miteinander in Verbindung stehen und worauf die einzelnen Aspekte aufbauen.

3. Kernphase:

Auf dieser Grundlage kann jetzt mit der Erarbeitung von Lösungsstrategien begonnen werden. Die Mauer kann dabei an verschiedenen Stellen „eingerissen“ werden, wenn Lösungen gefunden worden sind. Als erstes werden hierfür die Aspekte von den Ratsuchenden benannt, auf die sie einen Einfluss haben. Diese Aspekte werden aus der Mauer entfernt und an die Seite gelegt. Vorher werden die Lösungsideen auf den Steinen notiert. Dann wird nach Lösungen für die restlichen Steine gesucht, bis die Mauer abgebaut ist.

4. Abschluss und Transfer:

Wurden alle Ideen genannt, wird ein Plan zur Realisierung aufgestellt. Dabei wird geklärt, welche Schritte bis wann und von wem gemacht werden sollen.

Sind Steine übriggeblieben, weil keine Lösung gefunden wurde oder die ratsuchende Person hierauf keinen Einfluss hat, werden diese im Beratungsgespräch thematisiert. Auch das Annehmen von Aspekten, die sich nicht verändern lassen, kann einen Teil von Lösung- und Entscheidungsprozessen darstellen.

Erfolgt die Beratung in mehreren Sitzungen, kann der Realisierungsplan als Inhalt für ein nächstes Gespräch dienen. Dabei kann darüber gesprochen werden, welche Maßnahmen bereits umgesetzt wurden und wofür der oder die Ratsuchende weitere Lösungsansätze benötigt.

 

Bodenanker

Das Bild zeigt eine Kursteilnehmerin und ihre Dozentin bei der Durchführung der Methode "Bodenanker".

Methode "Bodenanker", Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

1. Vorbereitung:

Zettel und Stifte bereitlegen und für ausreichend Platz sorgen.

2. Methode einleiten:

Ergibt sich im Beratungsgespräch eine Situation, in der Ratsuchende über ein Problem sprechen und einige verschiedene Handlungsoptionen benennen, kann diese Methode kurz vorgestellt werden.

3. Kernphase:

Zuerst wird das Problem oder eine Handlungsoption benannt und auf einen Zettel geschrieben. Der Zettel wird dann auf den Boden gelegt. Dies kann der oder die Ratsuchende am besten selbst tun.

Der oder die Ratsuchende stellt sich dann auf den Bodenanker und fühlt sich in die Situation hinein. Er kann dafür die Augen schließen. Er schildert dann, wie es sich anfühlt, was er ändern, verbessern oder stärken möchte. Dabei ist es wichtig, zu ergründen, was dazu benötigt wird, um eine Situation zu verändern oder zu verbessern. Diese Begriffe oder Stichworte können als weitere Bodenanker fungieren. Mögliche Bodenanker können sein: Problemzustand, Zielbestimmung oder nächster Schritt.

Durch gezielte Fragen kann der oder die Beratende dem Ratsuchenden dabei helfen, sich in die Situation hinein zu fühlen.

  • Frage nach den Umständen: Wodurch macht sich das Problem bemerkbar?
  • Frage nach den Zielen und Wünschen: Woran würden Sie Erfolg/Misserfolg bemerken/festmachen? Was ändert sich, wenn das Problem gelöst ist? Was ist noch wichtig?
  • Frage nach Intensität und Bedeutung: Welche Aspekte sind eher wichtig/eher unwichtig? Wann ist das Problem stärker/schwächer/förderlich/hinderlich?
  • Fragen zu Außenperspektiven: Wie würde X dieses Problem/diese Situation beschreiben?
  • Fragen nach Ressourcen: Was haben Sie bereits unternommen, um das Problem zu lösen? Wo kommt Energie für Lösungen her? Wie haben Sie ähnliche Probleme erfolgreich bewältigt? Wer könnte am meisten zu einer Lösung beitragen und wie können Sie das erreichen?

Hilfreich ist es, wenn sich der oder die Beratende während der Übung Notizen macht.

4. Abschluss und Transfer:

Nachdem sich der oder die Ratsuchende auf jeden Bodenanker gestellt, sich in die Situation hineingefühlt hat und durch gezielte Fragen durch die Situationen begleitet wurde, können Sie sich gemeinsam hinsetzen und die Bodenanker betrachten. Nun soll die ratsuchende Person erzählen, wie sie sich auf den einzelnen Bodenankern gefühlt hat, was sie gelernt hat und welche Lösung beziehungsweise nächsten Schritte sich für sie am besten oder am selbstverständlichsten angefühlt haben. Die Ratsuchende kann nun zusammen mit der oder dem Beratenden die nächsten Schritte benennen.

Tetralemma

Diese Methode kommt aus der systemischen Beratung. Tetralemma setzt sich etymologisch aus dem Griechischen zusammen: tetra: vier, lemma: Voraussetzung, Annahme. Mit der Methode sollen Entscheidungsprozesse unterstützt werden, insbesondere dann, wenn sich die Ratsuchenden in einem vermeintlichen Dilemma befinden. Mit dem Tetralemma werden Entscheidungsmöglichkeiten erweitert.

Der Ablauf:

1. Vorbereitung

Zunächst werden vier Karten vorbereitet.  Auf den Karten steht „Das Eine“, „Das Andere“, „Beides“ und „Keines von Beiden“. 

Klicken Sie auf die Fragezeichen im Bild, um sich anzeigen zu lassen, was die einzelnen Positionen bedeuten:

 

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Tetralemma, Bild: Eigene Darstellung,  CC BY-SA 3.0 DE

 

Die beratende Person muss in der Lage sein, die einzelnen Positionen für die oder den Ratsuchenden zu erklären. Und sie muss ebenfalls erkennen können, ob die oder der Ratsuchende die einzelnen Positionen innerlich sauber voneinander trennen kann und die Fragen jeweils aus den entsprechenden Positionen heraus beantworten kann.

2. Methode einleiten:

Ergibt sich im Beratungsgespräch eine Situation, in der Ratsuchende zwei Möglichkeiten haben, zwischen denen sie sich nicht entscheiden können, kann diese Methode kurz vorgestellt werden. Die beiden Möglichkeiten werden benannt und es wird definiert, was „die Eine“ und was „die Andere“ Möglichkeit ist. Dann werden die ersten vier Karten auf den Boden gelegt.

3. Kernphase:

Die beratende Person bittet die oder den Ratsuchenden, sich auf die Position „Das Eine“ zu stellen. Er fragt sie oder ihn, wie es sich anfühlt, diese Entscheidung zu treffen, welche Gedanken, Bilder, Emotionen und Empfindungen auftauchen. Hierfür sollte die oder der Ratsuchende ausreichend Zeit haben.  

Die Frage lautet hier: „Angenommen, Sie hätten sich für diese Option schon entschieden ...?“. Hilfreich können hier auch die Fragen nach den Psychologischen Ebenen von Robert Dilts sein:

  • Wo genau befinden Sie sich dann?
  • Mit wem sind Sie dort? (Umwelt)
  • Wie genau verhalten Sie sich? » Was tun Sie? (Verhalten)
  • Welche Ihrer Fähigkeiten setzen Sie dazu besonders ein? (Fähigkeiten)
  • Wofür ist das wichtig? Wozu ist das gut?
  • Worauf achten Sie dabei besonders? (Werte, Glaubenssätze)
  • Wer sind Sie dann? » Wem sind Sie dann ähnlich? (Identität)
  • Zu wem oder was fühlen Sie sich dann zugehörig?
  • Was ist Ihre Aufgabe? (Zugehörigkeit, Spiritualität)

Danach soll die oder der Ratsuchende die Position „Das Andere“ einnehmen. Auch hier soll sie bzw. er erzählen, was alles auftaucht und wahrgenommen wird, und auch hier können die Fragen nach den Psychologischen Ebenen unterstützen. Die Frage lautet hier: „Angenommen, Sie hätten sich für diese Option schon entschieden ...?“.

Im Anschluss geht es auf die Position „Beides“. Hier fragt die beratende Person, ob Ideen dazu entstehen, ob Beides oder etwas von Beidem vorstellbar ist. Auch hierbei werden Gedanken, Bilder, Emotionen und Empfindungen berücksichtigt. Die oder der Ratsuchende kann mit den folgenden Fragen unterstützt werden: „Angenommen es gäbe eine Möglichkeit ‚Das Eine‘ und ‚Das Andere‘ miteinander zu verbinden?“. Folgefragen beziehungsweise Entscheidungshilfen sind hier unter anderem:

  • Wie könnte dies aussehen?
  • Was müsste auf jeden Fall gegeben sein?
  • Auf was können Sie in keinem Fall verzichten?

Dann geht es um die Position „Keines von Beiden“. Es kann bisher „Übersehenes“ im anstehenden Entscheidungsprozess fokussiert werden. Gibt es möglicherweise noch ganz andere Entscheidungsoptionen, die bisher nicht wahrgenommen werden konnten? Es geht auch darum, aus einer Metaposition heraus zu fragen, um was es bei der anstehenden Entscheidung noch geht:  „Angenommen es wäre ‚Keins von Beiden‘. Sie schauen von außen auf diese beiden Optionen und erinnern sich:“

  • Was würde durch „Das Eine“/“Das Andere“ möglich?
  • Welche Bedürfnisse erfülle ich? Für wen?
  • Was ist mir hier wichtig?
  • Welche Werte sind hier möglicherweise wichtig?
  • Wer hat möglicherweise etwas gegen diese Position?
  • Wem würde ich ähnlicher/unähnlicher durch diese Position?
  • Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Positionen? Welche Unterschiede?
  • Was gäbe es für Alternativen, bei denen die genannten Bedürfnisse und Werte berücksichtigt werden?

 Hilfreich ist es, wenn sich die bzw. der Beratende während der Übung Notizen macht.

4. Abschluss und Transfer:

 

Das Bild zeigt eine Kursteilnehmerin, wie sie mit ihrer Dozentin in der Abschlussphase über das Erlebte spricht.

Abschluss und Transfer, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE

 

Nachdem sich die oder der Ratsuchende auf jeden Zettel gestellt, sich in die Möglichkeit hineingefühlt hat und durch gezielte Fragen durch die Situationen begleitet wurde, können Sie sich gemeinsam hinsetzen und über das Erlebte sprechen. Die ratsuchende Person erzählt, was sie gelernt hat und welche Lösung beziehungsweise nächsten Schritte sich für sie nun am besten oder am selbstverständlichsten angefühlt haben. Die ratsuchende Person kann nun zusammen mit der oder dem Beratenden die nächsten Schritte benennen.

Referenzen

Bergedick, A.; Rohr, D.; Wegener, A. (2011). Bilden mit Bildern. Visualisieren in der Weiterbildung. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Dilts, Robert B. (2005). Professionelles Coaching mit NLP: Mit dem NLP-Werkzeugkasten geniale Lösungen ansteuern. Paderborn: Junfermann.

Knoll, J. (2008). Lern- und Bildungsberatung, Professionell beraten in der Weiterbildung. Bielefeld: wbv Media.

Schlüter, A.; Kress, K. [Hrsg.] (2017). Methoden und Techniken der Bildungsberatung. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Wimmer, A., Buchacher, W., Kamp, G., & Wimmer, J. (2012). Das Beratungsgespräch. Skills und Tools für die Fachberatung. Wien: Linde.

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