Selbstgesteuertes Lernen – Was ist das überhaupt? ELO

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Im Folgenden lernen Sie, was selbstgesteuertes Lernen bedeutet und welche Bereiche des Lernens selbst- oder auch fremdgesteuert werden können.
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Selbstgesteuertes Lernen – Was ist das überhaupt?

Rita Leifert ist Kunsthistorikerin. Sie unterrichtet Kunstgeschichte in verschiedenen Bildungseinrichtungen in Mainz.  Animiert durch ihre Kollegen hat  sie sich fest vorgenommen, selbstgesteuertes Lernen in ihrem Kurs anzuwenden. Vorab möchte sie jedoch  genauer verstehen, was es mit dem Begriff auf sich hat. Die Suche nach einer passenden Definition erweist sich  weniger einfach als gedacht, denn in der Literatur stößt man auf 200 verschiedene Vorschläge. Dadurch wird klar: Es gibt kein einheitliches Verständnis, was selbstgesteuertes Lernen bedeutet. Jedoch kann bereits ein Blick auf die einzelnen Begriffe zur Klärung beitragen. 

Klicken Sie auf das Info-Symbol, um nähere Informationen zu den Bausteinen des Begriffs zu sehen.

 

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Verständnis selbstgesteuerten Lernens, Bild: Eigene Darstellung, CC BY-SA 3.0 DE


Auf dieser Basis sollen an dieser Stelle nun beispielhaft zwei Definitionen vorgestellt werden, um das Verständnis von selbstgesteuertem Lernen auszubauen. 

Definition

Eine oft verwendete Definition stammt von dem Psychologen Fritz Weinert, demzufolge selbstgesteuertes Lernen bedeutet, dass

„der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann.“ (Weinert, 1982, S. 102).

 

Etwas weiter geht die Definition des Erwachsenenpädagogen Günther Dohmen:

„Beim selbstgesteuerten Lernen sollen die Lernenden im Wesentlichen selbst über Ziele, inhaltliche Schwerpunkte und Wege ihres Lernens entscheiden, aber dazu jeweils gemäß ihrer eigenen Bedürfnisse und Voraussetzungen auch die organisierten Weiterbildungsgelegenheiten und Lernhilfen nutzen.“ (Dohmen, 1999, S. 30).

Sowohl bei der Analyse der einzelnen Begriffe als auch bei beiden Definitionen steht klar der Einfluss des „Selbst“ im Vordergrund. Jedoch sollte nicht unbeachtet bleiben, dass trotzdem keine völlige Unabhängigkeit im Lernen besteht. Denn in der Praxis kann Lernen innerhalb einer Institution nie völlig frei von externen Einflüssen ablaufen.

Aus diesem Grund verorten die Berufspädagogen Günter Pätzold und Martin Lang selbstgesteuertes Lernen auf einem Kontinuum zwischen absoluter Autonomie und vollständiger Fremdsteuerung:

 

                                                                            Kontinuum selbstgesteuerten Lernens, Abbildung: Pätzold & Lang, 2004, S. 5

 

Die Verortung des selbstgesteuerten Lernens liegt in der Tendenz näher an dem Pol „Absolute Autonomie“, richtet sich jedoch nach dem Ausmaß der Selbststeuerung. Dieser Pol  ist im Wesentlichen von den Ebenen der Selbststeuerung abhängig. Wichtig ist jedoch, dass Lernen nie völlig selbstständig oder völlig unselbstständig sein kann. 
 

Klicken Sie auf den Info-Icon, um nähere Informationen zu den verschiedenen Ebenen zu sehen.

 

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Ebenen und Bausteine selbstgesteuerten Lernens, Bild: Eigene Darstellung nach Dietrich, 2001, S. 22

 

Die Wahl, welche Ebenen selbst- und welche fremdgesteuert werden, ist situationsabhängig. Wesentlich ist aber, dass hierüber sowohl seitens der Lehrenden als auch seitens der Lernenden absolute Klarheit herrscht. Idealerweise fallen diese Entscheidungen gemeinsam zu Beginn des Kurses, wodurch eine transparente Verteilung der Verantwortung gewährleistet werden kann.

Fazit

Selbstgesteuertes Lernen wird nicht ausschließlich von den Lernenden selbst gesteuert, sondern ebenfalls von außen beeinflusst. Dabei bewegt es sich zwischen den Polen absolute Autonomie und vollständige Fremdsteuerung, wobei die Verortung in der Tendenz nahe dem Pol absolute Autonomie liegt. Selbstgesteuertes Lernen kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden, wobei jede Ebene unabhängig von den anderen selbst- oder fremdgesteuert wird.


Referenzen

Dohmen, G. (1999). „Selbstgesteuertes Lernen“ als Ansatzpunkt für einen notwendigen neuen Aufbruch in der Weiterbildung. In BMBF (Hrsg.), Selbstgesteuertes Lernen. Dokumentation zum KAW-Kongress vom 4. bis 6. November 1998 in Königswinter (27-32). Bonn: BMBF.

Faulstich, P. (2001). Förderung selbstgesteuerten Lernens. In S. Dietrich (Hrsg.), Selbstgesteuertes Lernen in der Weiterbildungspraxis (S. 39-55). Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Pätzold, G. & Lang, M. (2004). Unterrichtsentwicklung I: Förderung des selbst gesteuerten Lernens in der beruflichen Erstausbildung. Dortmund: Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Berufspädagogik der Universität Dortmund.

Weinert, F. E. (1982). Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts. Unterrichtswissenschaft, 10 (2), 99-110.

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Aufgabe zu "Die Aufgabenverteilung beim selbstgesteuerten Lernen"

Die folgende Aufgabe thematisiert, welche  Anforderungen das selbtgesteuerte Lernen  an Lehrende und  an Lernende  stellt.

Ordnen Sie die  in den grauen Kästen genannten Anforderungen jeweils der richtigen Spalte zu.

 

Wenn alle Zuordnungen richtig sind, erhalten Sie insgesamt 1 Punkt für die Aufgabe.

 

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